Panorama

Bescherung mit Maske und Abstand Heiligabend geht auch mit Weihnachtsmann

imago0107373680h.jpg

Die Bescherung findet dieses Jahr idealerweise an der frischen Luft statt.

(Foto: imago images/Rene Traut)

Auch für die Weihnachtsfeiertage gelten in diesem Jahr strenge Kontaktbeschränkungen. Weihnachtsmann und Christkind können trotzdem vorbeikommen, wenn sich alle Beteiligten an die Hygieneregeln halten. Oder gleich auf die digitale Bescherung umsteigen.

Angesichts weiterhin steigender Infektionszahlen dürfen sich dieses Jahr an Weihnachten voraussichtlich weniger Personen treffen als noch Anfang Dezember gedacht. Wahrscheinlich sind es fünf Menschen aus dem engsten Familien- und Freundeskreis, die zum Fest zusammenkommen dürfen. Wenn an Heiligabend auch noch der Weihnachtsmann einen Besuch abstatten soll, wird es schnell eng - und illegal. Aber strahlende Kinderaugen sind trotzdem möglich. Tobias Groß beispielsweise will auch dieses Jahr bei Familien vorbeischauen, die "in kleiner Runde feiern".

Der Berliner ist schon seit fast zehn Jahren an Heiligabend als Weihnachtsmann in Berlin im Einsatz. 2018 hat er gemeinsam mit Frederik Tholey die Weihnachtsmann-Vermittlung Weihnachtsmann2Go gegründet, bei der Familien auch Weihnachtsfrauen und Christkinder für den Heiligen Abend buchen können. Auch in diesem Jahr. Nachdem die Politik sich positioniert habe, habe man ein Hygiene-Konzept entwickelt, sagt Tholey im ntv-Podcast "Wieder was gelernt".

Die konkreten Handlungsempfehlungen orientieren sich an den mittlerweile bekannten Corona-Maßnahmen: Die Weihnachtsmänner müssen einen Mindestabstand einhalten, bei der Bescherung eine Mund-Nase-Bedeckung tragen und auf das Singen von feierlichen Liedern verzichten, damit die Aerosol-Belastung im Rahmen bleibt. Und notfalls auch wieder gehen. "Wenn sich eine Wohnzimmertür öffnet, und ich schaue in einen kleinen, stickigen Raum, in dem sich mehr als fünf Personen aufhalten, würde ich tatsächlich sagen: Es tut mir leid, aber so kann ich nicht auftreten. Wir haben vorher angekündigt, unter welchen Bedingungen das Ganze stattfinden soll. Das ist nicht der Fall, also drehe ich wieder um", erklärt Weihnachtsmann Groß seinen Plan.

Bescherung am besten im Freien

Damit es nicht so weit kommt, findet die Bescherung in diesem Jahr deshalb idealerweise im Freien statt, im Garten oder auf der Terrasse. An der frischen Luft mit ausreichend Abstand habe man etwas mehr Spielraum, sagen die Weihnachtsmann-Vermittler. Aber das ist selbstredend in einer Großstadt wie Berlin, in der viele Kunden in Mietwohnungen leben, nur schwer bis gar nicht möglich. Deshalb sei es umso wichtiger, den Besuch mit den Familien ganz genau abzusprechen, und zu klären, wann Weihnachtsmann oder Christkind vorbeikommen, damit vorher noch einmal stoß gelüftet werden kann.

Frederik Tholey als Weihnachtsmann.jpg

Wenn Frederik Tholey nicht als Weihnachtsmann im Einsatz ist, arbeitet er als Rechtsanwalt.

(Foto: privat)

Natürlich sind nicht nur die Familien in der Pflicht, sondern auch die Darsteller. Es gebe keine Testpflicht, nur einen Appell, sagt Frederik Tholey: Wer sich unwohl fühlt oder Corona-Symptome aufweist, bleibt bitte an Heiligabend zu Hause. Auch zum Selbstschutz. Ein besonders erfahrener Darsteller bei Weihnachtsmann2Go sei zum Beispiel schon 84 Jahre alt und gehöre damit zur Risikogruppe. Deshalb wollte er dieses Jahr eigentlich nicht auftreten, erzählt der Berliner. "Dann hat er eine private Buchungsanfrage erhalten mit dem Vorschlag, die Bescherung draußen zu machen. Das kann er sich vorstellen."

Weihnachtsmann_Schlitten.jpg

Tobias Groß ist seit fast zehn Jahren als Weihnachtsmann unterwegs.

(Foto: privat)

Aber auch im Freien gelten selbstverständlich die gängigen AHA-Regeln: Als Maske empfiehlt Weihnachtsmann2Go seinen Darstellern eine durchsichtige aus Plastik, damit der weiße Rauschebart trotzdem zur Geltung kommt. Aus praktischen Gründen werde er seine wie den Bart wahrscheinlich den ganzen Abend tragen, sagt Tobias Groß. "Es ist ein relativ großes Gefriemel, weil die Ohren nicht frei liegen und man die Maske nur schwierig darüber legen kann. Perücke und Mütze sind auch im Weg, da muss man sich zweimal überlegen, wie man das am geschicktesten befestigt."

Jetzt auch digital

Aber trotz all dieser Bemühungen wird das Weihnachtsfest aus wirtschaftlicher Sicht dieses Jahr kein Erfolg. In der ersten Dezember-Woche lag die Zahl der Buchungen von Weihnachtsmann2Go erst bei einem Drittel des Vorjahres. Viele Familien seien sehr zögerlich, sagen Groß und Tholey. Um ihnen die Sorgen zu nehmen, haben sie sich noch eine Corona-sichere Alternative ausgedacht: die Video-Bescherung.

In einem Vorgespräch erzählen die Eltern, was ihre Kinder dieses Jahr erreicht haben und was sie sich wünschen. Dann schmeißt sich Frederik Tholey in sein Kostüm und startet die Aufnahme. Am Ende stehe ein fünf- bis zehn-minütiges Video zum Herunterladen und Anschauen bereit, in dem wahlweise auch Gedichte vorgetragen und Weihnachtslieder gesungen werden können. Auch eine digitale Live-Bescherung stand kurz zur Debatte, die Idee wurde aber zügig wieder verworfen. "Das Schlimmste, was passieren kann, sind technische Schwierigkeiten", sagt Tobias Groß. "Das kennt man aus dem Homeoffice. Die Verbindung ist schlecht, man versteht den Weihnachtsmann nicht. Deshalb gibt es die aufgezeichnete Botschaft."

Rund die Hälfte der Familien hat sich bisher für die digitale Variante entschieden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Video-Botschaft ist sicherer, im ganzen Land verfügbar und deutlich günstiger als ein Liveauftritt des Weihnachtsmannes. In Corona-Zeiten sicherlich auch kein unwichtiges Argument.

Alle Folgen von "Wieder was gelernt" finden Sie in der ntv-App, bei Audio Now, Apple Podcasts und Spotify. Für alle anderen Podcast-Apps können Sie den RSS-Feed verwenden. Kopieren Sie die Feed-URL und fügen Sie "Wieder was gelernt" einfach zu Ihren Podcast-Abos hinzu.

"Wieder was gelernt" ist ein Podcast für Neugierige: Warum kann die kleine Ameise Ant China ins Wanken bringen? Wie bringt Nokia das LTE-Netz auf den Mond? Warum wird der Rhein "umgebaut"? Hören Sie rein und werden Sie dreimal die Woche ein bisschen schlauer.

Quelle: ntv.de