Panorama

"Töte nicht deine Oma" Großbritannien kämpft um die Kontrolle

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Whitby, Yorkshire, Blick aufs Meer.

(Foto: imago/Kickner)

Hat die Regierung in London die Corona-Lage noch im Griff oder ist es zu spät? Der Gesundheitsminister wiegelt kritische Fragen ab, aber die Experten sehen schwarz für das Königreich. Die Ansteckungszahlen erreichen Werte vom Mai, Testkapazitäten sind knapp, mit der Disziplin der Briten steht es schlecht.

Die Zahl der Corona-Infektionen ist in Großbritannien wieder deutlich angestiegen. In den vergangenen Tagen gab es jeweils fast 3000 bestätigte neue Fälle pro Tag, wie aus den offiziellen Zahlen der Regierung hervorgeht. Das ist der höchste Stand seit Ende Mai. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock sprach von einer besorgniserregenden Entwicklung. In einem Interview des Senders LBC Radio verneinte er allerdings die Frage, ob die Regierung die Kontrolle über den Ausbruch schon verloren habe.

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Derzeit stecken sich vor allem junge Menschen mit dem Virus an. Das erklärt auch den bislang niedrigen Anstieg der Todesfälle, da Covid-19 bei Jüngeren oft glimpflicher verläuft. "Töte nicht deine Oma, indem du dir das Coronavirus einfängst und sie ansteckst", warnte Hancock im Sender BBC und appellierte an die Briten, Abstands- und Hygieneregeln weiter einzuhalten und sich nicht in größeren Gruppen zu versammeln. Auch den Experten stehen die Sorgenfalten auf der Stirn und sie warnen vor einer zweiten Welle. "Die Menschen haben sich zu sehr entspannt", sagte der britische Epidemiologe und Gesundheitsberater Jonathan Van-Tam der BBC. Auch ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation WHO sagte dem Sender Sky News, er rechne mit weiteren Spitzen der Fallzahlen in Großbritannien.

Zuletzt hatte die Regierung die steigende Zahl der Infektionen häufig mit der hohen Anzahl an Tests erklärt, die mittlerweile durchgeführt werden. Zuletzt waren es mehr als 175.000 pro Tag. Zum Vergleich: In Deutschland verzeichnet das Robert-Koch-Institut Ende August mehr als eine Million Tests täglich. Bei den Tests scheint im Königreich auch inzwischen das Limit erreicht zu sein. Die für das Testmanagement zuständige Sarah Jane-Marsh sagte Sky News, die Labore hätten einen "kritischen Punkt" und die Kapazitäten müssten dringend ausgebaut werden.

Zuletzt gab es immer wieder Corona-Ausbrüche, etwa bei illegalen Partys, Fußballspielen oder in einer Schule. Auf die vergangenen sieben Tage gerechnet, hat die Zahl der Fälle in Großbritannien die kritische Schwelle von 20 Fällen pro 100.000 Einwohner überstiegen. Für Einreisende aus Regionen mit einer höheren Infektionsrate verhängt die britische Regierung eine zweiwöchige Quarantäne. Gesundheitsminister Hancock kündigte neue Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionen an.

Quelle: ntv.de, mau/dpa