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Algorithmus oder Kontakt?Instagram macht unglücklicher als Whatsapp

19.03.2026, 11:30 Uhr
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Handys sind auf viele Weisen ein Tor in die Welt. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Soziale Medien machen unglücklich und müssen deshalb vor allem für Kinder und Jugendliche deutlich stärker eingeschränkt werden, argumentieren momentan viele. Der aktuelle Glücksbericht liefert dazu eine deutlich differenziertere Einschätzung.

Der Einfluss von sozialen Medien auf die Zufriedenheit und das Glück von Menschen ist in diesem Jahr ein Schwerpunkt des Weltgücksberichts des Wellbeing Research Centre der Universität Oxford. Dabei erwiesen sich Instagram oder Tiktok als schädlicher für die psychische Gesundheit als Plattformen wie Facebook und Whatsapp.

Der entscheidende Unterschied ist dem Forschungsteam zufolge, ob eine App algorithmusgesteuertes Scrollen fördert oder soziale Kontakte priorisiert. Im aktuellen Bericht wird festgestellt, dass der übermäßige Gebrauch sozialer Medien auf der ganzen Welt zu Unzufriedenheit unter jungen Menschen führt. Besonders stark sind die Auswirkungen demnach in englischsprachigen Ländern und Westeuropa.

Der Weltglücksbericht, der alljährlich vorgelegt wird, kommt zu dem Schluss, dass die Art der genutzten sozialen Medien und die Nutzungsdauer einen erheblichen Einfluss auf das Wohlbefinden der Nutzer haben. Herangezogen wurde unter anderem eine Studie in 17 Ländern Lateinamerikas. Sie zeigte, dass die häufige Nutzung von Whatsapp und Facebook mit einer höheren Lebenszufriedenheit einherging, während die Nutzung von X, Instagram und Tiktok - die stärker von Algorithmen und Influencer-Inhalten bestimmt werden - zu geringerem Glück und psychischen Problemen führte.

"Das legt nahe, dass wir den sozialen Aspekt in den sozialen Medien wieder stärker in den Vordergrund rücken und sowohl die Anbieter dieser Plattformen als auch die Nutzer dazu anregen müssen, diese Instrumente für soziale Zwecke und zur Kontaktaufnahme mit echten Menschen zu nutzen", sagte Jan-Emmanuel De Neve. Er ist Direktor des Wellbeing Research Centre und Mitherausgeber des Berichts.

Nicht zu viel, nicht zu wenig

Untersuchungen ergaben außerdem, dass eine begrenzte Nutzung sozialer Medien von einer Stunde oder weniger pro Tag zu einer höheren Lebenszufriedenheit führte als die völlige Nichtnutzung sozialer Medien. Ausgenommen waren Personen, die keinen Zugang zum Internet hatten.

Es gehe um die goldene Mitte - nicht zu viel, nicht zu wenig. "Ein positiver, moderater Gebrauch scheint optimal zu sein", sagte De Neve. "Die durchschnittliche Nutzungsdauer sozialer Medien betrug in den Daten jedoch nicht eine Stunde oder weniger, sondern eher zweieinhalb Stunden." De Neve nannte diese Erkenntnisse angesichts des vollständigen Verbots sozialer Medien für unter 16-Jährige in Australien besonders relevant. Das Verbot umfasst Facebook, Instagram, Tiktok und X, nimmt aber Messaging-Apps wie Whatsapp aus. Viele andere Länder erwägen inzwischen ähnliche Verbote. Sie "sollten die Ergebnisse unbedingt zur Kenntnis nehmen und nicht voreilig handeln", sagte De Neve.

Laut Weltglücksbericht, der jedes Jahr rund um den Weltglückstag am 20. März erscheint, haben vor allem die nordischen Länder das Glück gepachtet. In die Top 5 schaffen es dort neben Finnland auch Island, Dänemark und Schweden. Dazwischen mischt sich auf den vorderen Rängen nur Costa Rica auf Platz 4. Auf den Plätzen sechs bis zehn folgen Norwegen, die Niederlande, Israel, Luxemburg und die Schweiz. Deutschland ist in diesem Jahr fünf Plätze nach vorn gerutscht und liegt nun auf Platz 17.

Quelle: ntv.de, sba

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