Panorama

Tod von Migranten in Kühllaster Haftstrafen für Menschenhändler in Vietnam

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Die Männer und Frauen wollten sich in Europa ein besseres Leben aufbauen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Fall sorgte für Aufsehen: Bei dem Versuch, nach Europa zu gelangen, sterben vergangenes Jahr im Oktober 39 Vietnamesen in einem Lastwagen in Großbritannien. Die Verhandlungen gegen die beteiligten Vermittler und Menschenschmuggler laufen. In Vietnam werden jetzt Haftstrafen verhängt.

Im Zusammenhang mit dem Tod von 39 Vietnamesen in einem Kühllastwagen in Großbritannien sind erstmals Haftstrafen verhängt worden. In Vietnam wurden vier Angeklagte im Alter zwischen 26 und 36 Jahren zu Gefängnisstrafen zwischen zweieinhalb und siebeneinhalb Jahren verurteilt, wie staatliche Medien berichteten. Die Urteile wurden von einem Gericht in der zentralvietnamesischen Provinz Ha Tinh verhängt.

Laut der amtlichen Provinz-Zeitung wurden sie wegen "Organisation und Vermittlung illegaler Auswanderung" verurteilt. Drei weitere Angeklagte erhielten Bewährungsstrafen. Nguyen Dinh Gia, der seinen 20-jährigen Sohn bei der Tragödie verlor, sagte, aus seiner Sicht müssten die Angeklagten nicht ins Gefängnis. "Die beteiligten Leute haben nur versucht zu helfen, und dann ist es zu dem Unfall gekommen", sagte er. Sein erwachsener Sohn habe sich freiwillig der Gruppe angeschlossen, "um ein besseres Leben zu haben, Geld zu verdienen, um unsere Armut zu lindern", sagte Gia. Sein Sohn habe in Großbritannien in einem Nagelstudio arbeiten wollen.

Tod durch Sauerstoffmangel und Überhitzung

Die Leichen der 39 vietnamesischen Migranten waren Ende Oktober 2019 in einem Industriegebiet östlich von London in einem Kühllastwagen entdeckt worden. Laut Obduktionsbericht starben die in einem Container eingesperrten Menschen an Sauerstoffmangel und Überhitzung. Der Container mit den Vietnamesen war auf einer Fähre von Belgien aus nach Großbritannien gebracht worden.

In dem Fall, der im Oktober vergangenen Jahres weltweit Entsetzen ausgelöst hatte, waren zuvor mehrere Dutzend Verdächtige in Großbritannien, Frankreich, Belgien und auch Deutschland festgenommen worden. Ende August hatte sich ein Spediteur aus Nordirland schuldig bekannt, für den Tod der mitunter noch jugendlichen Frauen und Männer verantwortlich zu sein. Der 40-Jährige, der eine führende Rolle in einem Schleuserring gespielt haben soll, bekannte sich vor einem Gericht in London zu der Tat. Bereits im April hatte sich der 25 Jahre alte Lastwagenfahrer, der den Container innerhalb Englands transportiert hatte, in dem Fall der fahrlässigen Tötung für schuldig bekannt.

Quelle: ntv.de, hek/AFP