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Sicherheitspanne in München Gesuchte saß während Chaos im Flugzeug

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Tausende Flugreisende mussten über Stunden in den Abflughallen ausharren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Ein Plausch unter Kollegen und eine zu spät bemerkte Reisende: Die versäumte Kontrolle einer Passagierin löst am Wochenende am Münchner Flughafen Chaos aus. Die Sicherheitspanne hat nicht nur finanzielle Konsequenzen.

Die Frau, die am Samstag das Chaos am Münchner Flughafen ausgelöst hatte, saß bei der Räumung von Deutschlands zweitgrößtem Airport schon im Flieger. Die 40-Jährige hatte den Flughafen vor dem Abfertigungsstopp mit einem Flugzeug verlassen. Das teilte die Regierung Oberbayern mit, die für die Sicherheitskontrollen verantwortlich ist. Nähere Angaben zu der Frau und ihrem Ziel machte die Pressesprecherin nicht.

Die Reisende war am Samstagmorgen durch eine Sicherheitsschleuse gegangen, ohne vorher kontrolliert worden zu sein. Daraufhin räumte die Bundespolizei zwei Abflughallen. "Die Passagierin konnte durch Auswertung der Bordkartenleser ermittelt werden", teilte die Regierung mit. Der Zeitpunkt der Bordkartenkontrolle sei über die Kameraaufzeichnungen festgestellt worden.

Dass die Frau schon am Samstagmorgen abgeflogen war, sei aber erst nach aufwendigen Recherchen um 15.30 Uhr ermittelt worden. "Aus derzeitiger, vorläufiger Sicht sehen wir insbesondere keinen Raum für ein strafrechtliches Vorgehen gegenüber der Passagierin", so die Sprecherin. Die Prüfung sei aber noch nicht endgültig abgeschlossen.

Wegen der folgenschweren Panne wurden inzwischen drei Mitarbeiter der Sicherheitsfirma von ihren Aufgaben entbunden. Über mögliche weitere Konsequenzen werde nach Abschluss der Prüfungen des Vorfalls entschieden, sagte eine Sprecherin der Regierung Oberbayern.

Panne kostet wohl Millionen

Den Angaben nach war die zuständige Kontrollkraft der staatseigenen Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München (SGM) durch ein Gespräch mit Kollegen abgelenkt. In diesem Moment ging die Passagierin offenbar unkontrolliert durch die Schleuse. Eine andere Sicherheitskraft bemerkte den Fauxpas und bat Kollegen, die Reisende zurückzuholen.

Weil diese aber nicht mehr auffindbar gewesen sei, informierte der Sicherheitsdienst eine Viertelstunde später einen Vorgesetzten. Dieser wiederum alarmierte den Angaben zufolge die Bezirksregierung. Die Behörde gab dann der Bundespolizei Bescheid. Daraufhin ordneten die Beamten an, Terminal 2 und das dazugehörige sogenannte Satelliten-Terminal zu räumen.

Der Schaden durch die Panne geht in die Millionen. Allein der Airport selbst rechnet nach ersten Schätzungen mit Kosten im unteren einstelligen Millionenbereich, wie Flughafenchef Michael Kerkloh sagte. Wie hoch der Schaden für die Fluggesellschaften ist, ist unklar. 330 Flüge wurden abgesagt, 31.121 Passagiere waren bis Sonntag betroffen. 2000 Gestrandete verbrachten die Nacht auf Sonntag am Flughafen. Selbst von Sonntag auf Montag hätten dort noch 250 Menschen übernachtet, sagte der Chef des Flughafens.

Entschädigung für Betroffene wird geprüft

Kerkloh rechnet damit, dass der Schaden für den Flughafen eher bei einer als bei vier Millionen Euro liege. Die Summe setzt sich unter anderem aus Start- und Landegebühren, Einnahmen für die Abfertigung sowie Ausfällen bei der Gastronomie im geräumten Terminalbereich zusammen. Derzeit werde die Haftungsfrage geklärt, sagte Kerkloh. Laut Maria Dalhaus, der geschäftsführenden Prokuristin von Terminal 2, wird geprüft, ob und an wen Schadensersatzforderungen gestellt werden können.

Das vergangene Wochenende gehörte Kerkloh zufolge zu den verkehrsreichsten des Jahres. Es sei ein großes Glück gewesen, dass die Fluggäste die Situation so gelassen aufgenommen hätten. "Für die betroffenen Passagiere wird ein Entgegenkommen überlegt." Die Fluggäste mussten rund 20.000 Gepäckstücke zurücklassen. Rund 10.000 Koffer und Co. seien schon wieder auf dem Weg zu ihren Besitzern, sagte Kerkloh. Die übrigen würden nun hinterhergeschickt.

Betroffene Passagiere können sich mit finanziellen Forderungen an die Lufthansa wenden, die hauptsächlich vom Terminal 2 aus fliegt. Ein Unternehmenssprecher verwies auf die EU-Fluggastrechteverordnung.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa

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