Panorama

Flucht vor russischen Angriffen Kiews Bürger suchen Schutz unter der Erde

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Der sechsjährige Svyatoslav spielt mit seinem Tablet in einem öffentlichen Keller in Kiew, der als Luftschutzraum genutzt wird.

(Foto: dpa)

Tausende Menschen haben in Kiew ihre Wohnungen verlassen, suchen unterirdisch Schutz, vor allem in den Kellern der Häuser. Aber auch in den U-Bahn-Stationen, denn vier von ihnen sind als Luftschutzbunker ausgewiesen. Kinder, Alte, Hunde drängen sich auf der Suche nach Sicherheit in den unterirdischen Schutzräumen, auch über Nacht. Es sind dramatische Bilder.

Normalerweise sind hier Arbeiter, Schulkinder, Urlauber unterwegs, das U-Bahn-System von Kiew ist wie in allen anderen Städten eine Möglichkeit, um von A nach B zu kommen. Jetzt aber ist in der Hauptstadt der Ukraine und auch etwa in Charkiw alles anders. Die Tunnel sind noch voller als zuvor. Die Menschen sind gekommen, um zu bleiben, nicht, um zu fahren.

Sie sitzen auf den wenigen Sitzplätzen in den Bahnhöfen, zumeist aber auf dem Boden, teilweise eng aneinander geklammert, schutz- und trostsuchend, mit dem Nötigsten, was sie mitbringen konnten.

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(Foto: AP)

Sie tragen dicke Kleidung, Winterjacken, Mützen, Schals und Stiefel, haben Decken, Isomatten und Campingliegen dabei, kleine Koffer und Rucksäcke.

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(Foto: imago images/UPI Photo)

Kinder harren ebenso aus wie alte Leute. Auf Fotos, die bei Twitter verbreitet werden, sind Hunde zu sehen, die neben ihren Besitzern kauern, Katzenkörbe stehen inmitten der Menschen.

Auch Journalist Denis Trubetskoy, der für ntv.de schreibt, hatte sich "für den Fall der Fälle" in einen U-Bahnhof begeben.

Die U-Bahn-Stationen werden zum Schutzraum für Tausende Menschen, die nicht wissen, wo sie noch sicher sind, die die Städte nicht verlassen konnten oder wollten. Es herrscht Krieg, das russische Militär rückt immer weiter nach Kiew vor. Es wird am heutigen Freitag von lauten Explosionen im Zentrum berichtet. Bürgermeister Vitali Klitschko hatte am Donnerstag Luftalarm ausgelöst, die Einwohner aufgerufen, sich in Sicherheit zu bringen. Als Luftschutzbunker sind nun auch vier Kiewer U-Bahn-Stationen ausgewiesen. Es herrscht eine nächtliche Ausgangssperre.

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(Foto: REUTERS)

Berichten zufolge gibt es in Charkiw besonders viele Hochhäuser ohne Keller, auch deshalb flüchteten sich viele Menschen in die U-Bahn-Stationen. Eine Granate, die am Donnerstag in ein Wohnhaus in der 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt einschlug, verdeutlicht die Dringlichkeit des unterirdischen Schutzes. Auch in Kiew gibt es bereits zerstörte Wohnhäuser, unter anderem, weil die ukrainische Luftabwehr einen russischen Jet über der Hauptstadt abschoss. Trümmerteile aber sorgten für die Schäden am Haus, die Feuerwehr versuchte zu löschen. Klitschko berichtet von drei Verletzten.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Menschen während eines Krieges in Bahnhöfe flüchten. Schon in früheren Kriegen suchten Bewohner Schutz in den Bahnstationen.

Wie lang sie ausharren werden, wissen die Menschen nicht. "Wir sitzen hier und warten", sagte die 29-jährige Maria Kaschkoska der AFP. "Vorbereitet auf alle Eventualitäten." Nicht nur in der U-Bahn, auch in anderen Orten unter der Erde suchen die Menschen in Kiew und Charkiw Schutz. "Es kamen immer mehr Menschen, je länger die Nacht dauerte", schrieb die 34-jährige Jewgenija Andrejewna der Deutschen Presse-Agentur.

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(Foto: dpa)

Die Frau aus Charkiw fügte hinzu: "Alle kamen mit ihren Haustieren." Organisieren konnten die Leute vor ihrer Flucht nur das Nötigste. Wasser, etwas Essen, die Stromversorgung sollte aufrechterhalten werden.

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(Foto: dpa)

Quelle: ntv.de, ara

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