Panorama

Personal weiter überlastet Intensivmediziner warnen vor dritter Welle

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Aktuell werden in deutschen Kliniken 4352 Corona-Intensivfälle behandelt.

(Foto: imago images/Ralph Lueger)

Während die Infektionszahlen in Deutschland weiter sinken, bleibt die Belastung für das Gesundheitssystem hoch. Intensivmediziner schlagen Alarm und warnen vor frühzeitigen Lockerungen. Vor allem das Personal sei bereits weit über der Belastungsgrenze.

Die Lage auf den Intensivstationen in Deutschland ist nach Angaben von Medizinern trotz sinkender Corona-Fallzahlen weiterhin angespannt. "Wir spüren auf den Intensivstationen, anders als die Zahlen den Anschein erwecken, derzeit keine Entspannung", sagte der Magdeburger Uniklinik-Professor Felix Walcher, Präsidiumsmitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), der "Augsburger Allgemeinen".

Er forderte schärfere Maßnahmen, bis die Infektionsketten von den Gesundheitsämtern kontrollierbar seien: "Wir müssen in einen harten Lockdown gehen, alles andere ist ethisch schwer vertretbar." Walcher warnte vor Leichtsinn: "Unsere größte Sorge ist, dass durch die Impfungen und Lockerungsdiskussionen der Eindruck erweckt wird, die Krise sei bald überwunden, und die Vorsicht der Bürger, sich an die notwendigen Maßnahmen zu halten, nachlässt", sagte er. "Wenn das passieren sollte, dann werden wir eine dritte Welle mit Virusmutationen erleben, deren Folgen unabsehbar sind."

Sorge bereitet den Intensivstationen laut Walcher auch die Überlastung des Personals. Die Beschäftigten hätten zwischen den beiden Lockdowns keine Verschnaufpause gehabt, da viele verschobene Operationen nachgeholt worden seien. Es drohten nun massive Ausfälle. "Das Pflegepersonal ist maximal belastet, die Menschen können einfach nicht mehr", sagte der Mediziner. "Sehr viele sind ausgebrannt, es gibt schon jetzt sehr viele Burnout-Fälle und Rückzugserscheinungen. Wir Intensivmediziner haben Angst, dass in den kommenden Monaten viele das Handtuch werfen."

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Die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten sinkt derweil weiter. Wie aus dem aktuellen Divi-Register hervorgeht, werden aktuell in deutschen Kliniken 4352 Corona-Intensivfälle behandelt. Das sind 23 weniger als am Vortag. 2391 Betroffene müssen invasiv beatmet werden (19 weniger). Derzeit gelten knapp 4500 Betten als frei. Der Anteil der belegten Intensivbetten beträgt nunmehr 83,3 Prozent (Vortag: 84 Prozent).

Das Robert-Koch-Institut meldete jüngst 12.321 Neuansteckungen und weitere 794 Todesfälle. Damit steigt die Zahl der bestätigten Infektionen insgesamt auf 2.205.171, gestorben sind im Zusammenhang mit Covid-19 insgesamt 56.546 Menschen in Deutschland. Am vergangenen Samstag waren noch 16.417 Neuansteckungen gemeldet worden.

Quelle: ntv.de, mba/dpa