Panorama
In Puhlheim in Nordrhein-Westfalen flimmert die Luft.
In Puhlheim in Nordrhein-Westfalen flimmert die Luft.(Foto: dpa)
Donnerstag, 05. Juli 2018

Kein Regen, viel Sonne : In Deutschland bleibt's staubtrocken

Seit April regiert in Deutschland fast ununterbrochen der Sommer. Im Schnitt liegt jeder Tag 2,6 Grad über dem Durchschnitt. Und auch in den nächsten Tagen wird es brütend heiß und trocken. n-tv Meteorologe Björn Alexander macht nicht viel Hoffnung auf Regen.

n-tv.de: Das mit der Sommersonne ist ja im Prinzip eine tolle Sache. Aber irgendwie ist es auch sehr trocken. Gibt es auch mal Chancen auf Regen?

Björn Alexander: Eher nicht. Denn auch die gewitterwillige Luft im Süden wird mehr und mehr abgedrängt, so dass es am Wochenende landesweit wieder sonniges und trockenes Sommerwetter geben wird. Außerdem macht sich nächste Woche auch wieder das nächste Hoch für unser Wetter stark. Die teilweise sehr große Trockenheit setzt sich also fort.

Aber irgendwie ist das schon eigenartig. Jetzt haben wir endlich mal einen richtigen Sommer und schon ist alles viel zu trocken. Woran liegt das?

n-tv Meteorologe Björn Alexander
n-tv Meteorologe Björn Alexander

Sonnig-trockenes und heißes Wetter im Kernsommer ist natürlich überhaupt kein Problem. Oder sagen wir es so: Dabei wären normalerweise die Ausfälle deutlich geringer. Jedoch befinden wir uns ja im Prinzip seit April im Dauersommer. Westwindlagen mit Landregen im Frühjahr? Fehlanzeige. Stattdessen waren die vergangenen drei Monate fast durchweg zu warm.

Wie viel zu warm?

Im Durchschnitt lag jeder einzelne Tag knapp 2,6 Grad über dem langjährigen Mittelwert. Das ist über 90 Tage absolut außergewöhnlich. Gleichzeitig machte die Sonne Überstunden, 30 Prozent mehr als normal, und der Regen ergoss sich höchstens mal in kräftigen Gewittern mit lokalen Überflutungen. Wobei der Regen aufgrund der teils kleinräumigen Gewitteraktivität sehr ungleich verteilt ist. Mancherorts ist in den letzten 90 Tagen noch nicht einmal die Hälfte des ansonsten üblichen Regens gefallen, während anderswo "Land unter" galt. Und dabei ist das Defizit in der Regenbilanz nur der eine Teil der Wahrheit.

Was ist der andere?

Die dauerhaft hohen Temperaturen, der Sonnenüberschuss sowie die häufigen trockenen Ostwinde haben die Trockenheit nochmal maßgeblich verschlimmert. Hinzu kommen auch noch individuelle Probleme.

Welche?

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Beispielsweise bei den Obstbäumen. Dort haben die hohen Temperaturen im Frühjahr zu einer enormen Blüte mit sehr vielen Früchten geführt, die auf der anderen Seite den Wasserbedarf deutlich erhöhen. Doch inzwischen sind die Bäume im Trockenstress, sodass ein Großteil des Obstes, zum Beispiel Birnen oder Äpfel, schon wieder abgeworfen wird. Neben den großflächigen Ausfällen auf den Mais-, Gersten- oder Weizenfeldern sind somit zum Beispiel auch bei den Obsternten massive Ausfälle zu erwarten. Sehr augenfällig ist auch die zum Teil extreme Waldbrandgefahr. Hier ist inzwischen absolute Vorsicht geboten. Verbreitet herrscht von der Mitte nordwärts zurzeit die zweithöchste bis höchste Gefahrenstufe - also 4 bis 5. Grillen, rauchen, jeglicher Funkenflug kann katastrophale Folgen haben. Und auch auf den Feldern und an den Böschungen besteht zum Teil akute Brandgefahr. Bis in die Weihnachtszeit wirft dieser Extremsommer bereits seine Schatten voraus.

Wie das?

Besonders kleinere Tannen fallen derzeit immer häufiger der Trockenheit zum Opfer, sodass die Weihnachtsbäume in diesem Jahr ebenfalls teurer werden könnten.

Aber der Extremsommer hat natürlich nicht nur schlechte Seiten?

Auf gar keinen Fall. Freibäder und Badeseen haben seit Wochen Hochkonjunktur und sind auch überdurchschnittlich warm.

Welche Wassertemperaturen werden denn so gemessen?

In den Seen sind es oftmals zwischen knapp 20 und 25 Grad. Die Küstenabschnitte vermelden zwischen 17 und 20 Grad, gemessen in einem Meter Wassertiefe. Die flacheren Bereiche können somit nochmals deutlich wärmer sein.

Apropos Wasser: Wie macht sich die Trockenheit denn an den Flüssen bemerkbar?

Besonders an der Elbe herrscht weiterhin Niedrigwasser. Der Pegelstand bei Dresden liegt momentan bei 63 Zentimetern. Hier nähert man sich einem ähnlich niedrigen Stand wie im Jahr 2015, als der Pegelstand von 60 Zentimetern unterschritten wurde. Das letzte Mal, dass das zuvor passierte, ist über 50 Jahre her. Hier bahnt sich also innerhalb von nur drei Jahren schon wieder ein historisch niedriger Wasserstand an.

Dann bitte nun noch ein Blick auf unser Wochenende.

Am Samstag dominiert die Sonne nebst harmloser Wölkchen. Lediglich in den Alpen sind einzelne Schauer und Gewitter drin. Dabei sind auch im Süden die letzten Reste der schwülen Luft einem frischeren Nordwestwind gewichen. Und der sorgt oftmals für sehr angenehme Temperaturen zwischen 23 und 27 Grad. Kühler bleibt es Richtung Nordsee bei 17 bis 22 Grad, während es am Rhein und seinen Nebenflüssen noch wärmer sein wird. Dort sind nämlich 27 bis 30 Grad möglich.

Und am Sonntag?

Sieht es nach traumhaftem Sommerwetter aus. Die Sonne dominiert und sorgt für recht angenehme 20 bis 32 Grad, wobei es an der See nach wie vor am frischesten und am Rhein am heißesten ist.

Was sagen die Wetterkarten für die neue Woche voraus?

Tendenziell sieht es wieder nach einem neuen Hoch aus, so dass vieles darauf hindeutet, dass es weiterhin trocken, freundlich oder sonnig und warm bis heiß weitergehen dürfte. Das sehen übrigens auch die langfristigen Wettercomputer so. Wir steuern also auf eine extreme Trockenheit zu - vor allem in der Nordhälfte.

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Quelle: n-tv.de