Panorama

Folgen der Klopapier-Krise Kanalisationen drohen Fettberge

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Der berühmteste aller Kanalisations-Fettberge befand sich in oder besser gesagt unter London. Er wurde 2017 entdeckt.

(Foto: picture alliance / Thames Water/)

Manche müssen es bergeweise daheim lagern, andere sehen mit Schrecken das Ende der letzten Rolle nahen - der Engpass beim Toilettenpapier könnte dazu führen, dass Küchenrollen, Feuchttücher oder Ähnliches verwendet werden. Doch das birgt große Gefahren und könnte zu Fettbergen in der Kanalisation führen.

Ob in Deutschland oder Australien, fehlendes Klopapier verschärft in der Corona-Krise ein altes Problem: Die Rohre verstopfen, wenn man auf der Toilette das falsche Material nutzt. "Was eigentlich immer gilt, gilt aktuell umso mehr: Das Klo ist kein Mülleimer", erklärte der Verband kommunaler Unternehmen (VKU), der rund 1500 Stadtwerke vertritt. Bis auf kleinere Ausnahmen sei es gerade kein flächendeckendes Problem, aber gerade in der aktuellen Situation sei besonders wichtig: "Bitte werfen Sie Taschentücher, Küchenpapier und Feuchttücher nach Gebrauch nicht in die Toilette, sondern in den Restmüll."

Die niedersächsische Gemeinde Flecken Ottersberg veröffentlichte als Mahnung, keine Feuchttücher im WC zu entsorgen, "unappetitliche Fotos" aus dem Klärwerk. Auch Kläranlagen in Hessen meldeten laut "Gießener Allgemeine" ähnliche Probleme. Mit dem Thema ist Deutschland nicht allein. Auch in Australien wird Klopapier gehamstert und zu Alternativen gegriffen. Die Wasserbehörde von Sydney verzeichnete für den Monat März 22 Prozent mehr an Verstopfungen. Kundenmanager Darren Cash sagte, die Wasserbehörde sei besorgt: Feuchttücher, Tücher fürs Gesicht und Papiertücher zusammen mit Öl und Fett bilden demnach in der Kanalisation "Fettberge". Das könne zu Überschwemmungen führen. Und es kann teuer werden. Ein Bewohner von Sydney musste umgerechnet 8900 Euro für Klempnerarbeiten ausgeben, weil die Rohre durch Feuchttücher verstopft waren.

Immer auf die "drei P" achten

Die Wasserbehörde empfiehlt, nur die "drei P" herunterzuspülen - "pee, poo and (toilet) paper". Auf Deutsch: "Pipi, Kacke und (Toiletten-)Papier". Wie gewaltig Verstopfungen werden können, war schon vor der Corona-Krise in England zu sehen. Im Herbst 2017 wurde in London ein monströser Fettberg in der Kanalisation entdeckt. Er war 250 Meter lang, 130 Tonnen schwer und bestand hauptsächlich aus Windeln, Wischlappen, Kondomen und hartem Kochfett. Das Abtragen des Kolosses dauerte Wochen. Selbst erfahrene Kanalarbeiter seien schockiert gewesen, hieß es damals.

Manche kommen in der Corona-Krise anscheinend auf schräge Notlösungen: Laut der kalifornischen Stadt Redding landeten auch zerrissene T-Shirts in den Toiletten. In der Corona-Pandemie sind die Regale mit Klopapier oft leer gekauft, bevor sie wieder aufgefüllt werden. In den Niederlanden versicherte Ministerpräsident Mark Rutte vor Kurzem mit deutlichen Worten, es gebe ausreichend: "Wir haben so viel, wir können zehn Jahre kacken." Rutte war während eines Rundgangs im Supermarkt von einer Kundin gefragt worden, ob er selbst noch genug Klopapier habe.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa