Panorama

Konzept für Januar gefordert Lehrer beklagen "beängstigende" Lernrückstande

Das Krisenmanagement für Schulen während der Corona-Pandemie ist nach Ansicht des Lehrerverbandes katastrophal. Der Vorsitzende Meidinger sieht die Bildungseinrichtungen kaum besser gerüstet als beim ersten Lockdown im Frühjahr. Familienministerin Giffey widerspricht.

Der Deutsche Lehrerverband hat das Krisenmanagement der Länder bei der Schulpolitik scharf kritisiert. "Man hat krampfhaft am Präsenzunterricht festgehalten und es versäumt, im letzten halben Jahr die Schulen fit zu machen für einen funktionierenden Wechselunterricht", sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger zu ntv. Die Lernrückstände, die dadurch entstanden sind, seien "beängstigend".

Gegenüber der "Passauer Neuen Pesse" sprach Meidinger von einem "teilweise katastrophalen Krisenmanagement". Von Politik und Behörden seien die Schulen "als quasi coronafreie Zonen dargestellt" worden. Das rapide Wachstum der Infektionsfälle und der dramatische Anstieg der Quarantänemaßnahmen an Schulen habe diese Behauptung widerlegt, so der Verbandspräsident. "Bei der Versorgung der Schulen mit schnellem Internet stehen wir nicht viel besser da als im März diesen Jahres."

Im Interview mit ntv fordert der Verbandschef ein klares Konzept für die Zeit nach dem 10. Januar. "Wir brauchen Vollgas bei der Nachrüstung von Schulen mit der digitalen Ausstattung", so Meidinger.

Familienministerin Giffey sagte im ZDF-"Morgenmagazin" zu dem Vorwurf des fehlenden Fortschritts im Bereich Schule, es habe "an vielen Stellen eine Weiterentwicklung" gegeben. "Es hängt sehr daran, wie die einzelnen Schulen das machen, wie die Priorität in den Ländern ist", sagte die SPD-Politikerin. Wenn sich nach dem 10. Januar das Infektionsgeschehen hoffentlich wieder verbessere, werde sie sich dafür einsetzen, "dass wir ganz klar Schule und Kitas nach vorne stellen, dass es die ersten sind, die auch wieder vollständig ihr Angebot machen", sagte die Ministerin.

Bund und Länder hatten am Sonntag beschlossen, dass im Rahmen des harten Lockdowns die Schulen und Kitas ab spätestens Mittwoch und bis mindestens zum 10. Januar geschlossen bleiben.

Von Erfahrung aus Frühjahr profitieren

In den Funke-Zeitungen rief Giffey die Arbeitgeber auf, berufstätige Eltern "pragmatisch zu unterstützen". Eltern und Arbeitgeber könnten diesmal von den Erfahrungen aus dem Frühjahr profitieren. Studien hätten gezeigt, dass jedes zweite Unternehmen in der Krise familienbewusste Maßnahmen eingeführt oder ausgeweitet habe. Drei Viertel der Eltern, die wegen der Kinderbetreuung mit ihren Arbeitgebern gesprochen hatten, erhielten demnach von diesen Unterstützung.

Sie verwies zudem darauf, dass Familien weiterhin Anspruch auf staatliche Corona-Hilfen haben. Wenn Eltern die Kinderbetreuung wegen fehlender Alternativen ganz zu Hause übernehmen müssen und deshalb ihrer Arbeit nicht nachgehen könnten, bekommen sie eine Entschädigung von 67 Prozent des Nettoeinkommens. Daneben wurde die Zahl der Kinderkrankentage für 2020 erhöht, die jedem Elternteil jährlich zusteht - und zwar von zehn auf 15 Tage pro Elternteil sowie von 20 auf 30 für Alleinerziehende.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnte die Länderregierungen, sich an die Vereinbarungen vom Sonntag zu halten und die Kitas wie die Schulen weitgehend zu schließen. "Wir können jetzt keine Alleingänge der Länder gebrauchen. Beschäftigte, Eltern und Kinder benötigen Regelungen, auf die sie sich verlassen können", erklärte Björn Köhler, Kita-Experte und GEW-Vorstandsmitglied für Jugendhilfe und Sozialarbeit. "Das ständige Hin und Her der vergangenen Monate darf so nicht weitergehen."

Quelle: ntv.de, chf/AFP

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