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Grüne Woche beginnt in Berlin Lebensmittelbranche trifft Kunden und Kritiker

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Die Internationale Grüne Woche findet in diesem Jahr bereits zum 84. Mal statt.

(Foto: picture alliance / Gregor Fische)

Für die einen ist sie ein riesiges Probier-Buffet, für andere Schau einer zweifelhaften Scheinwelt: Von heute bis zum 27. Januar werden auf der Grünen Woche 400.000 Messe-Besucher in Berlin erwartet.

Schuhplattler, Kuhställe und Bierhumpen - damit rechnet mancher in Deutschlands Hauptstadt ebenso wenig wie mit einem fertigen Flughafen. Doch einmal im Jahr treffen in Berlin zwei Welten aufeinander: Diejenigen, die Fleisch, Milchprodukte, Gemüse und Brot für Millionen herstellen - und diejenigen, die es essen. Am heutigen Freitag beginnt die weltgrößte Agrar- und Ernährungsmesse Grüne Woche in Berlin.

An den insgesamt zehn Messetagen wollen die Veranstalter 400.000 Besucher anlocken. Sie kommen zum Schlemmen und Staunen, manche auch zum Streiten: über Essgewohnheiten und die Folgen für Tiere, Menschen und Umwelt. Und über die Frage, wie es gelingen kann, die weiter wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Für alles zusammen will Bundesagrarministerin Julia Klöckner den Blick auf die Chancen der Digitalisierung lenken - auch als Gastgeberin für zahlreiche Amtskollegen aus aller Welt.

Von Kolumbien bis Kasachstan - Aussteller aus 65 Ländern

"Der Run auf die Grüne Woche ist ungebrochen", wirbt ein Messe-Sprecher vorab. Die Veranstaltungsfläche ist gewachsen, ebenso die Zahl der Aussteller, die 1700 übertreffen wird. Aus mehr als 60 Ländern werden sie kommen. Daneben gibt es Konferenzen, auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel haben sich angekündigt. Dabei wollen sich nicht nur auf dem Messegelände Menschen sammeln - um zu protestieren gegen das, was sie Massentierhaltung und Agrarindustrie nennen. "Wir haben es satt!" Unter diesem Motto ziehen jedes Jahr zur Grünen Woche Tausende durch Berlin, aufgerufen von rund 100 Organisationen, darunter auch Verbände sowohl ökologisch als auch konventionell wirtschaftender Bauern.

Foto Demo

"Wir wollen transparent sein, wir wollen zeigen, wie nachhaltig wir Lebensmittel erzeugen", sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied. "Der größte Bauernhof ist dann in der Hauptstadt auf dem Erlebnisbauernhof." Das ist jener Teil der Hallen, wo Besucher auf Trecker klettern, Schweinen über die Borsten streicheln und sich per 360-Grad-Video auf echten Betrieben umsehen können. "Da kann man sehen, fühlen, riechen, wie Landwirtschaft funktioniert - vom Produkt auf dem Acker bis zum Endprodukt", meint Rukwied.

Bauern offen für Dialog

Dies soll ein direktes Bild moderner Landwirtschaft rüberbringen. Und ein anderes als Videos mit toten oder verstümmelten Tieren, die Tierschutz-Aktivisten zuweilen mitbringen, nachdem sie sich Zutritt zu Ställen verschafft haben. "Stellen Sie sich der Auseinandersetzung bei Tage und schleichen Sie nicht nachts auf unseren Höfen herum", fordert deshalb Brandenburgs Bauernverband vor dem Beginn der Messe. Nötig sei eine ehrliche Debatte auch darüber, wie Verbraucher einkaufen, über die Macht des Handels und wirtschaftlichen Druck auf die Bauern.

Geschäftlich blicken viele Landwirte lieber vorsichtig ins neue Jahr. Denn die lange Dürre 2018 hat vor allem im Norden und Osten der Republik die Ernte vermiest und Grasfutter fürs Vieh knapp werden lassen. Höfe in akuter Finanznot reichten mehr als 8500 Anträge für ein Millionen-Hilfsprogramm von Bund und Ländern ein. Dabei ist die Lage aktuell durchaus unterschiedlich: Während Milchbauern recht stabile Preise erzielen können, stehen viele Tierhalter unter Druck. Lamentieren will die Branche aber nicht. "Wir Landwirte sind es gewohnt, mit der Witterung zu arbeiten - da gibt es trockene Jahre, da gibt es feuchte Jahre", so Rukwied. "Wir sind im neuen Jahr, und da starten wir neu mit Elan." Generell sei es aber schon so, dass angesichts steigender Kosten höhere Preise gebraucht würden.

Finnland ist Partnerland

Für viele Bauern ist die Messe das traditionelle Jahresauftakt-Treffen, wenn Äcker teils unter Schnee liegen und auf dem Hof nicht so viel zu tun ist. Allein 2000 Busse aus ganz Deutschland werden erwartet. Es gibt in Berlin eine Landjugendfete mit der Band Krachleder, Züchter präsentieren in den Hallen unter dem Funkturm ihre Pferde bei Hengstparaden.

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Das diesjährige Messe-Partnerland Finnland ködert Gäste mit Flammlachs, Dinkel-Lakritze, Rentier-Chips und Roggen-Gin. Die Ernährungsindustrie bringt alkoholfreies Proteinbier unters Volk. Und Informationen dazu, welche Rolle Algen in der Küche spielen können. Die Grüne Woche wird zudem immer veganer: In diesem Jahr gibt es 65 Aussteller, die sich ausschließlich Veganern zuwenden - vor fünf Jahren waren es ganze drei. Dabei ist die Messe immer auch Testmarkt. Im vergangenen Jahr probierten Grüne-Woche-Besucher Insekten-Burger aus Maden. Heute werden diese von einer großen Supermarktkette verkauft.

Quelle: n-tv.de, Burkhard Fraune & Sascha Meyer, dpa

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