Panorama

Hilferuf aus Pariser Kliniken Frankreichs Angst vor dem Wochenende

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Viele Kliniken in Frankreich sehen sich für die kommenden Tage und Wochen nicht gut genug ausgerüstet.

(Foto: dpa)

In Frankreich breitet sich die Covid-19-Epidemie immer schneller aus - und bringt die Kliniken des Landes an ihre Grenzen. Zum Wochenende sollen die Infektionszahlen noch einmal deutlich ansteigen. In Ostfrankreich und Paris rufen Krankenhäuser um Hilfe, weil sie sich für den Ansturm nicht gerüstet fühlen.

Frankreich erwartet am Wochenende die bisher größte Zahl neuer Corona-Erkrankungen: Premierminister Edouard Philippe sprach in Paris nach einem Krisentreffen der Regierung vor einer "extrem großen Welle, die über Frankreich hinwegspült". Neben den überlasteten Krankenhäusern in Ostfrankreich riefen auch die Pariser Kliniken um Hilfe. Philippe sagte weiter, in den kommenden Tagen werde die Situation für die Krankenhäuser und die Bürger besonders schwierig werden. Er sprach von einer "Krise, die andauern wird, von einer Gesundheitslage, die sich nicht schnell verbessert".

Als sicher gilt, dass die Regierung die vorerst bis Dienstag befristete Ausgangssperre verlängert. Wann sie dies ankündigen will, ist aber noch offen. Nach Angaben des Innenministeriums stellte die Polizei in den vergangenen zehn Tagen 225.000 Bußzettel wegen Verstößen aus. Mit bisher knapp 1700 Toten gehört Frankreich nach Italien und Spanien zu den am meisten betroffenen Ländern der EU. Innerhalb von 24 Stunden war die offizielle Zahl der Toten nach Angaben vom Donnerstagabend um 365 gestiegen. Für Entsetzen sorgte der Tod einer 16-Jährigen aus dem Pariser Süden, die nach Angaben ihrer Familie keine Vorerkrankungen hatte.

Die Pariser Krankenhäuser forderten angesichts der vielen Notfälle Hilfe: Es müssten dringend Patienten in andere Regionen verlegt werden, "um für die Kranken von morgen oder übermorgen Platz zu schaffen", sagte der leitende Arzt Bruno Riou von der öffentlichen Krankenhausgesellschaft Assistance Publique - Hôpitaux de Paris (AP-HP). Der Pariser Großraum ist neben dem Osten Frankreichs das am stärksten betroffene Gebiet.

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Aus dem Krisengebiet im Elsass wurden sechs weitere Patienten in den Westen Frankreichs verlegt. Ein Militärflugzeug mit Kranken aus überfüllten Kliniken in Mülhausen und Colmar traf in Bordeaux ein. Zum Transport von weiteren 20 Kranken nach Westfrankreich war zuvor erstmals auch ein medizinisch umgerüsteter TGV-Schnellzug zum Einsatz gekommen. Neben Krankenhäusern im Elsass sollte erstmals auch die Universitätsklinik in Nancy entlastet werden, wie die Leitung mitteilte.

Der Tod einer Supermarkt-Kassiererin und von zwei Mitarbeitern von Lieferdiensten rief erneut die Gewerkschaften auf den Plan: Sie forderten einen besseren Schutz für solche Arbeiter. Eine Polizeigewerkschaft rief ihre Mitarbeiter auf, die Kontrollen der geltenden Ausgangssperre einzustellen, solange es nicht Schutzmasken für jeden Beamten gebe. Auch die überfüllten französischen Gefängnisse sind vom Coronavirus betroffen: Nach Angaben der nationalen Gefängnisverwaltung DAP sind in verschiedenen Haftanstalten rund 50 Wärter erkrankt sowie mehr als 20 Insassen.

Quelle: ntv.de, Stéphane Orjollet, AFP