Panorama

Messerangriff auf schwules Paar Islamist nach Dresden-Attentat angeklagt

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Der 21-jährige Syrer war den Behörden schon seit Jahren bekannt.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Ob ein vorbestrafter Islamist ein schwules Paar aus Hass gegenüber Homosexuellen angegriffen hat, wird demnächst vor Gericht verhandelt. Nach dem Anschlag in Dresden geben allerdings auch die Sicherheitsbehörden kein gutes Bild ab.

Die Bundesanwaltschaft hat den mutmaßlichen Dresden-Attentäter angeklagt. Dem 21 Jahre alten Abdullah Al H.H. werde Mord aus islamistischen und homosexuellenfeindlichen Motiven vorgeworfen, berichtete der "Spiegel" unter Berufung auf sächsische Justizkreise. Außerdem werden dem Mann versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Dem "Spiegel" zufolge wäre es der erste Mordanschlag eines Islamisten aus Hass auf Homosexuelle in Deutschland, wenn die Vorwürfe der Ankläger zutreffend sind. Der Prozess soll vor dem Oberlandesgericht Dresden stattfinden.

Der aus Syrien stammende Beschuldigte soll am 4. Oktober ein homosexuelles Paar aus Nordrhein-Westfalen, das touristisch in der Dresdner Altstadt unterwegs war, mit einem Messer angegriffen haben. Der 55-jährige Mann aus Krefeld starb kurz darauf im Krankenhaus. Sein 53-jähriger Partner aus Köln überlebte schwer verletzt. Der Täter hatte zunächst unerkannt entkommen können, das Motiv war unklar. Am Tatort wurde aber das Messer gefunden.

Behörden schon seit Jahren bekannt

Am 20. Oktober dann wurde der Verdächtige gefasst. Die Bundesanwaltschaft hatte einen Tag später die Ermittlungen übernommen, als sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund verdichteten. Der Mann war den Behörden seit Jahren als Islamist bekannt gewesen. Er ist seit 2015 in Deutschland geduldet und war nur wenige Tage vor der Tat aus dem Jugendstrafvollzug entlassen worden. "Er wollte die beiden Tatopfer als Repräsentanten einer von ihm als "ungläubig" abgelehnten freiheitlichen Gesellschaft auslöschen", heißt es in einer früheren Mitteilung der Bundesanwaltschaft.

Deutsche Sicherheitsbehörden hatten schon vor der tödlichen Messerattacke in Dresden Anfang Oktober Warnungen vor dem mutmaßlichen Attentäter erhalten. Eine Bundesbehörde habe einen Hinweis zu dem späteren Attentäter nicht weitergeleitet, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Nach Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" warnte ein ausländischer Geheimdienst, dass der Mann möglicherweise in die Planung eines Terroranschlags verwickelt sei. Der deutsche Auslandsnachrichtendienst BND habe diese Information aber nicht an den Verfassungsschutz oder die sächsischen Landesbehörden weitergegeben.

Quelle: ntv.de, cls/dpa/AFP

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