Panorama

Eine Stunde Freiheit pro Tag Kinder in Spanien dürfen wieder raus

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Vielen Eltern wichtig beim ersten Corona-Ausflug seit Wochen: eine Mini-Maske für den Nachwuchs.

(Foto: REUTERS)

Die strengen Ausgangssperren zur Eindämmung des Coronavirus treffen Spanien besonders hart. Doch nun ist es soweit: Nach 42 Tagen dürfen Kinder erstmals wieder die eigenen vier Wände verlassen und draußen spielen.

Nach 42 Tagen Corona-Ausgangssperre bot sich am Sonntag auf den Straßen Spaniens ein fast schon ungewohntes Bild: Erstmals waren wieder Kinder zu sehen. Wer unter 14 Jahre alt ist, darf ab sofort eine Stunde pro Tag mit einem Elternteil vor die Tür - und Roller, Rollschuhe oder Skateboard dürfen die Kleinen gleich mitnehmen. Viele nutzten bereits den ersten Tag der Lockerung der Beschränkungen für eine kleine Runde. Weiter als einen Kilometer dürfen sich Eltern und Kinder aber noch nicht von ihren Wohnungen entfernen.

Dennoch: Viele Augen leuchteten über Mini-Masken, die zahlreiche Familien dem Nachwuchs verordnet hatten. "Wir erleben diesen Tag mit einer Mischung aus Emotion und Angst", sagte Carmen, Mutter von zwei kleinen Töchtern. "Wir wohnen im Zentrum von Madrid und der Radius von einem Kilometer würde es uns erlauben, in den Retiro-Park zu gehen - aber der ist weiter geschlossen." Sie befürchtet, dass die Bürgersteige durch die Lockerung bald wieder voller Menschen sein könnten. Ihre Töchter Sara und Julia freuten sich dennoch unbändig darauf, mit ihrem Roller auf die Straße zu dürfen. "Julia hat vor dem Fernseher laut angefangen zu klatschen, als verkündet wurde, dass Kinder wieder das Haus verlassen dürfen", erinnert sich Carmen.

Auch die neunjährige Lucia, die mit ihrer Mutter unterwegs war, freute sich über die frische Luft auf ihrem Gesicht. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mal die Schule vermisse", kommentierte sie ihren ersten Ausflug seit Wochen.

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Wer unter 14 Jahre alt ist, darf ab sofort eine Stunde pro Tag mit einem Elternteil vor die Tür.

(Foto: picture alliance/dpa)

Seit Mitte März gelten in Spanien extrem strenge Regeln. So durften Hunde mit Herrchen auf die Straße, Kinder aber nicht. Spaziergänge sind weiter ebenso verboten wie Joggen. Regierungschef Pedro Sánchez hatte aber in Aussicht gestellt, dass beides ab dem 2. Mai erlaubt werden könnte, "wenn die Entwicklung der Pandemie weiter günstig verläuft". Auch am Sonntag verkündeten die Behörden Zahlen, die Hoffnung machen: So wurde die niedrigste Zahl von Toten seit dem 20. März registriert. Binnen 24 Stunden starben 288 Menschen in Verbindung mit dem Virus, die Gesamtzahl stieg auf mehr als 23.000.

Quelle: ntv.de, can/dpa/rts