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"Da brennt ein Traktor" Kameras schützen Wälder vor Bränden

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Auf Videoaufnahmen beobachten die Mitarbeiter der Waldbrandzentrale die Wälder.

(Foto: picture alliance/dpa)

Viele Kameras haben rund um die Uhr die Wälder Brandenburgs im Blick, um Feuer möglichst früh lokalisieren zu können. Dafür muss die Waldbrandzentrale stetig besetzt sein. Doch das ist angenehmer, als selbst auf Feuer-Wachtürmen zu sitzen, erinnern sich die Mitarbeiter.

Auf dem Computerbildschirm von Jörg Heidemann taucht um 10.35 Uhr ein Alarm auf: Gleichzeitig sieht der 60-Jährige auf dem Bild einer seiner vier Kameras dunklen Rauch aufsteigen. "Da brennt richtig was", sagt der Waldarbeiter. Er bestimmt auf seinem zweiten Bildschirm die genauen Koordinaten der Rauchsäule in einem Gebiet nordöstlich von Eberswalde. "Ein Waldbrand ist das wohl nicht", meint der Experte dann. "Dafür ist die Rauchsäule zu schmal, außerdem sind dort eher Ackerflächen." Ein kurzer Anruf bei der Feuerwehr-Regionalleitstelle Nordost. "Die haben das auch schon, da brennt ein Traktor - Feuerwehr ist schon unterwegs."

Eine von gut 500 Meldungen, die Heidemann und seine drei Kolleginnen und Kollegen im Durchschnitt täglich bei ihrer Schicht in der Waldbrandzentrale in der Oberförsterei Eberswalde bearbeiten: Die Meldungen entpuppen sich oft als Staubfahnen, Verdunstungen, Luftverwirbelungen, etwa von Windrädern, oder eben - als Waldbrand. Dann werden die Koordinaten per E-Mail und Telefon an die Regionalleitstelle gemeldet.

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Die Wälder Brandenburgs bestehen mehrheitlich aus Kiefern.

(Foto: picture alliance/dpa)

"In 35 Prozent der Fälle ist die Feuerwehr in zehn bis zwölf Minuten am Brandort", erläutert Oberforsträtin Constanze Simon. Bei schwieriger erreichbaren Stellen kann es etwas länger dauern. "Doch in den weitaus meisten Fällen kann das Frühwarnsystem Schlimmeres verhindern", sagt Simon. Früher hätten Waldarbeiter bei Waldbrandgefahr auf den damals mehr als 130 Feuer-Wachtürmen Dienst schieben müssen. "Da oben in 30 bis 35 Meter Höhe wurde es im Sommer unerträglich heiß", erinnert sich Anne Wartenberg, die nun auch im klimatisierten Raum der Oberförsterei Eberswalde Feuerwache hält.

Brandenburg besonders gefährdet

Zwischen 2001 und 2009 seien die Türme, die in etwa 15 Kilometer Abstand stehen, nach und nach mit Kameras ausgestattet worden, die die Silhouette der Baumwipfel rundum sorgfältig abscannen, erläutert Simon. "Das sind Kameras aus der Raumfahrtindustrie, die 18.000 Grautöne abgleichen können und damit wesentlich sensibler sind als das menschliche Auge." Diese melden alle verdächtigen Veränderungen über den Baumwipfeln. Das sogenannte Fire-Watch-System umfasst in ganz Brandenburg 108 Kameras.

Brandenburg ist das Bundesland mit der höchsten Waldbrandgefährdung - vergleichbar mit Regionen wie Spanien oder Portugal, sagt Simon. "Denn 70 Prozent des Baumbestandes sind Kiefern, die bei Bränden besonders anfällig sind", erläutert die Oberforsträtin. Dies habe vor allem klimatische Gründe. Wegen des sandigen Bodens und des geringen Niederschlags sei die Kiefer der Brotbaum, also die am besten wachsende Baumart in Brandenburg, erläutert Simon. "So wie die Tanne in Baden-Württemberg oder die Buche in Hessen."

Zudem gebe es historische Gründe. "Der größte Teil unseres Baumbestandes ist jetzt zwischen 60 und 80 Jahre alt und stammt also aus der Nachkriegszeit", sagt Simon. "Glauben Sie, dass sich die Trümmerfrauen damals darangemacht haben, Laubbäume anzupflanzen?" Anschließend sei zu DDR-Zeiten auch im Forst Planwirtschaft betrieben worden. Der Waldumbau hin zu mehr Mischwäldern - die dem Feuer weniger Nahrung bieten - habe nach der Wende begonnen, so Simon. "Aber dazu braucht man einen langen Atem, so etwas dauert 150 Jahre."

Quelle: n-tv.de, Klaus Peters, dpa

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