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Studienautoren sind überraschtJugendliche haben ihr erstes Mal immer später

22.01.2026, 14:07 Uhr
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Das bevorzugte Verhütungsmittel beim ersten Sex ist für 76 Prozent der Jugendlichen das Kondom. (Foto: IMAGO/Depositphotos)

Heranwachsende und junge Erwachsene entdecken Sex zunehmend später. Zwar ist es jahrelang Trend, dass die Jugend später miteinander schläft. Doch so ausgeprägt wie jetzt war es selten. Eine Erhebung liefert Aufschluss, warum das so ist.

Deutsche Jugendliche haben heute deutlich später das erste Mal Sex als vor fünf Jahren. Das zeigt die neue Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). "In der letzten Erhebung vor fünf Jahren haben die Befragten größtenteils angegeben, den ersten Sex mit 17 Jahren erlebt zu haben, heute passiert das erste Mal überwiegend erst mit 19 Jahren", sagt Studienleiterin Sara Scharmanski in einem Gespräch mit der "Zeit". "Der große Sprung in so kurzer Zeit hat uns überrascht."

"Die Tendenz, dass Jugendliche später sexuell aktiv werden, zeigt sich zwar seit Längerem", sagte die Expertin weiter. Bisher habe es den Trend zu späteren sexuellen Aktivitäten jedoch nur bei Mädchen gegeben, jetzt bei beiden Geschlechtern. "Übrigens ist das nicht allein ein deutsches Phänomen", sagt Scharmanski. "Ob in Schweden, Großbritannien oder den USA: Weltweit haben junge Leute heute später Sex."

Auch der Zeitpunkt des ersten Kusses verschiebt sich laut Studie. Hatten 2019 noch 70 Prozent der 15-Jährigen diese Erfahrung gemacht, sind es heute nur noch 51 Prozent.

Als Hauptgründe machen die Experten des BIÖG den "Rückgang realer sozialer Kontakte" durch den erhöhten Konsum sozialer Medien aus. "Jugendliche verbringen heute deutlich weniger Zeit mit Freunden. Damit fehlen ihnen Gelegenheiten, sich näherzukommen, zu flirten, Beziehungen zu knüpfen. Dies führt auch zu späterem Sex", sagt Scharmanski. Zudem finde das Leben junger Menschen heute strukturierter statt, unter anderem durch die Verlängerung der Schule bis in den Nachmittag. "Einfach nur mit der Clique rumzuhängen, das ist nicht mehr", sagt die Psychologin.

Die Jugendlichen selbst gaben an, sich zu jung zu fühlen (49 Prozent der Mädchen, 34 Prozent der Jungen) und deshalb erst später Sex zu wollen. Fehlen des oder der Richtigen, war für 47 Prozent der befragten Mädchen und 55 Prozent der Jungen ein Grund, zu warten. Schüchternheit (37 Prozent bei Mädchen, 38 Prozent bei Jungen) spielte ebenfalls eine Rolle. Angst vor den Eltern hatten 19 Prozent der 14- bis 17-jährigen Frauen, aber nur 8 Prozent der gleichaltrigen Männer. Weniger Bedeutung hatte für die Jugendlichen, dass sie bis zur Ehe enthaltsam leben wollen: Dies gaben bei den Mädchen zehn Prozent an und bei den befragten Jungen sechs Prozent.

"Heutige Generation ist weniger risikobereit"

Schimanski erkannte darüber hinaus in den Daten, "dass der erste Geschlechtsverkehr meist in einer Partnerschaft stattfindet und ein geplantes Ereignis ist". Das sei anders als noch vor einigen Jahren. Die Befragten gaben damals öfter an, vom ersten Mal überrascht worden zu sein. "Heute sehnt sich diese Generation nach Geborgenheit und Verlässlichkeit. Sie ist eher sicherheitsorientiert, gesundheitsbewusst und weniger risikobereit", erklärte die Psychologin. Die Studienlage in diesem Punkt sei "eindeutig".

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Im Vergleich zu 2019 achten die Teenager heute mehr auf Verhütung. "Im internationalen Vergleich sind das hervorragende Werte, die zeigen, dass die Sexualaufklärung hierzulande sehr gut funktioniert", sagt Expertin Scharmanski der "Zeit". Lediglich fünf Prozent der Jugendlichen kümmern sich beim ersten Sex nicht um einen Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft. Die bevorzugte Wahl des Verhütungsmittels beim ersten Sex ist für 76 Prozent der Jugendlichen das Kondom. Die Pille wurde deutlich seltener verwendet (34 Prozent). Fünf Prozent der Befragten gaben an, etwas "Sonstiges" zu verwendet zu haben.

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (vormals Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) erhebt die repräsentative Studie zur Jugendsexualität zum zehnten Mal. Befragt wurden 3514 Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren sowie 2341 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren.

Quelle: ntv.de, mpa

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