"Happy Ramadan IHR AFFEN!"Familie findet Schweinekopf und Hass-Botschaft vor Haustür

Inmitten des Fastenmonats Ramadan macht eine muslimische Familie im österreichischen Tirol eine erschreckende Entdeckung: Vor ihrer Tür liegt ein Schweinekopf, darüber prangt eine zutiefst rassistische Botschaft. Der Bürgermeister will helfen, den Täter hinter der Attacke zu stellen.
Eine muslimische Familie im österreichischen Tirol ist Opfer einer rassistischen Attacke geworden. So ergab sich für die Mutter der Familie vergangene Woche ein verstörendes Bild, als sie ihre Haustür öffnete, wie unter anderem der ORF berichtet. Auf ihrer eigentlichen Fußmatte wurde eine neue mit einem Weihnachtsmotiv gelegt. Darauf platziert wurde ein abgetrennter Schweinekopf - zusammen mit der rassistischen Botschaft "Happy Ramadan IHR AFFEN!"
Der Vorfall ereignete sich inmitten des muslimischen Fastenmonats Ramadan. Der Schweinekopf dürfte als besonders symbolträchtige Hass-Botschaft gezielt gewählt worden sein. So gilt Schweinefleisch im Koran als unrein. Viele Muslime verzichten daher auf Schweinefleisch. Wer hinter dem Angriff steckt, ist laut der Landespolizeidirektion Tirol bislang unbekannt. Auch gebe es derzeit keine Anhaltspunkte auf die Identität des Täters. Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts der Herabwürdigung religiöser Lehren gegen unbekannt. Die Familie machte den erschreckenden Fund lokalen Zeitungen zufolge am frühen Morgen des 12. März, die Mutter war gerade auf dem Weg zur Arbeit. Den Angaben nach lebt die Familie bereits seit rund neun Jahren in der Wohnung.
Auch Christian Margreiter, Bürgermeister der Stadt Hall in Tirol, wo sich der Vorfall ereignete, beteiligt sich an der Suche des Täters. Für Hinweise, die bei der Ergreifung der Person helfen, bietet er 10.000 Euro - aus eigener Tasche. "Ich finde diesen rassistischen und fremdenfeindlichen Angriff so widerlich und mir ist sehr viel daran gelegen, die Täter zu überführen", so Margreiter zum ORF. Ähnlich reagierte die Grüne-Landtagsabgeordnete Zeliha Arslan. "Erschütternd und beschämend" sei die Attacke mit dem Schweinekopf, sagte sie der "Tiroler Tageszeitung". "Solche Taten sind kein Streich, sondern gezielte Einschüchterung und ein Angriff auf das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft".
Tiefe Erschütterung in Familie und Community
Der Vorfall erinnert an eine Serie in Frankreich aus dem vergangenen Jahr, bei der Schweineköpfe im Großraum Paris vor Moscheen platziert wurden. Insgesamt elf Männer wurden festgenommen - Berichten zufolge arbeiteten sie im Auftrag russischer Geheimdienste mit dem Ziel, die Gesellschaft zu destabilisieren.
Im aktuellen Tiroler Fall gibt es laut der Polizei keine Hinweise auf einen ähnlichen Hintergrund, wie der "Standard" berichtet. Demnach gehen die Ermittler derzeit von einem lokal motivierten, rassistischen Einzelfall aus. Laut der austro-türkischen Webseite "Der Virgül" traf der Vorfall die Familie, aber auch die türkische Community der Region tief. Sie fordert die Verhinderung solcher Hassverbrechen und eine konsequente Strafverfolgung der Täter. Hinzu heißt es: "Die provokative Tat während des Ramadans wirft erneut Fragen zu sozialem Zusammenhalt und Toleranz in der Region auf."
Ein großer Teil der Zivilgesellschaft in der Region reagierte auf den Vorfall mit Solidarität für die betroffene Familie. Zudem soll kommende Woche in Hall eine Kundgebung gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit stattfinden. Man wolle darauf aufmerksam machen, dass "dieser antimuslimische Übergriff kein Einzelfall" sei, sondern rassistisch motivierte Handlungen in Hall zunehmen würden, heißt es laut ORF von den Organisatoren.