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Moskauer Akademie der Wissenschaften: Das Feuer war so stark, dass 1000 Quadratmeter des Dachs eingestürzt sind.
Moskauer Akademie der Wissenschaften: Das Feuer war so stark, dass 1000 Quadratmeter des Dachs eingestürzt sind.(Foto: picture alliance / dpa)
Sonntag, 01. Februar 2015

Wissenschaftsinstitut in Moskau: Großfeuer zerstört historische Sammlung

Ein Super-Gau für die Geisteswissenschaften. So empfinden die Verantwortlichen einer historischen Moskauer Bibliothek die Zerstörung eines großen Teils ihres Bestandes durch einen heftigen Brand. Hilfsangebote kommen aus aller Welt, selbst aus der Ukraine.

Ein Großfeuer hat in einer berühmten wissenschaftlichen Bibliothek in Moskau zahlreiche kostbare Dokumente schwer beschädigt. In einem Institut der Akademie der Wissenschaften brach am Freitag ein Brand aus, der trotz eines Großeinsatzes der Feuerwehr auch am Samstagabend noch nicht ganz gelöscht war. In dem Gebäude befinden sich etwa zehn Millionen historische Dokumente, die teilweise aus dem 16. Jahrhundert stammen. Etwa 15 Prozent des Bestandes seien beschädigt worden, zwar sei ein Teil der Dokumente bereits digitalisiert worden, dennoch handele es sich um einen "Riesenverlust für die Wissenschaft", sagte Akademie-Präsident Wladimir Fortow.

Nach dem Ausbruch des Feuers gingen die Verantwortlichen zunächst davon aus, dass die Bücher nicht in Gefahr seien. Als unter der Hitze der Flammen aber ein 1000 Quadratmeter großes Dachstück zusammenbrach, war die Sorge groß. Etwa 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz, doch wegen der großen Hitze war es unmöglich, die Bücher in Sicherheit zu bringen, wie die Agentur RIA Nowosti meldete. Das Feuer verwüstete nach Angaben der Rettungskräfte etwa 2000 Quadratmeter des Instituts, vor allem Büroräume. Die Bibliothek war nicht direkt betroffen, beschädigt wurden die Bücher nach Angaben Fortows vor allem durch Löschwasser.

Auch wertvolle Bücher aus Deutschland in Gefahr

Der Akademie-Präsident zeigte sich verzweifelt: In dem Institut lagerten einmalige Dokumente, die es woanders nicht gebe. "Was hier passiert, erinnert an Tschernobyl", sagte er nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen in Anspielung auf die verheerende Atomkatastrophe im Jahr 1986, "man muss diesen Verlust als Katastrophe bezeichnen." Viele Akademien im Ausland hätten bereits Hilfe angeboten, darunter trotz der aktuellen politischen Spannungen auch Kollegen aus der Ukraine. Als Brandursache vermuteten die Ermittler Berichten zufolge einen Kurzschluss.

Zu der Sammlung in dem 1918 gegründeten Institut für gesellschaftswissenschaftliche Information der Akademie der Wissenschaften gehören nach Angaben Fortows Klassiker der slawischen Literatur, aber auch Werke aus Großbritannien, Italien und den USA. Auch wertvolle Bücher, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland nach Russland gebracht worden seien, lagern in dem Institut, wie Bibliotheksdirektor Alexander Wisslij der Nachrichtenagentur Tass sagte.

Quelle: n-tv.de