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Fragen und Antworten zum Reisen Ist der Sommerurlaub noch zu retten?

Es könnte zu einem Boom im Deutschlandtourismus kommen, falls im Sommer vor Auslandsreisen gewarnt wird.

Es könnte zu einem Boom im Deutschlandtourismus kommen, wenn Auslandsreisen nicht möglich sind.

(Foto: imago images/Photocase)

Wird die Corona-Krise alle Sommerurlaubspläne zunichtemachen? Immer noch gelten Reisebeschränkungen und Abstandsregeln. Wie lange die einzelnen Verordnungen noch gelten werden, weiß derzeit niemand. Viele Urlauber machen sich nun Gedanken. Was ist machbar oder muss man stornieren, umbuchen und zu Hause bleiben?

Wie ist die aktuelle Lage bei den Reisebeschränkungen und wie entwickelt sie sich?

Aktuell gilt immer noch eine weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts für alle nicht notwendigen und touristischen Reisen. Wie lange diese Warnung noch aufrechterhalten wird und ob sie auch in der Ferienzeit im Juli und August gilt, ist derzeit ungewiss.

"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann man keine Prognose darüber treffen, wie lange die Reisewarnung aufrechterhalten wird", sagte Außenminister Heiko Maas heute. "Solange es Ausgangssperren gibt in vielen Ländern, wird dort auch kein Urlaub zu machen sein. Wir werden das von Woche zu Woche entscheiden und wir werden uns versuchen so gut es geht auch europäisch abzustimmen."

Sollte man nun Flugreisen buchen?

Aufgrund der Pandemie annullieren viele Fluggesellschaften ihre Verbindungen und dünnen ihre Flugpläne extrem aus. Buchungen für die kommenden Monate sind für den Kunden eher unsicher, weil niemand weiß, ob die Flüge überhaupt durchgeführt werden können.

Bei bereits gebuchten Reisen sollten die Kunden in jedem Fall Kontakt mit der Airline aufnehmen, um sich über ihre Optionen zu informieren. Viele bieten ihren Kunden an, ihre bereits gebuchten Fluge auf später umzubuchen oder (in manchen Fällen) sogar das Reiseziel zu ändern. Annulliert die Fluggesellschaft, steht dem Kunden eine Rückzahlung zu.

Inwiefern ist der Urlaub in Deutschland möglich?

Möglicherweise wird die Politik auch künftig empfehlen, keine Auslandsreisen zu unternehmen, sodass die Bürger den Urlaub in Deutschland verbringen müssten. Dieses Szenario ist denkbar, allerdings auch unter Einschränkungen, die Bund und Länder den Bürgern auferlegen könnten.

Aktuell dürfen zur Eindämmung der Corona-Pandemie keine touristischen Übernachtungsplätze in Deutschland angeboten werden. Dies könnte sich aber im Verlauf der nächsten Wochen möglicherweise ändern. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es von der Politik noch keine konkreten Aussagen zu Reisen in den Sommermonaten: Am Donnerstag erkläre der bayrische Ministerpräsident Markus Söder, dass er eine "leise Hoffnung" für Restaurant- und Hotelöffnungen Anfang Juni hege. Das sei jedoch "keine feststehende Aussicht". Potenzielle Entlastung für Gastronomen und Hotelbetreiber erhofft sich Söder dabei nach eigenen Angaben von einem möglichen starken Trend zum Sommerurlaub in Deutschland.

Doch natürlich birgt es auch Gefahren, wenn zu viele Menschen an bestimmte deutsche Urlaubs-Hotspots fahren, wie RTL-Reiseexperte Ralf Benkö erklärt: "Wenn man sich jetzt vorstellt, dass halb Deutschland an die Nord- und Ostsee fährt, um dort an die Strände zu gehen, dann werden die auch zu voll. Da wird es noch einige politische Diskussionen und Abstimmungen geben müssen."

Außerdem ist fraglich, wie viele vor allem kleinere Hotels die aktuelle wirtschaftliche Krise ohne Einnahmen verkraften und überhaupt bis zum Sommer überleben können. Der Deutsche Tourismusverband rechnet nach eigenen Angaben mit Umsatzeinbußen von bis zu 24 Milliarden Euro.

Was ist mit Bergtouren, Wanderungen und Fahrradtouren innerhalb Deutschlands?

