Panorama

Dr. Specht im Interview "Höhere Inzidenzen sind kein Problem"

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Die bundesweite Inzidenz liegt derzeit bei 427,8.

(Foto: dpa)

Die Corona-Zahlen steigen wieder - und sind dabei nach Ansicht von Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht noch dramatisch unterschätzt. Anlass zur Besorgnis ist das aber nicht: "Wir haben hohe Zahlen, aber nicht unbedingt besonders viele schwere Erkrankungen", sagt er im ntv-Interview.

ntv: In Deutschland steigt die Inzidenz wieder. Wie gefährlich ist die Sommerwelle?

Christoph Specht: Wovon wir jetzt reden, sind die Melde-Inzidenzen. Diese Zahlen sind natürlich vollkommen untererfasst. Die echten Inzidenzen sind sehr viel höher, denn es werden ja nur die positiven PCR-Tests gezählt. Wenn sie zum Bürgertest gehen und dort einen normalen Schnelltest machen, dann wird der zwar auch erfasst, aber nicht gezählt. Also wir haben mit Sicherheit schon deutlich höhere Inzidenzen, aber trotzdem ist das kein Problem.

In Portugal ist die Sommerwelle schon da. Dort liegt die Inzidenz bei um die 2000. Was können wir von dort für uns lernen?

Auch dort sind jetzt nicht die Intensivstationen überlastet oder überrannt. Ja, es gibt mehr Infektionsfälle, aber das ist das, was wir vor anderthalb Jahren schon vorhersehen konnten. Corona bleibt und die verschiedenen Varianten sind eben dann ansteckender. Deswegen haben wir die hohen Zahlen, aber nicht unbedingt besonders viele schwere Erkrankungen.

Weniger als 60 Prozent der Menschen in Deutschland haben bis jetzt eine dritte Impfung bekommen. Wo müsste der Wert liegen, damit Corona wirksam eingedämmt werden kann?

Mit dem Eindämmen ist es eben so eine Sache. Die Infektionen werden wir auf diese Weise überhaupt nicht eindämmen können. Wenn wir in zehn Jahren Stäbchen irgendwo in den Rachen stecken, dann werden wir positive Ergebnisse haben. Corona wird bleiben. Dieses Virus bleibt. Die Frage ist immer nur, wie hoch ist die Krankheitslast? Und die ist jetzt natürlich schon deutlich geringer als vor anderthalb Jahren.

Woran liegt das?

An der gestiegenen Immunität. Und diese Immunität ist gestiegen einmal durch die Impfungen und durch die Boosterung, die ich jedem Erwachsenen empfehlen würde. Aber wichtig sind durchaus auch die jetzt stattfindenden Infektionen mit BA4 und BA5. Das ist eine wachsende Immunität, die wir bekommen und die letztendlich für uns gut ist für den Herbst.

Was können Sie uns sagen zu dem neuen Impfstoff, der ab Herbst zur Verfügung stehen soll?

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Ich würde jedenfalls nicht auf ihn warten. Er wird kommen, er wird angepasst sein. Aber man hat vermutlich zu dem Zeitpunkt, als man ihn gebaut hat, die Wirkung und Bedeutung überschätzt. Denn wir wissen, dass der bisherige Uralt-Impfstoff - so darf ich ihn, glaube ich, nennen - ja immer noch sehr wirksam gegen schwere Erkrankungen ist, nicht allerdings gegen die Infektion. Aber ob zum Beispiel der angepasste Impfstoff, der vielleicht dann im September kommt, gegen die dann aktuellen Varianten wirkt - im Sinne einer Infektionsverhinderung, steht völlig in den Sternen.

Mit Christoph Specht sprach Christoph Teuner

Quelle: ntv.de

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