Panorama

Verbranntes Au-Pair in LondonGasteltern des Mordes schuldig gesprochen

24.05.2018, 14:34 Uhr
beide
Im Prozess schoben sich die Ehepartner gegenseitig die Schuld zu. (Foto: AP)

Eine junge Französin kommt als Kindermädchen nach London, um ihren Horizont zu erweitern. In ihrer Gastfamilie gerät sie in einen Alptraum aus falschen Beschuldigungen, der sie schließlich das Leben kostet. Ein Gericht urteilt: Es war Mord.

Ein Ehepaar, das sein Kindermädchen zu Tode gefoltert hat, ist von einem Gericht in Großbritannien des Mordes schuldig gesprochen worden. Sophie L. war im September vergangenen Jahres im Haus des Paares in Wimbledon zu Tode gekommen. Sabrina K. und Ouissem M. hatten dann versucht, den Leichnam der 21-Jährigen im Garten zu verbrennen. Deshalb wurden sie zudem der Justizbehinderung für schuldig befunden.

Im Lauf des Prozesses hatten sich die Lebenspartner gegenseitig der Tat bezichtigt. Sie gaben lediglich die Verbrennung der Leiche zu. Die Ermittlungen ergaben jedoch, dass die Frau davon besessen war, dass die junge Französin von ihrem Ex-Partner angeheuert wurde, um sie zu bespitzeln. Tatsächlich kannte Sophie L. das frühere Boyzone-Mitglied Mark Walton gar nicht. Im Laufe ihrer Tätigkeit in dem Haus in Wimbledon wurde die junge Französin immer wieder mit Vorwürfen überschüttet und geschlagen. Der Mann machte sich dabei die Zwangsvorstellungen seiner Partnerin zu eigen.

Das Kindermädchen erhielt lediglich 50 Pfund pro Woche und wurde permanent beschuldigt, faul zu sein. Außerdem wurde Sophie L. immer wieder "verhört", um die Verbindung zu Walton zu gestehen. Schließlich plante die junge Frau nach Frankreich zurückzukehren, wurde von dem Paar aber daran gehindert.

Schwere Misshandlungen

Gerichtsmediziner legten in dem Prozess dar, dass Sophie L. in den 48 Stunden vor ihrem Tod Frakturen an ihren Brustknochen erlitten hatte. Außerdem waren fünf ihrer Rippen gebrochen. Die Brüche seien durch Schläge ausgelöst worden, die mit großer Gewalt ausgeführt worden waren. Bei einem der letzten Angriffe wurde zudem der Kiefer der jungen Frau zertrümmert.

Das Paar hatte anschließend versucht, den Körper von Sophie L. zu verbrennen. Darauf waren dann Nachbarn aufmerksam geworden. Wegen der Verbrennungen konnte die genaue Todesursache nicht geklärt werden. Das Strafmaß für das Paar wird am 26. Juni verkündet, den Verurteilten droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

L.s Vater sagte der britischen "Daily Mail", er wolle nicht darüber nachdenken, "was sie Sophie angetan haben, aber ich bin durch die Hölle gegangen". Er könne die Bilder seiner getöteten Tochter kaum ertragen. "Sie haben nicht nur das Leben meines einzigen Kindes gestohlen, sondern auch brutal und ohne Gewissensbisse meinen Schlaf, mein Glück, meine Gedanken, meine Zukunft."

Er werde niemals bei der Hochzeit seiner Tochter sein, niemals Opa werden, sagte Frank L., der als Gärtner bei der Stadtverwaltung Toyes, südlich von Paris, arbeitet. "Ich dachte, dass es ihr gut tun würde, ins Ausland zu gehen, dass es ihr neue Horizonte eröffnen würde. Also ermutigte ich sie zu gehen." 14 Monate später war Sophie tot.

Quelle: sba

Mord und TotschlagGroßbritannienKriminalitätProzesse