Panorama

Monsunkatastrophe in Indien Hunderte sterben bei Jahrhundertflut

Ein seit Monaten ungewöhnlich starker Monsun führt in Indien zu heftigen Überschwemmungen. Im Süden des Landes kämpfen die Rettungskräfte seit Tagen gegen die Wassermassen. Hunderttausende sind betroffen.

Die Zahl der bei Überschwemmungen in Südindien ums Leben gekommenen Menschen ist stark angestiegen: Der Regierungschef des Bundesstaats Kerala, Pinarayi Vijayan, schrieb auf Twitter, 324 Menschen seien in den Fluten seit Beginn des Monsuns Ende Mai ums Leben gekommen. Allein in den vergangenen zehn Tagen seien 164 Menschen gestorben.

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In Kerala leben rund 33 Millionen Menschen. Mehr als 30 Armeehubschrauber und 320 Boote sind im Rettungseinsatz. Den Behörden zufolge wurden Tausende Menschen bereits in Sicherheit gebracht; weitere 6000 warteten noch auf Hilfe. Insgesamt hätten mindestens 310.000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Sie kamen laut Vijayan in den mehr als 1500 Rettungscamps unter.

Es handele sich um die schlimmste Flut in den vergangenen 100 Jahren. Laut Vorhersage sollen die Regenfälle in den kommenden Tagen abnehmen, wie die Zeitung "The Times of India" berichtete. Mittwoch und Donnerstag hatte es ununterbrochen geregnet. Indiens Premierminister Narendra Modi reiste ins Krisengebiet, um sich von der Lage ein Bild zu machen.

Hilfsaktionen seien schwierig, weil viele Zufahrtswege und Gleise wegen der Überschwemmungen nicht nutzbar sind. Flutopfer wurden aufgefordert, sich auf die Dächer ihrer Häuser zu begeben, um aus der Luft gerettet werden zu können. Obwohl die Maßnahmen in vollem Gange seien, erreichten Katastrophenschutz, Armee, Marine und Küstenwache der "Times of India" zufolge noch immer verzweifelte Hilferufe von Eingeschlossenen.

Schwangere vom Dach gerettet

CNN berichtete, am Freitag sei eine schwangere Frau mit dem Hubschrauber vom Dach ihres Hauses in Aluva gerettet worden, einem der am stärksten betroffenen Gebiete. Sie habe zwei Stunden später einen Jungen zur Welt gebracht.

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Die Menschen in dem auch bei Touristen beliebten Kerala kämpfen seit dem 8. August mit außerordentlich heftigen Monsunregenfällen. Die meisten Opfer seien ertrunken oder bei Erdrutschen umgekommen, hieß es. Zahlreiche Rettungskräfte seien im Einsatz, um Eingeschlossene in Sicherheit zu bringen. Fast alle Flüsse des Staates führten Hochwasser, so die "Times of India".

Der wegen seiner Traumstrände und malerischen Teeplantagen bei Touristen beliebte Bundesstaat leidet in diesem Jahr unter besonders heftigen Monsun-Regenfällen. Aber auch andere Bundesstaaten, darunter Karnataka nördlich von Kerala sowie Madhya Pradesh im Landesinneren, sind betroffen.

Der Monsun fällt in diesem Jahr in Indien ungewöhnlich heftig aus. Laut dem Nationalen Katastrophenschutz lag der Niederschlag 40 bis 50 Prozent über dem Normalwert. 34 der 40 Staudämme hätten die volle Kapazität erreicht und seien teils geöffnet worden, berichtete CNN. So sollten potenziell katastrophale Dammbrüche verhindert werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte in einem Schreiben an Modi ihre "Betroffenheit" angesichts der "verheerenden Überschwemmungen".

Quelle: n-tv.de, vpe/AFP/dpa