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"Wenn du keinen Freund hast ..." Ikea verärgert Chinesen mit Werbefilm

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Chinesen fühlen sich wohl bei Ikea, kommen gern mit der ganzen Familie und halten ein Nickerchen.

(Foto: imago/VCG)

"Sexistisch", "enttäuschend" und "verdreht": Ein Werbefilm sorgt in China für einen Aufschrei. In dem Spot rügt eine Mutter ihre Tochter, weil sie noch keinen Freund hat.

Die Chinesen lieben Ikea. Und zwar nicht nur zum Einkaufen, auch zum Verweilen. An Wochenenden und Feiertagen wird das schwedische Möbelhaus oft zum Ausflugsort für die ganze Familie. Wegen einer sexistischen Werbung, die in dieser Woche im chinesischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, ist das sonst so harmonische Verhältnis jedoch getrübt.

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Ausschnitt aus dem Clip, der im Fernsehen nicht mehr ausgestrahlt wird, aber im Netz noch zu sehen ist.

(Foto: Screenshot aus dem Werbeclip)

Der Film beginnt mit einer angespannten Familien-Abendessen-Szene, in der sich eine junge Frau ihrer Mutter zuwendet und sagt: "Mutter ...".  Diese rügt sie: "Wenn du keinen Freund mit nach Hause bringst, dann darfst du mich nicht mehr Mutter nennen." Dann klingelt es und ein gut gekleideter junger Mann taucht mit einem Blumenstrauß vor der Wohnungstür auf. Die Eltern, erfreut über die Neuigkeiten der Tochter, dekorieren kurzerhand das Wohnzimmer um: Decken den Tisch neu, stellen Kerzen, frische Blumen und eine neue Lampe auf. Überall stehen Möbelstücke von Ikea. Am Ende häufen die gutgelaunten Eltern Essen in die Schüssel des vermeintlichen Freundes, während ihre Tochter verwirrt schaut.

Der Clip löste eine Welle der Kritik in den chinesischen sozialen Netzwerken aus. In dem in China beliebten sozialen Netzwerk Weibo lehnten viele Menschen sie als "sexistisch", "enttäuschend" und "verdreht" ab. "Ob man einen Partner hat oder nicht, ist die Sache jedes Einzelnen und nicht die eines Unternehmens. Da braucht es keine Einmischung und noch viel weniger eine Werbung", schreibt ein Weibo-Nutzer, der mehr als sechs Millionen Follower hat.

Frauen, die mit Ende 20 immer noch keinen Ehemann haben, bezeichnet man in China als "Sheng Nü" - als Reste-Frau. Sie sind ständigem Druck ausgesetzt. Auch Frauen mit hohem Bildungsstand und gutem Job, die finanziell nicht auf eine Ehe angewiesen sind, fühlen einen großen Heiratsdruck.

Ikea lenkte derweil ein und kündigte an, die Werbung nicht mehr auszustrahlen. Man sei dankbar für das "ehrliche Feedback", das eine gute Gelegenheit sei, "zu lernen und es in der Zukunft besser zu machen", heißt es in einer Mitteilung des Möbelgiganten.

Quelle: n-tv.de, dsi

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