Panorama

Fall Madeleine McCann Kein dringender Verdacht gegen Christian B.

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Für einen Haftbefehl reicht es nicht, doch das BKA geht davon aus, dass B. die damals dreijährige Madeleine McCann ermordet hat.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Das BKA geht davon aus, dass der Sexualstraftäter B. die kleine Madeleine McCann entführt und ermordet hat - doch ausreichend Beweise haben die Ermittler dafür noch immer nicht zusammengetragen, wie nun ein Staatsanwalt sagt. Immerhin entkräftet er eine andere Befürchtung.

Trotz des neuerlichen Zeugenaufrufs bei "Aktenzeichen XY … ungelöst" hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig im Fall Madeleine McCann nicht genug belastendes Material für einen Haftbefehl gegen den Deutschen Christian B. Das meldet der "Spiegel" unter Berufung auf den zuständigen Staatsanwalt Christian Wolters. Dieser wird mit den Worten zitiert, es gebe "derzeit keinen dringenden Tatverdacht". Die Ermittler hatten den heute 43-jährigen B. Anfang Juni als Tatverdächtigen präsentiert. Der mehrfach vorbestrafte Sexualstraftäter schweigt zu den Vorwürfen.

Das Bundeskriminalamt geht davon aus, dass der Mann das britische Mädchen Madeleine McCann in Portugal entführt und ermordet hat. Eine Leiche wurde bislang aber nicht gefunden. Britische Behörden hatten daher mitgeteilt, dass sie es für möglich halten, dass das im Jahr 2007 verschwundene Mädchen noch am Leben ist. Der Fall hatte weltweit für Aufsehen gesorgt, auch weil die Eltern des damals dreijährigen Kindes jahrelang nichts unversucht ließen, ihre Tochter doch noch zu finden.

B. wird verdächtigt, weil er sich zum Zeitpunkt des Verschwindens in der Nähe des Ortes aufhielt, an dem Madeleine zuletzt gesehen wurde. Hinzu kommen seine Vorstrafen wegen Sexualverbrechen, darunter Kindesmissbrauch. Derzeit sitzt er wegen eines Drogendelikts ein. Eine Verurteilung wegen Vergewaltigung einer 72-jährigen US-Amerikanerin ist noch nicht rechtskräftig, weil er Berufung eingelegt hat. Genau deswegen war von manchen Beobachtern befürchtet worden, dass B. womöglich demnächst auf Bewährung freikommen und untertauchen könnte.

Staatsanwalt Wolter sagte dem "Spiegel" aber nun, dass es in diesem Zusammenhang keinen Zeitdruck gebe. "Wir gehen davon aus, dass Christian B. wegen anderer Delikte mindestens bis 2021 in Haft bleibt", wird er zitiert. Am Mittwochabend hatte das BKA noch in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY … ungelöst" die Bevölkerung um Mithilfe gebeten. Es war bereits das zweite Mal binnen weniger Wochen. Demzufolge waren nach dem ersten Aufruf 800 Hinweise eingegangen.

Das BKA rief nun die Zuschauer auf, bei der Identifizierung der portugiesischen Telefonnummer + 351 916 510 683 zu helfen. Wer irgendetwas über diese Nummer wisse, insbesondere über den tatsächlichen Benutzer, könne sich direkt ans BKA in Wiesbaden wenden. (Tel.: 0611 5518 444). Kurz vor dem Verschwinden der kleinen Madeleine hatte B. mit dieser Nummer telefoniert.

Quelle: ntv.de, vpe