Panorama

Glücksspiel im Hinterzimmer Hunderte Polizisten gehen gegen Clans vor

In sieben Städten in NRW geht die Polizei gegen Clan-Kriminalität vor. Hunderte Polizisten sind im Einsatz und durchsuchen Lokale, Spielhallen und Wettbüros. Dabei entdecken sie vor allem illegale Geldspielautomaten.

Mit einem massiven Aufgebot sind die nordrhein-westfälische Polizei und mehrere Behörden am Samstagabend vor allem im Ruhrgebiet gegen Clankriminalität vorgegangen. Ein Fokus lag auf der Bekämpfung von illegalem Glücksspiel. Kontrolliert wurden in mehr als zehn Kommunen unter anderem Shisha-Bars, Wettbüros, Spielhallen und Teestuben. "Es geht darum, denen, die im Alltag diese Städte unsicher machen, zu zeigen: Das ist beendet, ihr kriegt hier jeden Tag Unruhe", sagte NRW-Innenminister Herbert Reul beim Besuch eines Einsatzortes in Essen. Es gelte die klare Ansage: "Hier gilt nicht das Recht der Familie, sondern das Recht des Staates." Es handle sich nicht um Kleinkram, sondern um "großkriminelle Taten", so der CDU-Politiker.

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NRW-Innenminister Reul spricht von "großkriminellen Taten".

(Foto: imago images/Reichwein)

Durchsuchungen gab es auch in Mülheim, Duisburg, Bochum, Herne, Witten, Gelsenkirchen, Dortmund, Wuppertal und im Kreis Mettmann. An den Razzien waren auch der Zoll, die Steuerfahndung, städtische Behörden und in einigen Städten auch die Bundespolizei beteiligt.

In Essen wurden vor allem Wettbüros und Spielhallen mit Clanbezug unter die Lupe genommen. In einem Hinterzimmer eines Internet-Cafés wurde ein Raum entdeckt, in dem Spielautomaten und Tische aufgestellt waren. Der Zugang zu dem Raum war hinter einem Spind versteckt. Die Polizei vermutet, dass die Geräte nicht angemeldet waren. In einem Bistro fanden die Beamten drei mutmaßlich illegale Spielgeräte und einen Pokertisch. Die Geräte wurden abtransportiert.

Auch Teestuben im Fokus

"Der Staat guckt hin und macht deutlich, dass er wehrhaft ist", sagte Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen bei einem Besuch vor Ort. In der Stadt wurden auch Kulturvereine und Teestuben durchsucht. Es werde überprüft, ob illegales Glücksspiel betrieben werde, sagte eine Polizeisprecherin. Auch werde kontrolliert, ob die Geräte manipuliert oder illegal aufgestellt worden seien. An der Razzia in Essen war neben anderen Behörden auch die Bezirksregierung Düsseldorf mit dem Sonderdezernat "Glücksspiel und Geldwäscheprävention" beteiligt.

Auch in Duisburg durchsuchten mehrere Hundert Polizisten am Abend zeitgleich Objekte im Stadtgebiet. Dabei entdeckten sie eine mutmaßlich illegale Spielhalle in einer vermeintlichen Teestube. Entdeckt worden seien 17 Geldspielautomaten, für die keine Gewerbeanmeldung vorliege, sagte ein Polizeisprecher. In Dortmund wurden am Abend nach dem Fund von unversteuertem Tabak zwei Shisha-Bars geschlossen.

Die NRW-Landesregierung fährt seit über zwei Jahren einen harten Kurs gegen Clankriminalität. Das Landeskriminalamt hatte im Mai 2019 das erste Lagebild zur Clankriminalität in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Demnach sah die Polizei in NRW 104 Clans mit kriminellen Mitgliedern am Werk. Allein in den Jahren 2016 bis 2018 sollen rund 6500 Verdächtige aus der Szene für mehr als 14.000 Straftaten verantwortlich gewesen sein.

Quelle: ntv.de, vpe/ino/dpa