Panorama

Wer zuerst Corona-Schutz erhält Hausärzte sollen Impf-Atteste ausstellen

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Menschen mit Vorerkrankungen könnten zu den Ersten gehören, welche einen Anspruch auf eine Corona-Impfung haben.

(Foto: imago images/Eibner)

Bereits um den Jahreswechsel herum könnte es in Deutschland losgehen mit dem Corona-Impfen. Doch wie etwa weisen Risikopatienten nach, dass sie als Erste ein Anrecht darauf haben? Laut einem Medienbericht sollen Hausärzte bald entsprechende Atteste ausstellen können. Doch daran gibt es bereits Kritik.

Der Corona-Impfstoff könnte im Januar auch in Europa eine Zulassung erhalten. Bei der Frage, wer zuerst geimpft werden soll, hat die Ständigen Impfkommission (Stiko) sechs Kategorien erstellt, in die sie die Bevölkerung je nach Dringlichkeit eingeordnet hat. Eine "hohe Priorität" haben die ersten beiden Gruppen, zu der unter anderem alle 75- bis 80-Jährigen sowie Bewohner und Mitarbeiter von Pflegeheimen zählen. Danach folgen bereits Menschen, die zwischen 70 und 75 Jahre alt sind, Kontakt mit Schwangeren oder schwere Vorerkrankungen haben. Aber wer entscheidet darüber, ob etwa jemand mit einer Vorerkrankung einen Anspruch auf Impfung erhält?

Laut einem Bericht der "Ärztezeitung" sollen Hausärzte künftig Patienten mit Vorerkrankungen dies per Attest bescheinigen, damit diese ihren Anspruch auf eine Coronavirus-Impfung nachweisen können. Der Bericht verweist auf einen Entwurf für eine Coronavirus-Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums, welcher dem Blatt vorliegt. Das Impf-Attest soll auch einen Code zur Terminvergabe enthalten können, allerdings seien Details dazu noch unklar. Bereits am 15. Dezember könnte die geplante Rechtsverordnung in Kraft treten.

Doch von Medizinern hagelt es bereits Kritik: Hausärzte warnen in ärztlichen Foren, dass unnötige Kontakte entstehen würden, wenn Risikopatienten erst in die Hausarztpraxis und anschließend in ein Impfzentrum gehen müssten, heißt es in dem Bericht. Sinnvoller sei es, die Patienten direkt in der Praxis zu impfen - denn auch die Kühlung von Impfstoffen, wie etwa dem von Biontech/Pfizer, sei anders als gedacht kein größeres Problem mehr, da das Präparat bis zu fünf Tage in handelsüblichen Kühlschränken haltbar sei.

Auch der Deutsche Hausärzteverband reagierte kritisch auf den Entwurf zur Corona-Impfverordnung: Es könne nicht sein, dass "die Politik sich erst davor drückt, klare Priorisierungsentscheidungen zu treffen, und nun offenbar plant, diese Aufgabe quasi durch die Hintertür bei den Hausärztinnen und Hausärzten abzuladen", sagte Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands laut einer Mitteilung.

"Praxen jenseits der Belastbarkeitsgrenze"

Es belaste nicht nur das individuelle Arzt-Patienten-Verhältnis, wenn der einzelne Hausarzt darüber entscheiden soll, ob sein Patient zu einer impfberechtigten Gruppe gehört oder nicht, bemängelt Weigeldt. "Viele Praxen arbeiten schon jetzt jenseits der Belastbarkeitsgrenze." Es übersteige ihre Kapazitäten, wenn nun "millionenfach Einzelgespräche und Untersuchungen für Atteste zur Impfberechtigung" durchgeführt werden sollten.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands unterstrich die Forderung nach einem "bundeseinheitlichen Einladungsverfahren" für die Impfungen gegen Covid-19 - ähnlich wie es bei der radiologischen Brustkrebs-Früherkennung gemacht wird. Bei dem Mammographie-Screening wird auf der Grundlage von Daten der örtlichen Einwohnermelderegister von der sogenannten Zentralen Stelle zu der Untersuchung eingeladen. Das Programm wurde 2002 vom Bundestag beschlossen, um die Früherkennung von Brustkrebs zu verbessern.

Für die geplante Priorisierung von Corona-Impfungen liegen nun konkretere Vorschläge vor. Die Stiko verschickte dazu einen Entwurf an Länder und medizinische Fachgesellschaften. Empfohlen wird demnach, Impfungen zunächst Personengruppen mit besonders hohem Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe anzubieten - sowie Gruppen, die beruflich besonders exponiert sind oder engen Kontakt zu Risikogruppen haben. Dies entspricht demnach rund 8,6 Millionen Menschen.

Ab Mitte Dezember sollen die Impfzentren in Deutschland einsatzbereit sein, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vergangene Woche gesagt - auch wenn bislang in der EU noch kein Impfstoff zugelassen ist. Das Mainzer Unternehmen Biontech und sein Partner Pfizer sowie der US-Konzern Moderna haben die Zulassung für ihre Vakzine allerdings bereits beantragt.

Quelle: ntv.de, kst

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