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Scharia verhängt PeitschenhiebeFrau erhält Rekordstrafe wegen Sex

30.01.2026, 11:32 Uhr
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Auspeitschungen finden in der Region Aceh meistens öffentlich statt. Die Gesichter der Scharia-Beamten sind unter einer Haube versteckt. (Foto: dpa)

In einem indonesischen Scharia-Gericht werden eine Frau und ein Mann wegen angeblicher sexueller Vergehen ausgepeitscht. Es handelt sich um eine historisch hohe Strafe.

140 Schläge mit einem Schlagstock aus Rattan auf den Rücken müssen eine Frau und ein Mann aus der indonesischen Provinz Aceh jeweils erleiden. Das Paar soll unverheiratet Sex gehabt und Alkohol getrunken haben - beides verboten. Die Strafe ist Teil des dort geltenden Scharia-Gesetzes. Die Frau soll am Ende der öffentlichen Bestrafung das Bewusstsein verloren haben, berichtet ein AFP-Reporter laut "The Guardian", der die Szene beobachtet hat. Sie musste auf dem Weg zu einem Krankenwagen gestützt werden.

Die Zahl der Schläge ist die wohl höchste Anzahl an Schlägen, die in der Region von einem Scharia-Gericht verhängt wurde, seit das islamische Gesetz 2006 eingeführt wurde. 100 Schläge seien die Höchststrafe für Sex, ohne verheiratet zu sein, 40 weitere für den Konsum von Alkohol, erklärte demnach Muhammad Rizal, Leiter der Scharia-Polizei der Stadt Banda Aceh. Im restlichen Indonesien sieht das klassische Rechtssystem bis zu ein Jahr Gefängnis als Strafe für Sex von unverheirateten Paaren vor.

Auspeitschen ist verbreitete Scharia-Strafe

Vier weitere Menschen wurden ebenfalls ausgepeitscht, weil sie das islamische Gesetz gebrochen haben, darunter ein Polizeibeamter der Scharia und seine Partnerin, weil sie "in engem Kontakt an einem privaten Ort" erwischt worden seien. "Wie versprochen machen wir keine Ausnahmen, insbesondere nicht für unsere eigenen Mitglieder. Das schadet sonst unserem Ruf", wird Rizal zitiert.

Auspeitschen gilt in Aceh als verbreitete Strafe für eine Reihe vermeintlicher Vergehen, wie Glücksspiel, Alkoholkonsum, Sex von gleichgeschlechtlichen Partnern oder Sex von unverheirateten Paaren. Erst 2025 sind zwei schwule Männer mit jeweils 76 Schlägen ausgepeitscht worden, weil sie in einer Beziehung gelebt haben sollen.

Indonesisches Aceh ist extrem konservativ

Keine Region Indonesiens habe eine derart intolerante Kultur, wie die Provinz Aceh an der Nordwestspitze der Insel Sumatra, berichtet die Deutsche Welle in Bezug auf den Jahresbericht des Setara-Instituts von 2023. Über 98 Prozent der rund 5,4 Millionen Einwohner sind Muslime. Die Region steht immer wieder in der Kritik, auch weil sich die Landesregierung nicht für mehr Toleranz einsetzt.

Die Einführung der Scharia als Rechtsgrundlage sollte 2006 eigentlich für mehr Einheit sorgen, indem sie dem Unabhängigkeitsstreben der Region Aceh den Wind aus den Segeln nimmt. Seitdem haben sich dort allerdings ein erzkonservatives Regime und drakonische Strafen durchgesetzt.

Neben den bereits aufgezählten Vergehen, schränkt das Regime auch den Kontakt von Frauen und Männern stark ein. So dürfen sich nicht miteinander verheiratete Frauen und Männer nicht gemeinsam an öffentlichen Orten aufhalten oder zusammen in Fahrzeugen sitzen. Frauen schreibt es ein Kopftuch vor. Die Scharia-Polizei arbeitet unabhängig von den regulären Polizeikräften, um die Scharia-Gesetze durchzusetzen.

Quelle: ntv.de, lra

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