Panorama

Verdächtigtes Kind in ObhutHunderte nehmen trotz Regens Abschied von getötetem Yosef

06.02.2026, 19:07 Uhr
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Ein Bild von Yosef steht während der Trauerfeier auf dem Altar. (Foto: picture alliance/dpa)

Nach dem gewaltsamen Tod des 14-jährigen Yosef nehmen die Menschen in Dormagen Abschied vom Jungen aus Eritrea, der vor acht Jahren mit Mutter und Schwester nach Deutschland kam. "Unsere heile Welt hat heute einen Riss bekommen", sagt der Bürgermeister.

Menschen wimmern, schluchzen, weinen. Rund 800 Trauergäste sind auf dem Fußballplatz des FC Delhoven in Dormagen zusammengekommen, um von Yosef Abschied zu nehmen. Trotz sechs Grad Kälte und Regen. Ein ungewöhnlicher Ort, aber: Hier war der 14-Jährige Torwart und genauso beliebt wie an seiner Schule und im Hundesportverein. Viele Trauernde tragen ein Foto vom lachenden Yosef.

Dass er sich hier wohlgefühlt hat, darauf deutete sein Profilbild bei Whatsapp hin: Es zeigt diesen Sportplatz in Dormagen, einer 65.000-Einwohner-Stadt zwischen Köln und Düsseldorf. Vor neun Tagen ist Yosef hier umgebracht worden. Ein Spaziergänger hatte seine mit Stichen und Schnitten übersäte Leiche an einem See entdeckt.

Bürgermeister: Tat hinterlässt eine Wunde

Am vergangenen Wochenende hatten bereits 2000 Menschen an einem Trauerzug für ihn teilgenommen. Wenige Stunden vor der Trauerfeier gibt die Polizei bekannt, dass die Tat so gut wie aufgeklärt ist: Ein zwölfjähriger Junge stehe im dringenden Verdacht, Yosef getötet zu haben. Das Jugendamt habe das strafunmündige Kind in Obhut genommen.

Die Zeremonie beginnt mit dem Stück: "I'm not what happened to me" (Ich bin nicht, was mir passiert ist). Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld spricht die Hinterbliebenen an: "Ihr seid nicht allein. Wenn Unrecht geschieht, muss die Gesellschaft zusammenhalten, um zu zeigen: So nicht!"

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Zahlreiche Einwohner nehmen an der Trauerfeier teil. (Foto: picture alliance/dpa)

"Euren Schmerz können wir nicht in Worte fassen. Unsere heile Welt hat heute einen Riss bekommen", sagt der Bürgermeister. "Für unsere Gemeinschaft in unserer Stadt wird es nicht mehr dasselbe sein, wie vor dieser Zeit. Diese Tat wird eine Wunde hinterlassen, die vermutlich nie ganz geschlossen wird."

Schülersprecherin rührt zu Tränen

Geistliche mehrerer Kirchen halten einen Gottesdienst: "Wir beten für Yosef, der viel zu früh und unerwartet aus dem Leben gerissen wurde. Wir beten für alle Jugendlichen, die Yosef kannten, die Angst haben und sich leer fühlen." Dann ertönt ein Lied, das Yosef gerne gehört habe. Rihanna singt: "Shine bright like a diamond" (Strahle wie ein Diamant).

Als Schülersprecherin Luisa aus der neunten Klasse spricht, rührt sie noch mehr Menschen zu Tränen. "Yosef war ein toller Mensch, den man nicht so leicht vergisst. Er hatte immer ein Lächeln im Gesicht. Sein Lächeln hat über den ganzen Schulhof gestrahlt." Zeitweise versagt ihr die Stimme. Als Klassensprecher habe er sich noch vor wenigen Tagen Rat bei ihr geholt.

Eine Nachbarin erinnert daran, wie Yosef vor acht Jahren "mit seiner Mama und seiner kleinen Schwester aus Eritrea nach Deutschland kam". "Sie kamen mit dem Wunsch nach Sicherheit und Frieden", sagt die Frau.

Symbolisches Tor

Die Jugendwartin des Hundevereins, in dem er Mitglied war, sagt: "Du warst ein Mensch mit einer unglaublich positiven Lebenseinstellung. Dein wunderbares Lächeln war ansteckend und warm." Sein größter Traum sei gewesen, bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Hundesport teilzunehmen. Er habe studieren und Arzt werden wollen.

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Torwarthandschuhe und ein Ball liegen in einem Fußballtor, um an Yosef zu erinnern. (Foto: picture alliance/dpa)

Seine Mannschaftskameraden vom Fußballverein FC Delhoven, wo Yosef Torwart war, schießen symbolisch ein Tor für ihn. "Mit ihm gab es nie Streit, er war immer nett und auch nach Niederlagen nie frustriert", sagen sie. Nach der Trauerfeier macht sich Yosefs Mutter auf den Weg zur Beerdigung ihres Sohnes auf dem nahen Friedhof. Sie wird gestützt vom Bürgermeister.

Quelle: ntv.de, Volker Danisch und Frank Christiansen, dpa

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