Panorama

Mädchen schildert Nacht im Wald Klinik entlässt Julia mit Kratzer am Bein

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Die achtjährige Julia harrte mehr als 40 Stunden in dem Wald aus.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im tschechischen Grenzgebiet suchen fast 1400 Menschen zwei Tage lang nach der vermissten Julia. Als sie am Dienstagnachmittag gefunden wird, ist die Erleichterung groß. Nun wird die Achtjährige aus dem Krankenhaus entlassen - und schildert die vergangenen Tage.

Die nach zweitägigem Verschwinden im deutsch-tschechischen Grenzgebiet gefundene achtjährige Julia ist gesund aus dem Krankenhaus entlassen worden. Sie konnte die Klinik knapp einen Tag nach ihrer Entdeckung im Wald in Begleitung ihrer Familienangehörigen wieder verlassen, wie das Polizeipräsidium Oberpfalz in Regensburg mitteilte. Sie war demnach bis auf einen leichten Kratzer am Bein unverletzt, musste aber langsam wieder aufgewärmt werden.

Über Nacht sei die Achtjährige in einem sogenannten Wärmebett gewesen, weil sie nach den zwei kalten Nächten im Wald unterkühlt gewesen sei. Den Angaben zufolge war Julia nach ersten Befragungen immer wieder in Bewegung und hat dabei wohl mehrere Kilometer zu Fuß im Wald zurückgelegt. Der genaue Weg kann demnach jedoch nicht mehr nachvollzogen werden. Nachts schlief sie auf einer Wiese in hohem Gras und beobachtete dabei wohl auch Tiere wie Rehe, Füchse und ein Wildschwein.

Sie beschrieb demnach, dass sie sich nachts im Wald fürchtete und deshalb nicht auf sich aufmerksam gemacht hatte. Sie habe nichts gegessen und getrunken. Sie sei auf der Suche nach dem Wanderweg gewesen, auf dem sie mit ihrer Familie einen Berg bestiegen hatte, doch habe sie ihn nicht mehr gefunden.

Das Verschwinden des Mädchens aus dem Großraum Berlin hatte die Menschen in der Gegend um den Berg Cerchovs - auf deutsch Schwarzkopf - seit Sonntag bewegt. Etwa 1400 Einsatzkräfte suchten seit der Vermisstenanzeige der Eltern nach der Schülerin, die Suche wurde auch in den Nächten auf Montag und Dienstag intensiv fortgesetzt.

Förster lobt Julias Ausdauer

Ein Förster entdeckte das stark unterkühlte, aber unverletzte Mädchen schließlich in einem unwegsamen Waldstück. Sie befand sich "völlig erschöpft in einem Gebüsch und machte nicht auf sich aufmerksam", hieß es. Gefunden wurde Julia von dem Förster Martin Semcky, der die Ausdauer des Mädchens würdigte: "Um das zu schaffen, muss sie sehr geschickt gewesen sein."

Semecky und seine Kollegen suchten in Absprache mit der Einsatzleitung ein Waldstück ab, das knapp außerhalb des offiziellen Suchradius lag. "Auf einmal stand die kleine Julia vor uns, sie saß etwa zehn Meter weit weg im hohen Gras", berichtete der Förster. Die Familie lasse ausrichten, dass man "überglücklich sei und sich ausdrücklich bei allen Helferinnen und Helfern bedanke".

Die Eltern waren mit Julia, ihrem Bruder und einem Cousin am Sonntag zum Gipfel des Bergs aufgestiegen. Beim Abstieg waren die Kinder alleine vorgegangen und hatten sich wohl verlaufen. Während die zwei Jungen noch am Sonntagabend wieder gefunden wurden, blieb Julia vermisst.

Quelle: ntv.de, ses/lve/dpa/AFP

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