Panorama

Kunstmuseum Bern in SchieflageGurlitt-Erbe bringt rote Zahlen

23.05.2015, 01:39 Uhr
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Am Eingang zum Kunstmuseum in Bern (Foto: dpa)

Eine Erbschaft ist nicht immer ein Grund zur Freude und macht auch nicht zwangsläufig reich. Diese Erfahrung muss jetzt das Kunstmuseum Bern mit der umstrittenen Kunstsammlung Gurlitt machen.

Reich ist das Kunstmuseum Bern durch die Annahme des Gurlitt-Erbes bislang nicht geworden - im Gegenteil. Die Vorbereitungen auf die wertvolle Sammlung haben das Museum bisher umgerechnet rund 800.000 Euro gekostet und damit in die roten Zahlen gebracht. Für das Haushaltsjahr 2014 weist das Museum ein Defizit von 524.129 Franken aus (504.000 Euro), wie die "Berner Zeitung" berichtete. Direktor Matthias Frehner bestätigte die Angaben.

Demnach hat das Kunstmuseum laut dem Jahresbericht 2014 für juristische und kunsthistorische Abklärungen rund ums Gurlitt-Erbe 830.207 Franken (rund 800.000 Euro) ausgegeben. Ohne die Last des Erbes hätte das Museum einen Gewinn von 306.078 Franken (etwa knapp 300.000 Euro) eingefahren.

Ein Dauerzustand soll das Minus nach Ansicht des Museums aber nicht werden. Die Kosten durch das Gurlitt-Erbe seien vorhersehbar gewesen, sagte Frehner der "Berner Zeitung". Der Fehlbetrag werde mit finanziellen Reserven des Kunstmuseums aufgefangen. Im Jahresbericht heißt es auch, der Erbantritt werde in den kommenden Jahren positive finanzielle Auswirkungen haben.

Kunst mit Vorgeschichte

Das Kunstmuseum hat angekündigt, die gesamte Sammlung ausstellen und dann in die Museumssammlung integrieren zu wollen. Das dürfte zusätzliche Besucher anlocken. Auch einige deutsche Institutionen haben Interesse an einer Gurlitt-Ausstellung bekundet, darunter die Staatsgalerie Stuttgart. Der künstlerische Leiter der Documenta, Adam Szymczyk, hätte den Kunstfund aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt gerne für die Weltkunstausstellung 2017 in Kassel.

Der am 6. Mai 2014 gestorbene Sohn eines der vier Kunsthändler von Adolf Hitler hatte seine millionenschwere Sammlung, die zum Teil unter Nazi-Raubkunstverdacht steht, dem Berner Museum vermacht. Bislang ist noch immer nicht endgültig geklärt, ob die Bilder, die in Gurlitts Münchner Wohnung und seinem Salzburger Haus gefunden wurde, wirklich nach Bern gehen dürfen. Eine Cousine des Sammlers erhebt Anspruch auf das Erbe und zweifelt das Testament an. Das Oberlandesgericht München muss nun über die Ansprüche entscheiden.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa

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