Panorama

Corona-Zoff um Schulöffnungen Lauterbach: Ohne Tests explodieren B.1.1.7-Fallzahlen

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Erst bei ​einer Inzidenz von über 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen soll eine Verschärfung der Maßnahmen geprüft werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Rückkehr aller Jahrgänge an die Schulen in Nordrhein-Westfalen sorgt für Streit. Immer mehr Kreise wollen die Öffnungen zurücknehmen, scheitern aber am Veto aus Düsseldorf. Ohne Testung der Schüler könnte das allerdings schwerwiegende Konsequenzen habe, warnt Gesundheitsexperte Lauterbach.

Die Ruhrgebietsstädte Dortmund und Duisburg dürfen die Schulen trotz landesweit steigender Corona-Infektionszahlen nicht schließen. Das Land sagt Nein. Eine Öffnung der Schulen ohne Testung der Schüler wird laut SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach allerdings zu einer Explosion der Fallzahlen mit der britischen Virusvariante B.1.1.7 führen. "Schulen sollten im Wechselunterricht und nach Vorbereitung der Testung erfolgen. Alles andere gefährdet die Familien", twittert Lauterbach.

In Nordrhein-Westfalen selbst werden in der Corona-Pandemie immer mehr Stimmen laut, die vom Land sogar eine erneute Schließung der Schulen fordern. Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal kritisierte das Festhalten an der Rückkehr aller Jahrgänge an die Schulen seit Montag als zu riskant.

Die Ausgabe des Astrazeneca-Impfstoffs zu stoppen und gleichzeitig die Klassenräume wieder für alle Schüler im Wechselmodus tageweise zu öffnen, sei "nicht nachvollziehbar", sagte der SPD-Politiker im WDR. Die ansteckendere B.1.1.7-Variante des Coronavirus habe das Ruder im Infektionsgeschehen übernommen, meinte Westphal. "Wir sehen jetzt: Kinder sind das größte Ansteckungsrisiko."

Auch Duisburg hatte seine Schulen schließen wollen. Das Land stoppte aber beide Kommunen am Dienstag. Schon zuvor hatten mehrere Kreise die Schulöffnungen zurücknehmen wollen, waren aber am Veto aus Düsseldorf gescheitert. Der Gesundheitsminister des Landes, Karl-Josef Laumann, betonte im WDR: Der Grundsatz laute, dass Unterricht in den Klassenräumen in Präsenz stattfinden solle, soweit das vertretbar sei.

Bei einer Inzidenz von über 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen werde eine Verschärfung der Maßnahmen geprüft. Dortmund habe am Dienstag bei einem Wert von 72 gelegen und zudem kein "Gesamtkonzept" vorgelegt. Der Dortmunder OB warf Laumann vor, wenn er mit Inzidenzen argumentiere, "dann argumentiert er rückwärts". Die Zahlen klettern stetig, in Dortmund und auch landesweit.

Duisburgs Krisenstab betonte, die Infektionen an den Schulen hätten in der vergangenen Woche "spürbar zugenommen". Die Dynamik müsse durchbrochen werden. Sogar in Münster - bisher stets mit niedrigen Zahlen - kletterten die Infektionswerte. Derzeit infizieren sich vor allem viele Kinder, sagte Krisenstabsleiter Wolfgang Heuer den "Westfälischen Nachrichten". Die aktuell infizierten Münsteraner seien deutlich jünger als noch vor wenigen Monaten. Der Anteil der Kinder bis neun Jahren am Infektionsgeschehen sei zuletzt hoch aufgefallen. Grund für den Anstieg sei die ansteckendere britische Virusvariante B.1.1.7.

Quelle: ntv.de, jki/dpa

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