Panorama

Riesen-Prozess in ItalienGericht verurteilt Dutzende Mafia-Mitglieder zu langen Haftstrafen

13.01.2026, 11:29 Uhr
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HANDOUT-Fahrzeuge-der-italienschen-Polizei-bei-einer-Razzia-gegen-Maffia-Clans-Mit-zwei-grossangelegten-Razzien-ist-die-italienische-Polizei-am-Mittwoch-gegen-Mafia-Clans-und-internationalen-Drogenhandel-vorgegangen
Die Polizei geht landesweit immer wieder mit großangelegten Aktionen gegen die organisierte Kriminalität vor. (Archivbild) (Foto: picture alliance/dpa/Comando Provinciale Carabinieri)

Die drei größten Mafia-Organisationen Italiens verbünden sich im Norden für ihre Machenschaften. In einem Maxi-Prozess geht die Justiz gegen die Kriminellen vor - und schickt diese teils lange hinter Gitter.

Ein Gericht in Italien hat am Montagabend Dutzende Mitglieder der drei größten Mafia-Organisationen des Landes wegen Drogen- und Finanzdelikten in Norditalien schuldig gesprochen. Die Mitglieder der aus Süditalien stammenden 'Ndrangheta, Cosa Nostra und Camorra hatten sich der Justiz zufolge für ihre kriminellen Machenschaften in der norditalienischen Lombardei zusammengeschlossen. Wie italienische Medien berichteten, verurteilte das Gericht 62 Angeklagte in einem beschleunigten Verfahren zu Haftstrafen von bis zu 16 Jahren. 45 weitere Beschuldigte müssen sich einem vollständigen Prozess stellen.

Der sogenannte Maxi-Prozess, der im vergangenen Mai begonnen hatte, stützt sich auf die Ermittlungen der Sonderkommission "Hydra", die nach dem vielköpfigen Ungeheuer der griechischen Mythologie benannt wurde. Es handelt sich um einen der größten Prozesse zu den kriminellen Geschäften der Mafia außerhalb ihrer süditalienischen Hochburgen.

Der mächtigen 'Ndrangheta und in geringerem Maße auch der Cosa Nostra und der Camorra ist es in den vergangenen Jahren gelungen, die Wirtschaft in Norditalien zu infiltrieren, vor allem durch Immobilienbesitz, Bauprojekte und Investitionen in Restaurants oder andere Unternehmen, die viel Bargeld umschlagen. Nach Angaben der Mailänder Staatsanwaltschaft schlossen sie sich dabei zu einer seltenen Allianz zusammen, um gemeinsam Verbrechen zu begehen, von Erpressung und Drogenhandel bis hin zu Geldwäsche und dem Missbrauch eines italienischen Bauförderprogramms. Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete, bestätigte das Gericht den zentralen Vorwurf der Staatsanwaltschaft, wonach es sich um einen Zusammenschluss von Mitgliedern aller drei Organisationen handelte.

Morddrohungen gegen die Anklage

Im Prozess hatten die Ankläger unter anderem auf insgesamt 21 Treffen in der Umgebung von Mailand und Varese in den Jahren 2020 und 2021 verwiesen, bei denen sich die Mafiosi abgesprochen und beschlossen hatten, sich unter anderem um Aufträge für Reinigungsdienste oder den Betrieb von Parkplätzen zu bemühen.

"Hast du bemerkt, wie sich alles verändert hat, ohne dass geschossen wurde?", sagte der Angeklagte Giancarlo Vestiti in einem abgehörten Telefonat zu einem anderen Mafiosi, das von der Staatsanwaltschaft als Beweismittel vorgelegt wurde. Vestiti gehört den Ermittlern zufolge dem in Rom aktiven Camorra-Clan Senese an. In dem Prozess ging es auch um Verbindungen zwischen der Mafia-Allianz in der Lombardei und dem Clan des sizilianischen Cosa-Nostra-Bosses Matteo Messina Dennaro, der 2023 nach 30 Jahren auf der Flucht gestorben war.

Der Prozess fand in einem Hochsicherheitssaal in einem Mailänder Gefängnis statt. Nach Morddrohungen gegen die Staatsanwälte waren die Sicherheitsvorkehrungen und der Polizeischutz für die Vertreter der Anklage verstärkt worden. Die Ermittlungen waren teilweise holprig verlaufen. 2023 hatte ein Ermittlungsrichter die meisten von der Staatsanwaltschaft beantragten Haftbefehle abgelehnt, weil er die Beweise nicht für ausreichend hielt. Das oberste Gericht Italiens setzte sie später aber in Kraft.

Quelle: ntv.de, lme/AFP

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