Panorama

Missbrauch, Tötung, Pornografie Gewalt gegen Kinder nimmt zu

Staufen, Lügde, Bergisch-Gladbach: In Deutschland werden immer mehr Kinder Opfer von Misshandlung und sexueller Gewalt. Und die Zahlen könnten künftig noch stärker ansteigen als bisher. Gerade in der häuslichen Isolation seien Kinder zurzeit ihren Peinigern oft schutzlos ausgeliefert, befürchten Experten.

In Deutschland sind im vergangenen Jahr 112 Kinder vorsätzlich oder fahrlässig getötet worden oder in Folge von Körperverletzung gestorben. Das geht aus einer Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik zu kindlichen Gewaltopfern hervor. Die meisten Opfer, nämlich 93, waren unter 6 Jahre alt. Die Gesamtzahl ist im Vergleich zu 2018 leicht um 24 zurückgegangen.

Im Bereich Kindesmisshandlung wurden 4055 vollendete Fälle registriert. 2018 waren es 4129. Bei sexueller Gewalt gegen Kinder gab es einen Anstieg von 14.606 auf 15.936 Fälle. Die Polizei in Deutschland hat außerdem im vergangenen Jahr in 12.262 Fällen wegen kinderpornografischer Delikte ermittelt. Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren stetig angestiegen, im Vergleich zu 2016 ist das mehr als eine Verdopplung.

Minderjährige sind in diesem Bereich allerdings nicht nur Opfer, sondern manchmal auch Täter. Immer häufiger würden Fälle bekannt, bei denen Jugendliche kinderpornografische Videos über Messenger-Dienste wie WhatsApp tauschten. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sieht "ein erhebliches Risiko" für sexuelle Übergriffe durch andere Kinder und Jugendliche.

Viele Kinder erleben familiäre Gewalt

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(Foto: imago images/photothek)

Zudem sei das Wohl vieler Kinder gerade in der Corona-Krise besonders stark gefährdet, sagt Rörig. Schon vor dem Gebot sozialer Distanz hätten Schutzbefohlene gerade in der Familie Misshandlung, Vernachlässigung und sexuelle Gewalt erlebt. "Durch häusliche Isolation waren und sind viele Kinder jetzt noch größeren Gefahren familiärer Gewalt ausgesetzt." Trotz der inzwischen stattfindenden Lockerungen fehle noch immer und viel zu oft der Kontakt zu helfenden Einrichtungen wie Kitas oder Schulen.

Daher fordert Rörig, dass auch in schwierigen Zeiten der Kinderschutz nicht vernachlässigt werde: "Nur ein Bruchteil der Kraft, die jetzt im Kampf gegen Corona und seine Folgen eingesetzt wird, würde in meinem Themenfeld schon bahnbrechende Verbesserungen bringen und vielen tausend Mädchen und Jungen lebenslanges Leid ersparen." Dabei habe er nicht nur die milliardenschweren Hilfspakete vor Augen. Es brauche vor allem einen starken politischen und gesellschaftlichen Willen, um sexuellem Missbrauch ein Ende zu setzen.

Quelle: ntv.de, hny/dpa