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"Wollte IS-Kämpfer heiraten" Jennifer W. bricht Schweigen in Terrorprozess

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Jennifer W. ist wegen Mordes durch Unterlassen und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Erstmals äußert sich Jennifer W. vor Gericht. Sie gibt zu, 2014 nach Syrien ausgereist zu sein, um einen Dschihadisten zu heiraten. Dieser soll ein fünfjähriges Mädchen als Sklavin gehalten, angekettet und verdursten lassen haben. Ihr wird vorgeworfen, tatenlos zugesehen haben.

Die wegen Mordes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagte Jennifer W. hat sich vor dem Oberlandesgericht München erstmals zu den Tatvorwürfen geäußert. In einer Erklärung, die ihre Anwältin Seda Basay-Yildiz verlas, räumte sie ein, aus Deutschland ausgereist zu sein, um einen Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu heiraten.

"Ich war mit meinem Leben in Deutschland einfach so unzufrieden", hieß es in der Erklärung. Darum sei sie dann im August 2014 zunächst vom Flughafen Münster/Osnabrück nach Istanbul geflogen, um von dort nach Syrien weiterzureisen. Nach Aufenthalten in mehreren Frauenhäusern habe sie zunächst einen IS-Kämpfer geheiratet, der allerdings in Ungnade gefallen sei, weil er aus einem Ausbildungscamp geflohen sei. Nach rund einem Monat habe der Mann sich wieder scheiden lassen.

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Im Juni 2015 habe sie dann den Mann geheiratet, dem vorgeworfen wird, im Irak ein fünf Jahre altes jesidisches Mädchen im Hof angekettet und bei brennender Hitze verdursten lassen zu haben. Das Mädchen soll außerdem als Sklavin gehalten worden sein. Die 29 Jahre alte Frau aus Lohne in Niedersachsen ist wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt, weil sie tatenlos dabei zugesehen haben soll, wie das kleine Kind verdurstete.

Der Prozess hatte im April 2019 begonnen und sollte eigentlich längst beendet sein. Zuletzt zogen auch ein Strafverfahren gegen die beiden Verteidiger wegen des Vorwurfs, sie hätten aus einem nicht-öffentlichen Prozess in Düsseldorf zitiert, und Debatten um eine dritte Anwältin für die Angeklagte die Verhandlung in die Länge. Mitte Februar hatte das Gericht neue Prozesstermine angesetzt. Das Urteil könnte demnach womöglich erst im Sommer gefällt werden. Der damalige Ehemann der Angeklagten steht in einem separaten Prozess in Frankfurt vor Gericht.

Quelle: ntv.de, spl/dpa

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