Panorama

"Die soll der Blitz treffen" Krebspatient leidet am Klopapiermangel

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2012 wurde bei dem Brandenburger Darmkrebs diagnostiziert - seitdem hat er keinen festen Stuhlgang mehr.

Seit einer Krebs-OP funktioniert der Darm des Brandenburgers Klaus Doboszewicz nicht mehr richtig. Er muss "täglich bis zu zehn Mal und mehr auf Toilette". Jeden Tag braucht der 73-Jährige eine Rolle Klopapier. Nun hat er keins mehr. Im Interview erzählt er von den Folgen für sein Leben.

n-tv.de: Herr Doboszewicz, Sie haben auf die Kolumne "Verhungern - aber nur mit sauberem Arsch" eine Lesermail an n-tv.de geschickt, in der Sie Ihre Lage sehr offen dargestellt haben. Warum?

Klaus Doboszewicz: Ich bin 73 Jahre alt und gehöre nicht nur wegen meines Alters zur Hochrisikogruppe des Coronavirus. Als Folge einer schweren Darmerkrankung brauche ich täglich eine Rolle Klopapier, bekomme aber in allen umliegenden Geschäften überhaupt keins mehr. Sobald welches im Regal steht, ist es gleich wieder ausverkauft. Und ich alter Mann schaue in die Röhre. Ich wollte, dass die Öffentlichkeit davon erfährt.

Wollen Sie näher erläutern, was Ihnen widerfahren ist und die Folgen sind?

Ja, damit habe ich kein Problem. Anfang 2012 wurde bei mir Darmkrebs festgestellt. Seit 2018 gelte ich als geheilt und mir geht es generell gut. Nach einer Chemotherapie und Bestrahlungen wurde ich im Juli 2012 operiert und bekam einen künstlichen Darmausgang, der ein halbes Jahr später wieder zurückverlegt worden ist. Allerdings fehlt meinem Darm nun ein Stück. Deshalb habe ich keinen festen Stuhlgang mehr und mein Schließmuskel funktioniert nicht mehr wie früher. Außerdem vertrage ich viele Lebensmittel schlecht. Das ist der Grund, warum ich täglich mehrmals, manchmal bis zu zehn Mal und mehr, auf Toilette muss und warum ich mindestens eine Rolle Klopapier am Tag verbrauche.

Welchen Aufwand betreiben Sie, um an Toilettenpapier zu bekommen?

Ich kann nicht mehrmals am Tag mehrere Läden abklappern. Der nahgelegenste Discounter ist rund 500 Meter von meiner Wohnung entfernt, der erste Supermarkt kommt nach etwa vier Kilometern. In Super- und Drogeriemärkten erhalte ich nur immer und immer wieder die Auskunft, dass ich zu spät gekommen bin, dass nach wenigen Minuten schon wieder alles ausverkauft war und niemand weiß, wann neues geliefert wird. Da ich keine Garantie habe, dass Toilettenpapier da oder – wenn ja – schon ausgepackt worden ist, bringt es nichts, mich eine halbe Stunde vor Öffnung eines Geschäfts vor die Tür zu stellen.

Kann Ihre Familie nicht helfen?

Für meine Frau gilt ebenfalls, dass sie aus Altersgründen zur Hochrisikogruppe gehört und nicht täglich mehrmals die Geschäfte aufsuchen kann, um ein paar Rollen zu ergattern. Auch meine erwachsenen Kinder konnten mir bisher nicht helfen, da sie berufstätig sind und selbst kaum mehr Toilettenpapier für ihre Familien haben.

Dann im Internet bestellen?

Am 19. März habe ich Klopapier bei einem großen Onlinehändler geordert. Die Lieferzeit wäre normalerweise wenige Tage, jetzt werden keine konkreten Angaben dazu gemacht. Ich warte noch immer. Auf Nachfragen kriege ich keine verbindliche Antwort. Da kommt die Bitte um Verständnis, dass die Antwortzeit fünf bis sieben Tage oder auch länger dauern kann.

Haben Sie denn noch genug im Haus?

Nein. Im Moment ist es fast aufgebraucht, da ich im Handel trotz mehrfacher Versuche keine einzige Rolle mehr bekommen habe. Nicht mal mehr Haushaltspapier und Zellstofftaschentücher gibt es zu kaufen.

Was machen Sie, wenn Sie kein Klopapier mehr haben?

Keine Ahnung. Vielleicht nehme ich wie früher wieder Zeitungspapier. Als Kind war ich das gewohnt, aber da hatte ich auch keine Darmprobleme. Oder meine Kinder geben mir etwas ab. Im Moment benutze ich Papierhandtücher, von denen ich noch einige habe.

Die soll man aber nicht im Klo runterspülen.

Keine Ahnung, ob das für die Klärwerke ein Problem ist. Das ist mir in meiner Situation auch egal.

Was sagen Sie zu den Hamsterkäufern?

Ich finde das Verhalten dieser Leute äußerst unsolidarisch, egoistisch und ignorant gegenüber Mitmenschen, die wie ich auf die Waren angewiesen sind. Trotz vielfacher Ermahnungen aus Politik und Gesellschaft, bitte nicht zu hamstern, hört es nicht auf. Der Egoismus kennt keine Grenzen.

Haben Sie schon einmal Hamsterer im Supermarkt angesprochen.

Die sehe ich meistens nicht. Und wenn doch, werden die auf eine entsprechende Ansprache aggressiv oder kommen mit unglaubwürdigen Ausreden, dass sie eine große Familie hätten und für andere mit einkauften. Ich hoffe, dass diese Idioten der Blitz auf dem Klo trifft und sich dabei das gesamte gehortete Klopapier in Rauch auflöst.

Mit Klaus Doboszewicz sprach Thomas Schmoll

Quelle: ntv.de