Panorama

"Realistisches Übungsfeld" Bischof Bätzing fordert "anderen Lebensstil"

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Georg Bätzing ringt um Reformen in seiner Kirche und der Gesellschaft.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschlands Oberster Bischof appelliert an den "reichen Norden und Westen", sich in Konsumverzicht und "gelebter sozialer Verantwortung" zu üben. Der kommende Herbst sei dafür ein realistisches Übungsfeld. Das Feld solle nicht den Spaltern der Gesellschaft überlassen werden.

Deutschland muss nach Ansicht des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, mit weniger Wohlstand auskommen. "Gerade wir hier im reichen Norden und Westen müssen zu einem anderen Lebensstil finden", sagte der Limburger Bischof im Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda.

"Der kommende Herbst und Winter wird da aufgrund der Energiekrise ein realistisches Übungsfeld werden. Werden wir es durch Konsumverzicht und gelebte soziale Verantwortung schaffen, als Gesellschaft zusammenzuhalten, füreinander zu sorgen und nicht denen das Feld zu überlassen, die mutwillig Spaltungen provozieren und es darauf anlegen, unsere Demokratie zu destabilisieren?"

Begrenztheit der Erde zu lange ignoriert

Wer insgeheim denke, man werde schon irgendwie ohne große Einschnitte im eigenen Wohlstand über die Runden kommen, der irre sich. Ein einfaches "Weiter so!" sei höchst gefährlich. "Fortschritt aufgrund lange geübter Optimierungsstrategien kann doch nur denen opportun erscheinen, die sich der krisenhaften Wirklichkeit verweigern", sagte Bätzing. Zu lange schon sei die Begrenztheit der Erde verbissen ignoriert worden. "Wenn wir so weitermachen wie bisher, werden wir keine Zukunft haben", warnte der katholische Kirchenmann.

In seiner Kirche ringt Bätzing derzeit selbst um einen neuen Kurs: "Immer nur Nein stimmen ist sicher nicht der richtige Weg", sagte der Limburger Bischof am Montag mit Blick auf das Scheitern einer wichtigen Reforminitiative zur katholischen Sexualmoral. Bei der vierten Synodalversammlung der deutschen Katholiken Anfang dieses Monats in Frankfurt/Main hatte der grundlegende Text die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit der Bischöfe verfehlt.

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" appellierte am Montag an die Bischöfe, sich Reformen nicht weiter zu verschließen. "Sind sich die deutschen Bischöfe und Weihbischöfe bewusst, dass sie durch ihr Handeln oder Nichthandeln eine wesentliche Verantwortung tragen für das Weiterbestehen des Christentums in unserem Land und in unserer Kultur?", fragte "Wir sind Kirche"-Sprecher Christian Weisner. Allein im vergangenen Jahr hatten in Deutschland 359.338 Katholiken ihrer Kirche den Rücken gekehrt, so viele wie noch nie.

Quelle: ntv.de, ter/dpa

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