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Gouverneur warnt Bevölkerung Ganz Florida steht vor Evakuierung

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Volle Baumärkte in Florida: Menschen kaufen Material, mit dem sie ihre Häuser gegen den Sturm sichern wollen.

(Foto: AP)

Hurrikan "Irma" ist so gewaltig, dass er Florida vollständig mit stürmischem Wind und peitschendem Regen überziehen könnte. Sämtliche Bewohner des Bundesstaates sind aufgerufen, ihre Abreise vorzubereiten. Vier Kriegsschiffe der US-Marine eilen zu Hilfe.

Angesichts des heranrückenden Hurrikans "Irma" hat der Gouverneur von Florida an sämtliche Einwohner des Bundesstaats appelliert, sich für eine mögliche Evakuierung zu wappnen. Die gesamte Bevölkerung von Florida solle darauf vorbereitet sein, "bald" ihre Wohngebiete zu verlassen, erklärte Gouverneur Rick Scott.

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Bislang betreffen die Anordnungen der regionalen Behörden in Florida für die obligatorische Evakuierung nicht den gesamten Bundesstaat, sondern nur diverse Küstenregionen. Auch im weiter nördlich gelegenen US-Bundesstaat Georgia wurde die Evakuierung von Teilen der Küste angeordnet. Von den bisherigen Evakuierungsanordnungen in beiden Bundesstaaten sind mehrere Hunderttausend Einwohner betroffen.

Auch die bei Touristen beliebte Metropolregion Miami rüstet sich bereits für den Sturm. Die Behörden riefen 650.000 Menschen zum Verlassen ihrer Häuser auf. Es handele sich um die größte Evakuierung in der Geschichte der Region, sagte Carlos Giménez, Bürgermeister des Bezirkes Miami-Dade. In der Metropolregion leben rund 5,5 Millionen Menschen. Die Behörden öffneten zusätzliche Notunterkünfte und bieten kostenlose Bustransporte in diese. Rettungskräfte halten sich in Alarmbereitschaft. Der internationale Flughafen der Stadt bleibt zunächst noch geöffnet, allerdings wurden zahlreiche Flüge gestrichen.

Als Unterstützung hat die US-Regierung mehrere Kriegsschiffe vor die Küste Floridas entsendet. Die Marine teilte mit, sie habe einen Marschbefehl für den Flugzeugträger "Abraham Lincoln" erhalten. Begleiten sollen ihn zwei weitere mit umfangreicher logistischer Ausrüstung ausgestattete Schiffe sowie ein Zerstörer. Die Schiffe seien dafür ausgerüstet, medizinische Hilfe zu leisten, Kommunikation sicherzustellen und Lufttransporte sicherzustellen, erklärte die Marine.

Das Nationale Hurrikan-Zentrum der USA stufte den über die Karibik hinwegziehenden Wirbelsturm zwar auf die zweithöchste Stufe vier herab, nannte ihn aber weiterhin "extrem gefährlich". "Irma" zog demnach mit Windgeschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern in Richtung Kuba und Florida.

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Auf Kuba bringen Menschen ihren Besitz in Sicherheit.

(Foto: dpa)

Kuba muss zittern

Dabei steuert "Irma" auf die nördliche Küste Kubas zu. Der Hurrikan könnte entweder haarscharf daran vorbeiziehen oder direkt an der Küste entlang schrammen, sagt n-tv-Meteorologe Björn Alexander. "Das heißt, sowohl Winde von mehr als Tempo 200 und Regenmengen bis an die 500 Liter werden dort erwartet, Kuba rückt somit ab den Nachtstunden immer mehr in den Fokus der Zerstörung!"

Auf der Karibikinsel kam das öffentliche Leben zum Stillstand. Schulen und die meisten Geschäfte blieben geschlossen, Hunderttausende wurden aus den am stärksten gefährdeten Gebieten in Sicherheit gebracht und praktisch der gesamte Verkehr - Busse, Bahnen und Flugverkehr - wurde ausgesetzt. Die Bahamas dürften hingegen aus dem Gröbsten raus sein, da der Kurs eher auf die Westküste Floridas ziele, sagt Alexander.

Die Inselkette Florida Keys wird "Irma" wohl am Sonntag gegen 14 Uhr Ortszeit erreichen. Erwartet werden Windböen von knapp 250 km/h. Die ersten Ausläufer könnten Florida aber bereits am Samstagmorgen erreichen.  "Danach zieht das Auge weiter Richtung Fort Meyers" an der Westküste, glaubt Alexander. Miami würde dann nicht im Zentrum des Sturms sein. Allerdings drohen Miami auch dann hohe Wellen und Windböen von 200 km/h. Bis Montagabend soll "Irma" über Florida hinweg und weiter nach Georgia ziehen und sich dann schnell abschwächen.

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Inzwischen hat der US-Kongress Bundeshilfen in Höhe von 15,25 Milliarden US-Dollar (rund 12,7 Mrd Euro) für die Opfer der Flutkatastrophe in Texas nach Hurrikan "Harvey" beschlossen. Nach dem Senat stimmte auch das Abgeordnetenhaus zu.

"Jose" und "Katia" gewinnen an Stärke

Die nächsten gefährlichen Stürme nähern sich bereits: Das Hurrikanzentrum in Miami stufte "Jose" in der zweithöchsten Kategorie vier ein. Der Sturm erreicht Spitzenwindgeschwindigkeiten von 240 Kilometern pro Stunde und ist damit ein extrem gefährlicher Hurrikan, wie das Zentrum mitteilte. "Jose" bewegt sich derzeit im Atlantik mit 26 Km/H in Richtung West-Nordwest und könnte am Samstag bis in die Nähe der nördlichen Kleinen Antillen wandern.

Hurrikan "Katia" befand sich nach Angaben der US-Hurrikan-Warte rund 200 Kilometer nord-nordöstlich von Veracruz im Golf von Mexiko. Die Windgeschwindigkeit lag in der Spitze bei 155 Kilometern pro Stunde.

Plünderer sind unterwegs

Zuvor war "Irma" durch die Karibik gefegt und hatte auf mehreren Inseln schwere Zerstörungen angerichtet. Mindestens zwölf Menschen kamen ums Leben. Außerdem wird der niederländische Inselteil Sint Maarten von Plünderern heimgesucht. Die Lage sei ernst und unübersichtlich, sagte der niederländische Premierminister Mark Rutte. Es gebe Berichte, dass Bürger auch bewaffnet auf der Straße seien.

Die niederländische Marine nannte die Situation "besorgniserregend". "Marinesoldaten und Militärpolizei unterstützen zurzeit die lokalen Behörden beim Bewahren der öffentlichen Ordnung." Auch auf dem französischen Inselteil soll es Plünderungen geben. Eine Bewohnerin von Saint-Martin sagte dem Radiosender France Bleu Limousin, sie sei schockiert und ernüchtert. Es gebe Prügeleien um Fernseher oder Ventilatoren.

Sie habe Angst, nach draußen zu gehen, fügte die Frau hinzu. "Ich sehe auf der Straße junge Menschen mit Macheten, die uns böse ansehen. Ja, ich habe Angst um meine Sicherheit." Sie fürchte, dass bald das Wasser und die Lebensmittel - vor allem bei der ärmeren Bevölkerung auf der Insel - knapp würden. Die französische Regierung hatte am Donnerstag die Entsendung von zusätzlichen Polizeibeamten nach Saint-Martin angekündigt.

Quelle: n-tv.de, hul/AFP/dpa/rts

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