Panorama

Nach Hantavirus-FällenKanaren wehren sich gegen Anlaufen des Kreuzfahrtschiffs

06.05.2026, 15:04 Uhr
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Das kleine Kreuzfahrtschiff ankert derzeit im Atlantik vor Kap Verde mit knapp 150 Menschen an Bord. (Foto: AP)

Die spanische Zentralregierung vereinbart mit WHO und EU, dass ein Kreuzfahrtschiff, auf dem es tödliche Infektionen mit dem Hantavirus gab, die Kanaren anlaufen soll. Dort ist man alles andere als begeistert. Der Präsident der Inselgruppe fordert mehr Informationen.

Der geplante Anlauf eines von Hantavirus-Fällen betroffenen Kreuzfahrtschiffs auf den Kanarischen Inseln sorgt in Spanien für Aufregung und politischen Streit. Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo, wehrt sich gegen das Vorhaben der spanischen Zentralregierung und der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Er beklagt "fehlende Transparenz" und fordert ein "dringendes Treffen" mit Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez.

"Wir haben (von der Zentralregierung) bislang keinerlei Informationen erhalten, und auch keinen offiziellen Antrag für das Anlaufen auf den Kanaren", sagte Clavijo im Interview des staatlichen TV-Senders RTVE. Er habe Sánchez und Gesundheitsministerin Mónica García per Whatsapp um Gespräche gebeten. Bisher stütze sich seine Regierung ausschließlich auf Medienberichte.

Das spanische Gesundheitsministerium hatte am Dienstagabend mitgeteilt, die Entscheidung, dass das Schiff die Kanaren anlaufen soll, sei in Abstimmung mit der WHO und der EU gemäß internationalem Recht und humanitären Prinzipien getroffen worden. Das betroffene kleine Kreuzfahrtschiff mit insgesamt knapp 150 Menschen an Bord war vom Süden Argentiniens aufgebrochen und ankert derzeit im Atlantik vor Kap Verde vor der Westküste Afrikas.

"Die Gefahr ist real"

Bislang sind drei Passagiere der unter niederländischer Flagge fahrenden "Hondius" gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar und eine Person aus Deutschland, bei der es sich nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide Expeditions um eine Frau handelt. An Bord befanden sich demnach zuletzt insgesamt 149 Menschen: 88 Passagiere und 61 Crewmitglieder. Die größte Nationalitätsgruppe stellen Briten (19) und US-Amerikaner (17), gefolgt von Spaniern (14).

Clavijo forderte Klarheit über die Entscheidungsgrundlage. "Wenn das Risiko wie behauptet gering ist, verstehen wir nicht, warum die Passagiere drei Tage bis zu einem kanarischen Hafen weiterfahren müssen, wenn sie auch von einem Flughafen in Praia (Kap Verde) aus evakuiert werden könnten", sagte er. Es spreche nichts dagegen, die Reisenden direkt in die Niederlande auszufliegen - dort habe die Reederei ja ihren Sitz.

Auf die Frage, ob er sich einem Anlaufen auf den Kanaren widersetzen würde, ging der Regionalpräsident nicht direkt ein. "Wir brauchen mehr Informationen." Angesichts der fehlenden Transparenz "können weder die Bevölkerung auf den Kanaren noch die Regionalregierung beruhigt sein, denn die Gefahr ist real". Von Medien befragte spanische Experten entgegneten, das Risiko für die Bevölkerung des Archipels im Atlantik sei gering. "Sogar Null, oder kleiner als Null, würde ich sagen", betonte der Epidemiologe Amos García in RTVE.

WHO: Zwei Erkrankte ausgeflogen

Nach spanischen Medienberichten soll das Schiff die bei Touristen sehr beliebte Insel Teneriffa anlaufen, wo es mit dem Hospital Candelaria eine auf Epidemien spezialisierte Klinik gibt. Nach Angaben der WHO wurden zwei erkrankte Besatzungsmitglieder und eine Kontaktperson von Bord geholt. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, die drei Betroffenen seien auf dem Weg in die Niederlande. Bei Labortests in Südafrika und der Schweiz wurde unterdessen eine Übertragung von Mensch zu Mensch bestätigt.

Die Kontaktperson soll in Düsseldorf untersucht werden. "Die Feuerwehr Düsseldorf und das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) übernehmen heute gemeinsam den Transport und die vorsorgliche medizinische Abklärung", berichtete das Klinikum. Man gehe davon aus, dass die betreffende Person nicht infiziert sei. "Es handelt sich um eine Kontaktperson ohne bestätigten Nachweis einer Hantavirus-Infektion. Die Aufnahme erfolgt rein vorsorglich zur medizinischen Abklärung", betonte das Klinikum.

Quelle: ntv.de, mli/dpa/AFP

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