Panorama

Tödlicher Schuss auf 22-Jährigen Französischer Polizist muss in Gewahrsam

In mehreren Vierteln von Nantes, die als soziale Brennpunkte gelten, wurden erneut Autos angezündet und Geschäfte beschädigt.

In mehreren Vierteln von Nantes, die als soziale Brennpunkte gelten, wurden erneut Autos angezündet und Geschäfte beschädigt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei einer Verkehrskontrolle im französischen Nantes versucht ein junger Mann zu fliehen und wird von einem Polizisten erschossen. Das hat für den Beamten nun Konsequenzen. Indes kommt es bei Protesten gegen Polizeigewalt erneut zu Ausschreitungen.

Der tödliche Schuss auf einen 22-Jährigen hat für einen französischen Polizisten Konsequenzen: Der Beamte wurde wegen des Verdachts auf "mutwillige Gewaltanwendung durch eine Amtsperson" in Polizeigewahrsam genommen, wie die Staatsanwaltschaft im westfranzösischen Nantes mitteilte. Nach zwei Nächten mit Krawallen hatte die Regierung "größtmögliche Transparenz" bei der Untersuchung des Vorfalls versprochen.

Die Staatsanwaltschaft geht nach eigenen Angaben davon aus, dass der Polizist den Mann unabsichtlich tötete. Nach Angaben der örtlichen Polizeileitung schoss der Beamte auf den 22-Jährigen, als dieser bei einer Verkehrskontrolle versuchte, mit seinem Auto zu fliehen. Dabei soll er einen weiteren Beamten verletzt haben, woraufhin sein Kollege geschossen habe. Die Staatsanwaltschaft bestätigte diese Darstellung jedoch nicht. Unklar ist auch, warum der Polizist mit seiner Dienstwaffe auf den Hals des Mannes zielte.

Der 22-Jährige war der Polizei wegen Diebstahldelikten bekannt. Sein Tod am Dienstag führte zu schweren Ausschreitungen. Nach einer zweiten Nacht der Gewalt in Nantes nahm die Polizei 19 Menschen vorübergehend fest. Davon waren elf am Donnerstag noch in Polizeigewahrsam, wie Regierungschef Edouard Philippe bei einem Besuch in der Stadt mitteilte. Darunter sind auch vier Minderjährige.

Schusswaffengebrauch in Frankreich angestiegen

In mehreren Vierteln von Nantes, die als soziale Brennpunkte gelten, wurden erneut Autos angezündet und Geschäfte sowie öffentliche Gebäude beschädigt, darunter auch eine Bibliothek und ein Kommissariat. Die Bereitschaftspolizei setzte Tränengas ein.

Auch in der Gemeinde Garges-lès-Gonesse nördlich von Paris kam es zu Ausschreitungen: Polizisten wurden mit Molotow-Cocktails und Wurfgeschossen attackiert, Mülleimer angezündet. Dort gab es eine Festnahme. In Garges-lès-Gonesse, woher das Todesopfer stammt, hatte es zuvor einen Protestmarsch gegen Polizeigewalt gegeben. In Nantes ist am Abend eine Kundgebung zum Gedenken an den Getöteten geplant.

Die sozialistische Vorgängerregierung hatte die Regeln zum Schusswaffengebrauch für Polizisten gelockert und die Vorgaben für Notwehr ausgeweitet. Anlass war ein Angriff mit Molotow-Cocktails auf Polizisten in einer Pariser Vorstadt 2016, bei dem vier Beamte zum Teil schwer verletzt wurden. Auch bei der Serie islamistischer Anschläge mit mehr als 240 Toten seit Anfang 2015 wurden Sicherheitskräfte immer wieder zum Ziel.

Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der französischen Polizei stieg der Schusswaffengebrauch nach der Lockerung der Regeln an: Danach gaben Beamte 14 tödliche Schüsse alleine im zweiten Halbjahr 2017 ab. In Deutschland gab es im gesamten vergangenen Jahr 14 tödliche Schüsse von Polizisten.

Quelle: ntv.de, lri/AFP

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