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Prozess in Texas Lebenslang für Mörder des "American Sniper"

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Eddie Ray Routh erschoss Chris Kyle und dessen Freund an einem Schießstand. Scharfschütze Kyle hatte mindestens 160 Iraker aus dem Hinterhalt erschossen und war dafür hoch dekoriert worden.

(Foto: AP)

Ein Irakkriegsveteran der US-Armee ist wegen der Tötung des bekannten US-Scharfschützen Chris Kyle zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Gericht im Bundesstaat Texas sah es als erwiesen an, dass der 27 Jahre alte Eddie Ray Routh das einstige Mitglied der "Navy-Seals"-Eliteeinheit und dessen Freund im Februar 2013 kaltblütig erschossen hat.

Die Verteidigung hatte vergeblich auf Unzurechnungsfähigkeit plädiert. Nach nicht einmal dreistündigen Beratungen fällten die zwölf Geschworenen am Gericht der texanischen Kleinstadt Stephenville einstimmig ihr Urteil. Routh hat ihm zufolge keine Aussicht auf eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis. Eine Todesstrafe hatte die Anklage im Vorfeld ausgeschlossen, der Verurteilte hat aber keine Aussicht auf eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis.

Chris Kyle wird als erfolgreichster Scharfschütze des US-Militärs beschrieben. Der hochdekorierte Soldat, der zwischen 1999 und 2009 an vier Missionen im Irak beteiligt war, erschoss nach offizieller Zählung rund 160 Feinde aus dem Hinterhalt. Seine Autobiografie "American Sniper" belegte in vielen Bestseller-Listen die oberen Plätze. Nach seinem Austritt aus dem Militär hatte er eine Sicherheitsfirma gegründet und sich für behinderte Veteranen eingesetzt.

Angeklagter war traumatisiert

Routh hatte Kyle und dessen Freund Chad Littlefield an einem Schießstand in Texas getötet. Nach Angaben der "Washington Post" litt er nach Einsätzen im Irak und dem Erdbebengebiet von Haiti an einer posttraumatischen Belastungsstörung und war bis eine Woche vor der Tat in psychischer Behandlung. Seine Mutter selbst hatte demnach Kyle gebeten, sich um ihren Sohn zu kümmern - der "American Sniper" stand der Stiftung Fitco Cares nahe, die ehemaligen Soldaten mit posttraumatischen Störungen hilft.

Kyle und Littlefield holten Routh am Tag der Tat in Kyles Kleinlaster ab und fuhren mit ihm zum Schießstand, um dem gemeinsamen Hobby nachzugehen und ihre Hilfe anzubieten. Routh tötete den zweifachen Vater Kyle mit sechs Schüssen aus dessen eigener Pistole und Littlefield mit sieben Schüssen, flüchtete dann in dem Kleinlaster und wurde später bei seiner Schwester festgenommen.

Den beiden Opfern wurde offenbar schon auf der Fahrt zum Schießstand klar, dass etwas nicht in Ordnung war. "Dieser Typ ist total verrückt", schrieb Kyle in einer SMS-Botschaft an seinen Freund, dieser antwortete: "Er sitzt direkt hinter mir, pass' auf meinen Rücken auf." Laut Rouths Verteidigung litt ihr Mandant unter einer Psychose. Bei seinem Geständnis soll er gesagt haben, dass "Leute seine Seele aussaugen und er die Schweine riechen konnte".

Nach Auffassung der Anklage hatte Routh vor allem Drogen- und Alkoholprobleme, war aber trotz seiner geistigen Verwirrung durchaus in der Lage, "zwischen Gut und Böse" zu unterscheiden. Dieser Auffassung folgten auch die Geschworenen. Littlefields Mutter begrüße in einer kurzen Erklärung das Urteil.

Filmadaption in den USA umstritten

Der Ermordete ist die Hauptfigur in dem umstrittenen Hollywood-Film "American Sniper", der in diesem Jahr für sechs Oscars nominiert und in US-Kinos ein großer Erfolg war. Der Film erhielt am Ende den Oscar für den besten Tonschnitt. Der Prozess sorgte wegen der Popularität der Verfilmung für Aufsehen. In Deutschland läuft der Film von Regisseur Clint Eastwood an diesem Donnerstag an.

Die Verteidigung hatte im Vorfeld des zweiwöchigen Prozesses Zweifel daran geäußert, dass Routh angesichts der Kinoerfolgs von "American Sniper" und der weitverbreiteten Verehrung Kyles als Held ein fairer Prozess erwartet. Richter Jason Cashon lehnte ihren Antrag aber ab, das Verfahren zu verlegen und auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, wenn die Erinnerung an den Film verblasst ist.

In den USA ist die Meinung über "American Sniper" durchaus geteilt: Während US-Präsidentengattin Michelle Obama den Film verteidigte, monierten Kritiker, der Film glorifiziere einen Soldaten mit einer äußerst schlichten Weltsicht: In seiner Biographie beschreibt Kyle die Iraker unter anderem als "Wilde". Der Film von Regisseur Clint Eastwood wurde ungeachtet der Kritik sechs Mal für den Oscar nominiert. Letztlich erhielt er am vergangenen Wochenende aber lediglich die Trophäe für den besten Tonschnitt.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa/AFP

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