Panorama

Streit um Corona-Schreiben Kardinal Müller legt gegen seine Kritiker nach

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Kardinal Müller will seine Unterschrift unter den offenen Brief von Viganò auch weiterhin nicht zurückziehen.

(Foto: dpa)

Kardinal Müller steht in der Kritik, seitdem er eine aus Kirchenkreisen verfasste Schrift mit Verschwörungstheorien zur Corona-Pandemie unterschrieben hat. Nun wehrt er sich erneut gegen Vorwürfe und bemängelt Ungleichheiten während des Lockdowns.

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller steht weiter zu einem umstrittenen Schreiben, in dem staatliche Auflagen im Kampf gegen das Coronavirus verurteilt werden. In einem Interview mit der "Zeit" sagte er: "Ich verstehe nicht, warum man bei Vorwürfen immer gleich bis zum Äußersten gehen muss." So sagt er zur Beschuldigung, ein Verschwörungstheoretiker zu sein: "Man gesteht einander einfach keinen guten Willen zu." Müller ist wegen seiner Unterschrift unter einem von Erzbischof Carlo Maria Viganò initiierten Schreiben als Anhänger von Verschwörungstheorien kritisiert worden. So wird darin von der Schaffung einer "Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht" gewarnt.

Im offenen Brief von Viganò heißt es mitunter, die Corona-Pandemie sei nur ein Vorwand, um Bürgerrechte zu verletzen, darunter das Recht auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit. Die Schrift wurde von 20.000 Katholiken unterzeichnet, darunter Müller, dem langjährigen Bischof von Regensburg, der mittlerweile nahe dem Petersdom lebt.

Im "Zeit"-Interview bemängelt Müller die Regelungen während des Lockdowns. Nicht jegliches Verbot sei mit dem Kampf gegen Corona zu rechtfertigen: "Es steht mir doch zu, Kirchenschließungen zu kritisieren, wenn Supermärkte geöffnet sind." Müller weiter: "Natürlich darf ich meine Grundrechte angesichts einer Pandemie nicht egoistisch wahrnehmen. Aber ich muss die Einschränkungen in der Ausübung der Grundrechte auch nicht stumm hinnehmen."

Er selbst habe in Rom alle Maßnahmen während der Corona-Krise befolgt, jedoch müsse man irgendwann anfangen abzuwägen. "Was bitte soll an einer Trauung in einer großen Kirche gefährlich sein?" Seine Unterschrift will Müller weiterhin nicht zurückziehen, trotz aller Kritik, denn das sei die feige Variante damit umzugehen. Allerdings räumt er im Gespräch ein, keine Zeile im Brief selbst verfasst zu haben. "Normalerweise unterschreibe ich solche Aufrufe nicht."

Quelle: ntv.de, ysc/dpa