Panorama

Weihnachtlicher Gnadenerweis Hunderte Straftäter vorzeitig entlassen

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Berlin setzt neun Straftäter vor Weihnachten vorzeitig auf freien Fuß.

(Foto: imago images/Jürgen Ritter)

Vor den Festtagen haben die Bundesländer mehr als 1000 Häftlinge vorzeitig zurück in die Freiheit entlassen. Die Begründungen sind höchst unterschiedlich. Nur ein Bundesland gewährt lediglich Ausgang.

Vor den Weihnachtsfeiertagen sind deutschlandweit Hunderte Straftäter vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Mindestens 1200 Häftlinge seien seit November freigekommen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) unter Berufung auf Angaben der Justizministerien der Länder.

Manche Bundesländer begründeten die Freilassung demnach ausdrücklich mit dem Weihnachtsfest. Das Justizministerium im Saarland, wo neun Häftlinge entlassen wurden, sprach von einem "humanitären Akt". Auch Länder wie Niedersachsen (59 Freilassungen), Thüringen (9), Schleswig-Holstein (14), Mecklenburg-Vorpommern (16) und Hamburg (35) verwiesen demnach auf Weihnachten. In Brandenburg, wo 43 Häftlinge freikamen, diente die Maßnahme nach Ministeriumsangaben dazu, die Justizbeamten über die Feiertage zu entlasten.

Auch die Berliner Senatsverwaltung für Justiz nannte praktische Gründe. Der Gnadenerweis habe "weniger mit dem Weihnachtsfest zu tun, sondern eher mit der Tatsache, dass Beratungsstellen zum Jahresende häufig sehr beschäftigt sind". Auch die Suche nach Arbeit oder einer Wohnung sei schwieriger. Durch die vorzeitige Entlassung hätten die Häftlinge es leichter, hieß es.

In NRW wurden laut "FAS" 522 Gefängnisinsassen entlassen. Auch in Baden-Württemberg kamen demnach "mehrere hundert" Häftlinge frei. In Bayern gab es hingegen keinen Gnadenerlass. Dort sollen 368 Gefangene über Weihnachten oder Neujahr aber Ausgang oder Urlaub bekommen.

In vielen Bundesländern sind die Freilassungen seit Jahren eine Tradition. Vorzeitig entlassen werden aber nur Gefangene, deren Haft ohnehin im Dezember oder Anfang Januar geendet hätte. Auch eine gute Führung wird vorausgesetzt.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP