Panorama

Meer frisst Häuser und Gleise Kalifornier erleben Klimawandel hautnah

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Die Schienen bei San Clemente führen direkt an der Küste entlang, der Bahndamm muss inzwischen mit Tonnen von Steinen vor dem Wasser geschützt werden.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Einen Parkplatz hat es schon weggerissen, mehrere Gebäude sind unbewohnbar und die Bahnschienen teilweise unterspült: Im kalifornischen San Clemente sind die Auswirkungen des Klimawandel angekommen, die Küste erodiert. "Ich könnte heulen", so ein Anwohner.

Entlang einer der schönsten Eisenbahnstrecken der Welt, an der kalifornischen Küste, können die Anwohner zuschauen, wie der Pazifik Strände, Häuser und selbst Bahngleise verschlingt. Es ist der sichtbare Beweis der Erosion, die durch den Klimawandel verursacht wird.

Vor nicht allzu langer Zeit war die bei Touristen beliebte Zugstrecke entlang der südkalifornischen Küste noch durch breite Strände vom Meer getrennt. Aber heftige Dünungen haben den Sand weggespült. Jetzt schwappen hohe Wellen über die Schienen, auf denen "Pacific Surfliner" jährlich über acht Millionen Reisende befördert.

Ohne Strand war die Bahnlinie zwischen San Diego und San Luis Obispo auch vor Tropensturm "Kay" nicht mehr geschützt, als dieser im September über die Küste hinwegfegte. Teile der Schienen wurden unterspült, die Strecke musste wegen dringender Reparaturarbeiten gesperrt werden.

Steve Lang könnte "heulen", sagt er. Der 68-jährige Einwohner von San Clemente überquert die Schienen regelmäßig auf dem Weg zum Surfen: "Jeden Tag komme ich hierher und sehe mir das Elend an", sagt er.

In San Clementes Luxus-Siedlung Cyprus Shore, in der Ex-Präsident Richard Nixon lange wohnte, ist auch den anderen Bewohnern unbehaglich. Ohne den Strand als Puffer wird der Hang, auf dem Cyprus Shore gebaut wurde, vom Meer langsam weggefressen, die Häuser rutschen ab. Der Parkplatz an der Klippe ist schon weggebrochen, zwei Villen mit rissigen Wänden sind unbewohnbar geworden. "Jedes Haus war mindestens zehn Millionen Dollar wert", sagt Lang.

Mehr als 2000 Kilometer betroffen

Dass das Wasser langsam vordringt, sei nicht nur ein Problem von San Clemente, sagt Vize-Bürgermeister Chris Duncan. "Die kalifornische Küste ist insgesamt von Klimawandel und Erosion bedroht." Das sind 2000 Kilometer. Erosion ist ein Naturphänomen, aber nach Ansicht von Wissenschaftlern wird sie durch die Erderwärmung beschleunigt, da sie zu heftigeren Stürmen sowie zum Anstieg des Meeresspiegels infolge schmelzender Eiskappen und Gletscher führt.

Bis 2050 könnten in Kalifornien Straßen und Schienen im Wert von acht bis zehn Milliarden Dollar unter Wasser stehen. Weitere Infrastruktur und Bauten im Wert von sechs bis zehn Milliarden Dollar dürften dann in einer Hochwasser-Gefahrenzone liegen, heißt es in einer Studie des kalifornischen Parlaments aus dem Jahr 2019.

In San Clemente versuchen die örtlichen Verkehrsbetriebe derzeit, das Gleisbett zu stabilisieren. Jeden Tag werden Tonnen von Steinen abgeladen, um den Bahndamm zu verstärken - ein Zwölf-Millionen-Dollar-Projekt, das voraussichtlich mehr als sechs Wochen dauern wird.

"Nicht einfach aufgeben"

Laut Vize-Bürgermeister Duncan "ein verlorener Kampf": Bereits im September 2021 wurde vergeblich versucht, die Gleise mit 18.000 Tonnen Gestein zu sichern, erzählt er. "Der Hang wird zwar vorübergehend stabilisiert, doch gehen weitere Unmengen an Sand verloren", wenn die Wellen von den harten Felsbrocken zurückprallen und den Sand mitnehmen. Er will stattdessen die Strände mithilfe von Bundesgeldern wieder auffüllen.

Manche plädieren für eine radikalere Lösung, um die Bahnstrecke zu retten. "Am besten wäre es, sie von der Küste weg zu verlegen", sagt der Geologe Joseph Street. "Aber das ist natürlich ein großer Aufwand, sehr teuer." Und die Häuser hinter den Gleisen blieben weiter ungeschützt.

"Viele unserer Stadtplaner und Entscheidungsträger haben das Problem zu lange vor sich hergeschoben", kritisiert Stefanie Sekich-Quinn von der Umweltschutzgruppe Surfrider Foundation. Auch sie plädiert dafür, die Bahnlinie zu verlegen. In Kalifornien gibt es aber nur eine Handvoll solcher Initiativen. Zum Beispiel im hundert Kilometer weiter südlich gelegenen San Diego: Dort wurde im Juli ein 300 Millionen Dollar teures Projekt zur Verlegung der Bahnstrecke weiter landeinwärts vorgestellt.

In San Clemente wäre das nur der allerletzte Ausweg, meint Duncan. "Die Leute wollen, dass sich gewählte Vertreter wie ich für die Rettung unserer Häuser und unserer Schienen einsetzen - und nicht einfach aufgeben."

Quelle: ntv.de, Romain Fonsegrives, AFP

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