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Kostenproblem trotz Gästerekord Immer mehr Schwimmbäder schließen

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Wegen der Hitze ist derzeit in vielen Freibädern ein Besucherrekord zu verzeichnen.

dpa

Mitten in der Hitzewelle schlagen die Kommunen Alarm wegen der weniger werdenden Freibäder. Seit der Jahrtausendwende ist etwa jedes zehnte Bad geschlossen worden. Auch bei den derzeitigen Besucherrekorden: Die Eintrittsgelder decken nicht die Kosten.

In Deutschland ist seit dem Jahr 2000 jedes zehnte Schwimmbad geschlossen worden. Von den damals 6716 Bädern seien nur noch rund 6000 übrig, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen. Es gebe noch etwa 2275 Hallen-, 2700 Frei- und 1000 Schulschwimmbäder. Die Gesellschaft hatte im vergangenen Jahr mit anderen Verbänden eine "Bäderallianz" gegründet, die Bund, Länder und Kommunen zu mehr Engagement für die Bäder bewegen soll.

Der Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Roland Schäfer von der SPD, forderte eine stärkere Beteiligung des Bundes an der Finanzierung. "Der Bund erwartet ja auch, dass Kinder richtig schwimmen lernen und die Menschen Sport treiben", sagte er der Zeitung. Bevor über Steuersenkungen gesprochen werde, solle lieber in kommunale Infrastruktur investiert werden - "dazu gehören auch Schwimmbäder". Solche Investitionen seien nachhaltig und würden Deutschland als Standort attraktiver machen.

Die Bundesregierung sieht den Erhalt der Bäder allerdings als Aufgabe der Länder sowie der Städte und Gemeinden. Die Länder seien "aufgerufen, die Kommunen bei der Erhaltung der sozialen Infrastruktur zu unterstützen und tun dies auch mit eigenen Programmen", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Marco Wanderwitz von der CDU, der Zeitung.

Der Staatssekretär verwies darauf, dass der Bund kommunale Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur unterstütze. Dafür seien im Bundeshaushalt für dieses Jahr 100 Millionen Euro vorgesehen.

Kommunen fordern Geld gegen Freibad-Sterben

Mitten in der derzeitigen Hitzewelle schlagen nun Deutschlands Kommunen Alarm wegen der weniger werdenden Freibäder und fordern ein Sofort-Sanierungsprogramm des Bundes. Die Eintrittsgelder der Schwimmbäder deckten trotz Rekordbesucherzahlen nur ein Drittel der Kosten, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), Gerd Landsberg, der "Passauer Neuen Presse". Den Kommunen fehle vielerorts Geld für den Betrieb. "Wir brauchen rasch ein Programm zur Sanierung von Sportstätten und Schwimmbädern, wenn die Freibäder auch in den nächsten Sommern Abkühlung für die Bürgerinnen und Bürger bringen sollen." 

Wegen der Hitze sei in vielen Freibädern ein Besucherrekord zu verzeichnen, sagte Landsberg der PNP. Das zeige, dass Schwimmbäder "ein wichtiger Teil der kommunalen Daseinsvorsorge" seien. In den Freibädern begegneten sich Kinder und Jugendliche aus allen Schichten und sie seien darüber hinaus wichtig, damit Kinder Schwimmen lernen, betonte Landsberg. Nur noch jedes zweite Kind im Alter von zehn Jahren könne heutzutage sicher schwimmen. 

Landsberg sieht in Deutschland "ein regelrechtes Schwimmbad-Sterben". Für die Schwimmbäder sei ein Sanierungsbedarf "von rund 4,6 Milliarden Euro errechnet" worden, sagte der DStGB-Hauptgeschäftsführer weiter.

Quelle: n-tv.de, abe/AFP/dpa

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