Panorama

Für und Wider Ist die Maskenpflicht schon überflüssig?

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Bundeskanzlerin Merkel geht mit gutem Beispiel voran.

(Foto: imago images/photothek)

Während Länder wie die Schweiz die Maskenpflicht gerade erst einführen, wird in Deutschland schon intensiv darüber nachgedacht, wo man auf den Mund-Nase-Schutz bereits verzichten kann. Ist das schon sinnvoll?

Wer ist für eine baldige Abschaffung der Maskenpflicht?

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe hält das Infektionsgeschehen in seinem Bundesland für so gering, dass er keinen Grund sieht, "länger an der Maskenpflicht im Handel festzuhalten". Da es in vielen Bundesländern im Norden des Landes ähnlich aussieht, kündigte der CDU-Politiker Gespräche über ein einheitliches Vorgehen an. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sprach sich dafür aus, die Pflicht in eine Empfehlung umzuwandeln. Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne hält eine Änderung mittelfristig für denkbar.

Wer spricht sich für eine Beibehaltung der Maskenpflicht aus?

Bayern will an der Maskenpflicht im Einzelhandel weiter festhalten. Gegen ein zeitnahes Ende der Pflicht für den Mund-Nasen-Schutz in Geschäften sprachen sich auch Schleswig-Holstein, Brandenburg und Hamburg aus. Auch die Bundeskanzlerin befürwortet die Pflicht, wie ihr Sprecher Steffen Seiber sagt: "Die Bundeskanzlerin wie die ganze Bundesregierung hat dazu eine ganz klare Haltung: Überall dort, wo im öffentlichen Leben der Mindestabstand nicht gewährleistet sein kann, sind Masken ein wichtiges und aus heutiger Sicht auch weiter unverzichtbares Mittel, um die Infektionszahlen niedrig zu halten, und um unsere Mitmenschen und uns selbst zu schützen."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mahnt dringend zur Vorsicht. Deutschland habe die Erfolge im Kampf gegen die Pandemie "unter großen Kosten erreicht", sagte Spahn im Deutschlandfunk. "Das ist Grund genug, das zu sichern und nicht zu sorglos zu sein". Die Gefahr einer weiteren Infektionswelle sei noch nicht gebannt. Ähnlich äußerte sich der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. "Es wäre das völlig falsche Signal, diese Pflicht jetzt schon wieder aufzuheben", sagte Lauterbach der "Rheinischen Post". CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer nannte das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes in einer Videoschalte der engsten CDU-Spitze "weiterhin notwendig und wichtig, damit Deutschland gut durch die Pandemie" komme.

Was spricht aus medizinischer Sicht dafür oder dagegen?

RTL/ntv-Experte Dr. Christoph Specht hält es aus infektiologischer Sicht für legitim, über eine Abschaffung nachzudenken. Er rechnet jedoch im September und Oktober wieder mit ansteigenden Ansteckungszahlen, dann müsste man die Maskenpflicht wieder einführen. "Vielleicht ist es klüger, einfach dabeizubleiben", so Specht.

Wie ist inzwischen die Akzeptanz in der Bevölkerung?

Ein aktuelles Monitoring der Universität Erfurt zeigt Ende Juni, dass 85 Prozent der Befragten es für eine wirksame Schutzmaßnahme halten, in der Öffentlichkeit Masken zu tragen. Bei der vorherigen Befragung lag der Wert mit 88,2 Prozent höher. 84,7 Prozent gaben an, in der Öffentlichkeit Masken zu tragen, zuvor waren es 84,8 Prozent. Einer Maskenpflicht beim Einkaufen und im ÖPNV stimmen 57,6 Prozent zu (vorherige Befragung: 55,7 Prozent).

Wer sind die Maskenträger, wer die Maskenverweigerer?

Den Wissenschaftlern in Erfurt zufolge tragen überwiegend Frauen und ältere Personen Masken, die den Behörden beim Umgang mit der Pandemie vertrauen und gut über die vom Coronavirus ausgelöste Krankheit Covid-19 und mögliche Schutzmaßnahmen informiert sind. Personen, die Pandemie als Medienhype wahrnehmen, trügen seltener Masken.

Wie gut schützen Mund-Nase-Bedeckungen?

Eine Untersuchung der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz zeigt, dass die allgemeine Pflicht eines Mund-Nasen-Schutzes, zum Beispiel beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln, deutlich zur Eindämmung der Corona-Pandemie beiträgt. Wissenschaftler von vier Universitäten hatten die Entwicklung der Infektionszahlen im thüringischen Jena mit denen anderer Städte verglichen, in denen die Maskenpflicht erst später eingeführt wurde. Jena hatte als erste Großstadt bereits am 6. April das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes zur Pflicht gemacht und damit wesentlich früher als in allen anderen Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands. Daraufhin stieg die Zahl der registrierten Infektionen in Jena nur noch schwach. In den anderen Städten lagen die Zahlen deutlich höher.

Einer Untersuchung der Florida Atlantic University zufolge schützen selbst genähte und gut passende Baumwollmasken am besten. Allerdings weisen sowohl die Weltgesundheitsorganisation WHO als auch das Robert-Koch-Institut immer wieder darauf hin, dass Schutzmasken allein für die Bekämpfung der Pandemie nicht ausreichen. Es bleibt auch weiter wichtig, die Hygieneregeln einzuhalten, also: Maske tragen, Abstand halten, Hände waschen und Niesen oder Husten in die Armbeuge.

Quelle: ntv.de, sba