Zum jetzigen Zeitpunkt sind Bergtouren keine Option. So heißt es beim Deutschen Alpenverein: "Der DAV weist nochmals auf seinen Appell hin, keine Bergtouren zu unternehmen. Es geht dabei sowohl um Bergtouren in den Bayerischen Alpen als auch um Wanderungen in den deutschen Mittelgebirgen oder Kletterausflüge am Fels. In Bewegung zu bleiben ist natürlich wichtig, doch dabei sollte man sich an die Kontaktbeschränkungen halten und im näheren Umfeld des Aufenthaltsortes bleiben - auf jeden Fall nirgends hingehen, wo eine Verletzung einen schwierigen Abtransport erfordern würde." Ob diese Beschränkungen auch in den Sommerferien gelten, ist noch nicht absehbar.

Fahrradtouren sind derzeit zwar erlaubt, doch der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) mahnt: "Wir raten dringend von ausgedehnten Ausflügen ab. Beliebte Radrouten und Ziele sollten Menschen ebenso wie unbekannte Routen meiden, auf denen man nicht weiß, wie voll es dort sein kann. Deshalb ist das Gebot der Stunde: Vor der eigenen Haustür starten, eine bekannte Runde abseits des Gedränges fahren und zu Hause einkehren", sagt Burkhard Stork, Geschäftsführer des ADFC. Weiter heißt es vonseiten des Verbands: "Wenn die behördliche Empfehlungen und Anordnungen geführte Radtouren wieder erlauben, wird der ADFC sie auch wieder anbieten. Bis dahin gilt #VerschiebeDeineTour, #VerschiebeDeineReise und #RadelnMitAbstand."

Bei geplanten mehrtägigen Fahrten und Wandertouren im Sommer heißt es: Abwarten und eher spontan planen.

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Buchen oder warten?

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat für Verbraucher eine ganz klare Empfehlung: "Ich rate dazu, mit solchen Plänen noch zu warten. Für Juli und August kann derzeit niemand verlässliche Vorhersagen machen", sagte sie gegenüber der "Bild am Sonntag". Damit macht sie deutlich, dass es noch unklar ist, wie sich die Lage in den nächsten Monaten entwickeln wird.

Kann man eine gebuchte Pauschalreise für den Juli in Spanien und Co. umbuchen und was passiert bei Stornierungen?

Angesichts der aktuellen Pandemielage in klassischen Urlaubsländern wie Spanien, Italien und der Türkei betrachtet Söder es als "eher unwahrscheinlich", dass die Deutschen in diesem Jahr ihre Ferien dort verbringen könnten. Veranstalter bieten auch weiterhin Erstattungen für Reisen an, die wegen Corona geplatzt sind. Einige Unternehmen werben dagegen vor allem mit Rabatten für eine Verschiebung von geplatzten Urlaubsreisen. Über die verschiedenen Möglichkeiten von Umbuchungen und Stornierungen müssen sich Kunden bei den Reisebüros und Vertragspartnern informieren.

Nach geltendem Recht steht Pauschalurlaubern die Erstattung des Reisepreises binnen 14 Tagen zu, wenn der Veranstalter die Reise storniert hat. Die Reiseveranstalter pochen jedoch darauf, stattdessen Gutscheine ausgeben zu dürfen, um liquide zu bleiben. Das Argument: Andernfalls drohen massenhaft Insolvenzen. Die Bundesregierung will die Gutschein-Lösung, die Entscheidung liegt aber in Brüssel. Von der Leyen stellte klar: Europaweit hätten die Menschen rein rechtlich die Wahl, ob sie das Geld oder einen Gutschein wollten. Aber Achtung: Wer selbst storniert, muss gegebenenfalls mit hohen Stornogebühren rechnen.

Sind Buchungen für den Herbst sinnvoll oder derzeit riskant?

Eine Umbuchung des Sommerurlaubs in die Herbstferien ist denkbar und könnte möglicherweise eine Lösung sein. Allerdings kann es auch im Oktober noch zu Einschränkungen kommen, die jetzt noch nicht absehbar sind. Wer ganz neu bucht und eine Pauschalreise für die Herbstferien auswählt, sollte sich bei dem Reiseveranstalter oder im Reisebüro deshalb über die genauen Buchungs- und Umbuchungs-Modalitäten informieren.

Quelle: ntv.de, mit dpa