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Springer muss weniger zahlen Kachelmanns Entschädigung schrumpft

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Die Zeitung hatte in ihrer Berichterstattung über den Kachelmann-Prozess die Grenzen des Erlaubten überschritten.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die "Bild"-Zeitung muss Jörg Kachelmann doch keine Rekord-Entschädigung zahlen. Statt den in erster Instanz festgesetzten Betrag von 635.000 Euro, soll Kachelmann nun 395.000 Euro erhalten. Eine zielgerichtete Kampagne kann das Gericht nicht erkennen.

Der Springer-Konzern muss dem Wettermoderator Jörg Kachelmann 395.000 Euro für die Berichterstattung über den Prozess gegen ihn bezahlen - weniger als in erster Instanz festgelegt. Das entschied das Oberlandesgericht Köln. Davon entfallen nach Gerichtsangaben 215.000 Euro auf Springer und 180.000 auf die "Bild"-Zeitung.

Dabei seien Kachelmann 235.000 Euro wegen insgesamt 13 Bildveröffentlichungen - etwa im Innenhof der Kanzlei seiner Verteidigerin, auf dem Weg in den Urlaub und am Ort seiner Hochzeit sowie als Untersuchungshäftling im Hof der Justizvollzugsanstalt - zugesprochen worden. Weitere 70.0000 Euro habe er wegen Verletzungen seiner Geheimsphäre in sechs Fällen erhalten und schließlich 40.000 Euro wegen der Verletzung seiner Intimsphäre in drei Fällen. Schließlich erhält Kachelmann den Angaben zufolge 50.000 Euro wegen unzulässiger Vorverurteilung in vier Fällen.

Zu der Strafe kommen zudem Zinsen und weitere Nebenkosten. Dabei berechnen sich die Zinsen anhand eines festen Satzes über den Geldmarktzins. Nach Angaben von Kachelmanns Anwalt, Ralf Höcker, kommen so letztlich 513.000 Euro zusammen.

In erster Instanz hatte das Landgericht Köln ihm 635.000 Euro zugesprochen. Auch zu dieser Summe wären noch Zinsen und Nebenkosten gekommen. Kachelmann war 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden. In der Berichterstattung über seinen Prozess hatte die "Bild"-Zeitung nach Ansicht der Richter in ihrer gedruckten Ausgabe und online mehrfach die Grenzen des Erlaubten überschritten und Kachelmanns Persönlichkeitsrecht schwer verletzt. Eine zielgerichtete Kampagne von Springer zusammen mit anderen Medien konnten allerdings weder das Landgericht noch das Oberlandesgericht erkennen.

Die bisher höchste Entschädigung in einem ähnlichen Verfahren lag bei 400.000 Euro für die schwedische Prinzessin Madeleine, ein Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg von 2009.

Quelle: ntv.de, jki/dpa