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"Geburtshelfer der Großmütter" Gynäkologe soll Eizellen geraubt haben

Nach einer Eizellenspende wird die Zelle künstlich befruchtet.

Nach einer Eizellenspende wird die Zelle künstlich befruchtet.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Die Vorwürfe einer Spanierin sind schwerwiegend: Der italienische Gynäkologe Severino Antinori soll sie ohne Zustimmung operiert und Eizellen entnommen haben. Antinori bestreitet den Raub, doch möglicherweise ist die junge Frau kein Einzelfall.

Der wegen seiner Fruchtbarkeitsbehandlungen für Frauen jenseits der 60 umstrittene italienische Gynäkologe Severino Antinori hat den Vorwurf des Eizellen-Diebstahls zurückgewiesen. Er sei ein "ehrlicher Mann" und habe niemals Eizellen gestohlen, sagte Antinori, der sich als "Geburtshelfer der Großmütter" einen Namen machte.

Er war unter Hausarrest gestellt worden, nachdem eine 24-jährige Spanierin Strafanzeige gegen ihn eingereicht hatte. Gegen Antinori wird wegen schweren Raubes und Körperverletzung ermittelt. Nach seiner Festnahme wurde seine Approbation als Gynäkologe für ein Jahr ausgesetzt. Er wurde angewiesen, sein Haus in Rom nicht zu verlassen.

Einen Tag nach seiner Festnahme wurde er wegen Herzbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert, kehrte aber wieder in sein Haus zurück. "Ich habe Schmerzen in der Brust, ich hätte einen Herzinfarkt haben können", sagte der 70-Jährige. Die ungerechtfertigte Festnahme und sein einjähriges Berufsverbot hätten ihn krank gemacht. "Wollen sie mich tot sehen?", fragte er.

Falschdiagnose als Vorwand?

Severino Antinori verhalf besonders älteren Frauen zum Kinderwunsch und wehrt sich gegen die schwerwiegenden Vorwürfe.

Severino Antinori verhalf besonders älteren Frauen zum Kinderwunsch und wehrt sich gegen die schwerwiegenden Vorwürfe.

(Foto: picture alliance / dpa)

Antinori steht im Verdacht, die spanische Krankenschwester nach einem zufälligen Treffen zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu haben. Dann habe er bei ihr eine Eierstock-Zyste "diagnostiziert" - mit dem einzigen Ziel, der jungen Frau ohne deren Wissen Eizellen entnehmen zu können.

Die Frau sagte aus, vor der Behandlung bei Antinori sei ihr ihr Handy weggenommen worden. Sie sei ruhiggestellt und betäubt und dann ohne ihre Zustimmung operiert worden. Nachdem sie aus der Narkose erwacht war, rief die 24-Jährige von einem Münztelefon in der Mailänder Klinik den Notdienst, daraufhin nahm die Polizei Ermittlungen auf.

Die Anwälte des Italieners wiesen den Vorwurf als absurd zurück und erklärten, ihr Mandant sei Opfer eines Erpressungsversuchs. Anwalt Tommaso Pietrocarlo sagte der Nachrichtenagentur Ansa, die Frau habe einer Eizellenspende ausdrücklich zugestimmt. Sie habe einen Monat vor dem Eingriff eine entsprechende Einverständniserklärung unterzeichnet.

Möglicherweise kein Einzelfall

Zuvor habe sie einen Psychologen aufgesucht, der bescheinigen könne, dass sie ihre Entscheidung in vollem Bewusstsein getroffen habe. Die Ermittler prüfen laut italienischen Medienberichten die These, dass der mutmaßliche Eizellendiebstahl kein Einzelfall ist.

Die Zeitung "La Repubblica" zitierte eine 22 Jahre alte Brasilianerin: "Es gab 1000 Euro für jede Entnahme und weitere 500, wenn ich eine Freundin mitgebracht habe. Ich brauchte Geld, er brauchte Eizellen." Die Abgeordnete Donata Lenzi von der regierenden Demokratischen Partei erklärte, die Festnahme Antinoris deute darauf hin, "dass es einen Markt für Eizellen gibt, der vor nichts Halt macht".

Antinori machte 1994 Schlagzeilen, als er einer 63-jährigen Italienerin per Fruchtbarkeitsbehandlung zu einem Sohn verhalf. Damals war sie die weltweit älteste Frau, die ein Kind bekam. Dieser Rekord wurde seither mehrmals gebrochen. 2009 hatte er behauptet, drei Babys geklont zu haben, was nie überprüft werden konnte

Quelle: n-tv.de, sro/AFP

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