Panorama

Weiterhin "extrem gefährlich" "Irma" wird ein bisschen schwächer

Offizielle Stellen stufen "Irma" auf Stufe 4 herunter. Dass dies keinesfalls Entwarnung bedeutet, zeigen die Windgeschwindigkeiten, die der Hurrikan noch immer erreicht. In Florida sichern die Menschen ihr Hab und Gut, Tausende fliehen aus dem Sonnenstaat.

Tote und Verletzte und völlig zerstörte Inseln: Hurrikan "Irma" zieht derzeit eine Schneise der Verwüstung durch die Karibik. Mindestens 17 Menschen kamen bislang ums Leben. "Es ist, als wäre jemand mit einem Rasenmäher vom Himmel über die Insel gegangen", berichtet eine Augenzeugin auf dem Inselteil Sint-Maarten. Barbuda sei nur noch ein "Trümmerhaufen", sagte der Premierminister von Barbuda und Antiguees, Gaston Browne.

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Indes stufte das Nationale Hurrikan-Zentrum (NHC) der USA den Wirbelsturm auf die zweithöchste Stufe vier herab, nannte ihn aber weiterhin "extrem gefährlich". "Irma" zieht derzeit über die südlichen Bahamas. Anschließend soll er über das Meer an der Nordküste Kubas entlangwandern und am Sonntagmorgen (Ortszeit) die Inselgruppe der Florida Keys und die Südküste des US-Bundesstaats erreichen. Im Innern des Hurrikans wirbelt er mit Spitzen-Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde. Verhältnismäßig langsam legt "Irma" dagegen Kilometer zurück. In Richtung Florida wandert er derzeit mit 24 km/h.

Nach letzten Vorhersagen könnte die Millionenmetropole Miami voll von "Irma" getroffen werden. Möglich ist aber auch, dass der Hurrikan noch nördlich abdreht, Florida nicht voll trifft und die US-Ostküste hinauf nach South Carolina oder Georgia zieht. Zwei Atomkraftwerke liegen an der Atlantikküste Floridas, diese hat der Betreiber vorsorglich heruntergefahren. Millionen Haushalte werden dadurch ohne Strom sein.

Massive Schäden in Florida erwartet

Experten gehen vom Schlimmsten aus. "Irma" werde Florida mit voller Wucht treffen, glaubt etwa Joel N. Myers von "AccuWeather". "Unglücklicherweise gibt es keinen Weg, die nächste Wetter-Katastrophe für die USA zu verhindern", so Myers. "Es wird massive Schäden in Florida geben und der schlimmste Hurricane seit Andrew 1992 sein."

Der Gouverneur von Florida, Rick Scott, rief die Einwohner zu äußerster Vorsicht auf. Der Sturm sei breiter als die Fläche des Staats, so Scott. "Egal, an welcher Küste Sie leben, seien Sie bereit für eine Evakuierung", sagte er. Einige Bewohner von Miami verbarrikadierten ihre Häuser, Supermärkte wurden regelrecht leer gekauft.

"Irma" wäre erst der vierte Kategorie 5-Hurrikan, der auf das amerikanische Festland trifft. 1935 sorgte der "Labor Day" Hurrikan für Zerstörung in Florida. "Camille" verwüstete im Jahr 1969 Louisiana und Mississippi. Hurrikan "Andrew" traf 1992 auf Florida.

Verwüstungen in britischen Überseegebieten

Zuletzt wütete "Irma" in den britischen Überseegebieten. In weiten Teilen der Region wurde der Notstand ausgerufen. Es gibt Berichte über Todesfälle, wie der Gouverneur der Britischen Jungferninseln, Gus Jaspert, in einer vom britischen Sender BBC verbreiteten Audionachricht bestätigte. Auch die Turks- und Caicoinseln wurden schwer vom Hurrikan getroffen.

Bewohner von Tortola, einer der Hauptinseln der Britischen Jungferninseln, berichten von einem Desaster. Alle Häuser in ihrer Umgebung seien beschädigt oder zerstört worden, sagten Emily und Michael Kilhoury der "BBC". In ihrem eigentlich gut gesicherten Haus seien die Türen weggeflogen. "Der Lärm war unglaublich."

Die britische Regierung erhöhte unterdessen ihre Hilfe für die verwüsteten Gebiete auf 32 Millionen Pfund (etwa 35 Millionen Euro). Per Flugzeug wurden Hilfsgüter ins Katastrophengebiet geflogen. Königin Elizabeth II. zeigte sich geschockt über die Katastrophe. Der britische Milliardär und Chef der Konzerngruppe Virgin, Richard Branson, verschanzte sich während des Sturms in einem Bunker auf seiner Privatinsel Necker Island. "Necker und die ganze Umgebung sind komplett zerstört", berichtete Branson. Ganze Häuser und Bäume seien einfach verschwunden.

"Die Lage ist ernst"

Frankreich und die Niederlande klagen über Plünderungen auf verwüsteten Karibikinseln. "Die Lage ist ernst", sagte der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte über Plünderungen auf der Insel Sint Maarten.

Der Hafen und der Flughafen seien für militärische Zwecke wieder geöffnet worden. Priorität habe aber die Lieferung von Wasser und Lebensmitteln sowie Medikamenten und Zelten für die Sturmopfer. Die niederländische Regierung tue alles in ihrer Macht Stehende, um den Betroffenen zu helfen. "Wir geben Sint Maarten nicht auf", sagte Rutte.

Auch im französischen Inselteil Saint-Martin sowie auf Saint-Barthélemy machten sich Diebe am Eigentum verwüsteter und verlassener Häuser zu schaffen, wie die französische Ministerin für die Überseegebiete, Annick Girardin, sagte. Sie kündigte die Entsendung von 400 Polizisten in die französischen Gebiete an.

Die Gesundheitsversorgung und die Versorgung der Menschen mit Wasser und Lebensmitteln habe "größte Dringlichkeit", sagte die Ministerin. An zweiter Stelle komme die "öffentliche Ordnung". Justizministerin Nicole Belloubet sagte, es sei ein Staatsanwalt nach Saint-Martin entsandt worden.

Touristen werden gewarnt

Touristen in den voraussichtlich vom Hurrikan "Irma" betroffenen Gebieten in den USA sollen laut Auswärtigem Amt die Gegend verlassen. Bewohner und Urlauber des Monroe County, in weiten Teilen des Miami-Dade-County und in Teilen des Broward- und Collier-County müssten sich in Sicherheit bringen, teilte das Auswärtige Amt mit.

Zu den Gebieten gehöre auch ganz Miami Beach. Für die Evakuierung stünden dort an 25 Punkten kostenfreie Shuttle-Busse bereit, die genutzt werden sollten. Der Flughafen Miami soll von Freitag an geschlossen und als Notunterkunft genutzt werden. Der Flughafen in Orlando bleibe voraussichtlich bis Samstag geöffnet.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa/AFP

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