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Der junge Mann will nun 40.000 Euro Schadenersatz einklagen.
Der junge Mann will nun 40.000 Euro Schadenersatz einklagen.(Foto: imago/Winfried Rothermel)
Dienstag, 17. Juli 2018

Trotz geistiger Gesundheit: Junge musste elf Jahre in die Förderschule

Weil er kaum Deutsch spricht, wird der Sohn eines Roma-Paares von den bayerischen Behörden als geistig behindert eingestuft - und muss fortan eine Förderschule besuchen. Später stellt sich heraus, dass er völlig gesund ist. Auf eine reguläre Schule darf er trotzdem nicht.

Ein junger Mann, der zu Unrecht auf eine Förderschule für geistige Behinderung geschickt wurde, hat Anspruch auf Entschädigung. Das Land Nordrhein-Westfalen habe seine Amtspflichten verletzt und müsse nun dafür haften, entschied das Landgericht Köln. Über die Höhe der Entschädigung wurde noch keine Entscheidung getroffen. Der frühere Förderschüler hatte rund 40.000 Euro Schaden aufgrund von Verdienstausfällen geltend gemacht.

Der heute 21-Jährige war im Jahr 2004 in Bayern als geistig behindert eingestuft und auf eine Sonderschule geschickt worden. Bei der Einschulung sprach er kaum Deutsch, seine Eltern sind Roma. Nach seinem Umzug nach Köln bat er immer wieder vergeblich um einen Schulwechsel - allerdings ohne Erfolg. Bis zu seinem 18. Lebensjahr musste er weiterhin eine Förderschule besuchen.

Dem Landgericht zufolge hätte der Schule in Köln bei einer jährlichen Überprüfung tatsächlich auffallen müssen, dass bei dem Schüler kein Förderbedarf mehr im Bereich der geistigen Entwicklung bestand. In diesem Fall hätte er schon früher einen Abschluss machen können. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der junge Mann holte später als einer der Klassenbesten den Hauptschulabschluss auf einem Berufskolleg nach. Nach Angaben des Elternvereins "mittendrin", der sich für Inklusion einsetzt und den 21-Jährigen unterstützte, jobbt er heute in einem Supermarkt und strebt eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann an.

Quelle: n-tv.de