Panorama

Homeoffice und Hausarbeit Krise belastet Mütter mehr als Väter

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Im Homeoffice kamen Mütter laut Studie besser zurecht als Väter - denen ging es in Kurzarbeit besser.

(Foto: imago images/photothek)

Kinder und Beruf während der Corona-Pandemie unter einen Hut zu bekommen, ist für viele Eltern eine extreme Herausforderung. Besonders hart trifft es alleinerziehende Frauen. Eine Befragung unter Tausenden Müttern und Vätern zeigt aber auch: Geschlechtsspezifische Unterschiede sind geringer geworden.

Der bisherige Höhepunkt der Corona-Pandemie in Deutschland ist für fast die Hälfte der Eltern eine sehr schwierige Phase gewesen. Frauen hätten noch häufiger als Männer von einer hohen Belastung berichtet, teilt das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) in Wiesbaden mit. Unter den alleinerziehenden Müttern hätten rund 60 Prozent eine hohe Gesamtbelastung angegeben.

Die Auswertung veröffentlichte das Institut unter der Überschrift "Eltern während der Corona-Krise - Zur Improvisation gezwungen". Wöchentlich seien seit Ende März 3600 Personen zu ihrer Lebenssituation befragt worden. Unter den Eltern hätten sich Väter in Kurzarbeit am zufriedensten geäußert, Mütter in derselben Situation seien deutlich unzufriedener gewesen, heißt es darin. Mütter im Homeoffice sei es dagegen besser gegangen als den Vätern.

Der Aufwand für Familien- und Hausarbeit wuchs angesichts geschlossener Kitas und Schulen: Bei Müttern stieg die Investition hierfür im Vergleich zum Jahr 2018 von 6,6 auf 7,9 Stunden pro Tag an, bei Vätern von 3,3 auf 5,6. Väter in Kurzarbeit hätten sogar 8,1 Stunden für die Familie aufgebracht. Dies zeige, dass "die Geschlechterunterschiede bei der Zeitverwendung für Haus- und Familienarbeit geringer geworden sind", erklärt das Institut.

"Historisch sehr, sehr schwierige Situation"

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass mit 52 Prozent mehr Mütter als Väter (34 Prozent) in systemrelevanten Berufen arbeiten. Den Studienmachern zufolge gibt es in Deutschland derzeit rund 14,6 Millionen Eltern mit 11,1 Millionen minderjährigen Kindern im Haushalt. "Insgesamt waren Eltern in einer historisch sehr, sehr schwierigen Situation, denn sie waren doppelt belastet", sagte BIB-Forschungsdirektor Martin Bujard mit Blick auf den Spagat zwischen Kinderhüten, Homeschooling und Beruf während der Schul- und Kitaschließungen. Gerade bei Müttern sei die psychosoziale Belastung hoch.

Als eine Konsequenz aus den Ergebnissen leiten die Studienmacher unter anderem die wachsende Bedeutung von Heimarbeit ab: "Mehr Homeoffice bedeutet größere zeitliche Flexibilität und damit auch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf", sagte BIB-Direktor Norbert F. Schneider. Zudem sollten bei den Maßnahmen während einer möglichen zweiten Corona-Welle die Interessen von Eltern und Familien eine größere Priorität bekommen.

Das BIB analysierte auch, wie viel Zeit Frauen und Männer in die Erwerbsarbeit investierten. Bei den Männern fiel der Aufwand von 9,6 auf 7,4 Stunden pro Tag, bei Frauen von 8,3 auf 7,0 Stunden. Die Rückgänge seien bei Eltern und Kinderlosen zu beobachten gewesen.

Quelle: ntv.de, chf/dpa